17.02.13

Reinickendorf

Berliner ersticht 18 Jahre alten Räuber aus Notwehr

Als drei Jugendliche von einem Passanten 50 Euro forderten, wehrte sich der Angegriffene. Er stach einem der Räuber in die Brust.

Von Michael Behrendt, Peter Oldenburger und Steffen Pletl
Foto: Steffen Pletl
Wollten helfen: Katja und Petra aus der Nachbarschaft
Wollten helfen: Katja und Petra aus der Nachbarschaft

Eine Auseinandersetzung zwischen drei 18-Jährigen und einem 43 Jahre alten Mann in Reinickendorf endete in der Nacht zu Sonntag für einen der jungen Männer tödlich. Bei dem Versuch, den 43-Jährigen in der Hechelstraße auszurauben, kam es zu einer folgenschweren Messerattacke:

Der Angegriffene zog während eines Gerangels ein Messer und stach einen der drei Angreifer nieder. Der 18-Jährige taumelte, im Oberkörper getroffen und stark blutend, noch wenige Schritte und brach auf dem Gehweg zusammen. Neben einem geparkten Auto liegend verblutete der junge Mann, noch bevor die Feuerwehr am Ort des Geschehens eintraf.

Alarmierte Polizeibeamte nahmen die beiden 18-Jährigen und den 43-Jährigen noch am Tatort fest. Zur Aufklärung des Tatgeschehens übernahm wenig später die 2. Mordkommission die Ermittlungen, die noch andauern.

Trio pöbelte und forderte Geld

Nach ersten Ermittlungen hatte der 18-Jährige am Sonnabend gegen 23.30 Uhr gemeinsam mit seinen gleichaltrigen Begleitern versucht, vor dem Haus Hechelstraße 7 den 43-Jährigen auszurauben. Die einschlägig Polizeibekannten pöbelten den 43-Jährigen zunächst an und forderten Geld.

Nach Morgenpost-Informationen wollten die drei 50 Euro von dem Mann, der auf dem Weg in die nahe gelegene Scharnweberstraße war, um sich ein Video auszuleihen. Der 43-Jährige weigerte sich, Geld herauszugeben und wurde von den 18-Jährigen umringt. Als einer von ihnen versuchte, den 43-Jährigen Fußtritte zu versetzen, eskalierte die Situation.

Der Angegriffene zog ein Messer und drohte nun seinerseits den Angreifern, die Waffe einzusetzen, um sie zu vertreiben. Doch die jungen Männer gaben nicht auf und attackierten den 43-Jährigen trotz seiner Waffe. Nach Polizeiangaben kam es zu einem wilden Gerangel, der 43-Jährige verlor dabei seinen MP3-Player, der später in Tatortnähe von Kriminalbeamten entdeckt und sichergestellt wurde.

43-Jähriger zieht Messer

Im weiteren Verlauf des Streits stach der 43-Jährige einem der 18-Jährigen mit dem Messer in die linke Seite des Oberkörpers. Heftig blutend brach der junge Mann zusammen. Danach rief der 43-Jährige umgehend die Feuerwehr an, um einen Notarzt zu alarmieren.

Unmittelbar nach der Messerattacke auf den 18-Jährigen kamen Katja S. (19) und Petra M. (20)* aus einem Haus gegenüber. Die angehende Kosmetikerin und die Fachabiturientin wollten eigentlich tanzen gehen. Doch dann sahen sie auf dem Gehweg eine Person liegen. Gleichzeitig kam der 43-Jährige auf die Frauen zu. "Der Mann sagte, das war Notwehr", so Katja S.

Als die Frauen die Straße überquerten, sahen sie den schwer Verletzten. Er habe auf der Seite gelegen und geröchelt. Dann entdeckten sie eine etwa zehn Zentimeter tiefe Stichwunde auf der Herzseite. Während Katja den Verbandskasten aus ihrem 20 Meter entfernt geparkten Auto holte, um die Blutung zu stoppen, sprach Petra mit den beiden Freunden des Verletzten und forderte sie auf, ihre Jacken auszuziehen. "Damit wollten wir die Wunde zupressen. Doch die beiden standen voll unter Schock. Nur den Namen ihres Freundes brachten sie hervor", sagte Petra M.

"Keiner hat geholfen"

Katja S. versuchte, den Verletzten mit leichten Schlägen auf die Wangen wach zu halten und presste Kompressen auf die noch immer stark blutende Wunde. "Gefühlte 20 Minuten hat es gedauert, bis endlich ein Rettungswagen da war. Es war schrecklich, die Polizei war viel früher da", erzählt die 19-Jährige. Laut Feuerwehr traf aber die Rettung exakt sechs Minuten nach der Alarmierung ein.

"Am schlimmsten war für uns, dass viele neugierig aus den Fenstern schauten, aber keiner hat geholfen", sagten die beiden Frauen übereinstimmend. Sie fühlten sich schon länger nicht mehr wohl im Kiez, nun wollen sie wegziehen.

Als dann in kurzer Folge ein Rettungswagen und ein Notarztwagen der Feuerwehr eintrafen, konnten die Retter nichts mehr ausrichten. Der 18-Jährige aus Hermsdorf erlag noch auf dem Gehweg der Stichverletzung. Die Polizei sperrte den Tatort bereits ab, wenig später trafen Kriminaltechniker ein, um den Schauplatz des tragischen Raubversuchs auf Spuren zu untersuchen.

In Notwehr gehandelt

Die sichtlich benommenen Freunde des 18-Jährigen wurden festgenommen und zur Vernehmung an die Kripo übergeben. Beide waren schon wegen Straftaten mit dem Gesetz in Konflikt geraten, bestätigte die Polizei. Der Getötete galt wegen mehrerer Straftaten bereist als "Schwellentäter". So werden Serientäter bezeichnet, bevor sie in die Kategorie Intensivtäter fallen.

Nachdem sie von Beamten der Mordkommission vernommen wurden, kamen die Jugendlichen und der Überfallene auf freien Fuß. Für die beiden mutmaßlichen Räuber lägen keine Haftgründe vor, teilte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit.

"Für den angegriffenen 43-Jährigen besteht kein dringender Tatverdacht für ein Tötungsdelikt. Nach vorliegenden Erkenntnissen gehen wir derzeit von einer Notwehrsituation aus", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner.

* Namen geändert

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