21.02.13

Etikettenschwindel

Pferdefleisch - Abgeordnete fordern mehr Kontrolle

Nach Lebensmittel-Tests auf nicht gekennzeichnetes Pferdefleisch gibt es in Berlin inzwischen drei Verdachtsfälle.

Der Pferdefleisch-Skandal hat bisher keine großen Auswirkungen auf Berlin. In 3 von 30 bisher untersuchten Proben bestehe der Verdacht auf nicht deklariertes Pferdefleisch in Lebensmitteln, sagte Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.

Endgültige Klarheit brächten erst die B-Proben, deren Ergebnisse wegen chemischer Prozesse erst am Freitag vorliegen könnten. Insgesamt wurden in Berlin bisher 100 Proben genommen. Einig waren sich alle fünf Fraktionen, dass die Kontrollen der Lebensmittel erhöht und Produktion und Vertrieb der Produkte transparenter für Verbraucher gestaltet werden müssten.

Der Handel nehme in Berlin die Lebensmittel zurück, die in Verdacht stünden, Pferdefleisch zu enthalten, sagte Heilmann. Deshalb habe bisher hier nichts entsorgt werden müssen. Der Senator verwies darauf, dass der Betrug mit dem nicht ausgewiesenen Pferdefleisch durch die undurchsichtigen Produktions- und Vertriebswege quer durch Europa erleichtert werde.

"Die Herkunft der Tiere muss klar deklariert werden und dafür brauchen wir europäische Gesetze", sagte der Senator. Er räumte ein, dass die Veterinärämter der Bezirke ebenso wie das Landeslabor Berlin-Brandenburg personell Probleme hätten, allen Kontrollaufgaben gerecht zu werden.

Auch die SPD-Abgeordnete Irene Köhne forderte mehr Lebensmittel-Kontrolleure. Nötig sei zudem das Eingeständnis, dass Berlin in diesem wichtigen Bereich zu stark Personal abgebaut habe, sagte Köhne. Nach Angaben des Grünen-Abgeordneten Turgut Altug sind in den Bezirken nur 60 Kontrolleure tätig. Sie könnten gar nicht alle Nahrungsmittel im Blick behalten.

Altug, sein Linke-Kollege Klaus Lederer und der Pirat Simon Kowalewski hinterfragten aber auch kritisch das Konsumverhalten der Verbraucher. "Wer Fleisch zu Dumpingpreisen kauft, braucht sich trotz hoher EU-Förderungen für Massentierhaltung nicht zu wundern, wenn dann Industrieabfall auf dem Teller landet", sagte Kowalewski. Allerdings müsse sich der Verbraucher auch bei Billigprodukten darauf verlassen können, dass die ausgewiesenen Inhaltsstoffe auch tatsächlich in den Produkten enthalten seien, forderte Altug.

Lederer kritisierte die oft mafiaartigen Strukturen der Lebensmittelindustrie. Gebraucht werde eine andere Lebensmittelökonomie, forderte der Linke: "Kurze Wege, regionale Produkte und klare Kennzeichnung der Inhaltsstoffe für den Verbraucher."

Quelle: dpa/sei
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