16.02.13

Landung missglückt

Flugverkehr in Schönefeld läuft nach Unfall wieder

Ein havariertes Kleinflugzeug hat am Flughafen Schönefeld die einzige Startbahn blockiert. Tausende Reisende saßen stundenlang fest.

Von Thomas Fülling, Steffen Pletl und Ulla Reinhard
Foto: dpa

Am Flughafen Schönefeld ist ein Privatflugzeug von der Landebahn abgekommen.

14 Bilder

Kleine Ursache – große Wirkung: Weil einem Kleinflugzeug die Landung misslang, wurde am Freitag der Betrieb am Flughafen Berlin-Schönefeld mehr als sechs Stunden unterbrochen. Tausende Passagiere mussten oft stundenlang auf ihren Abflug warten. Inzwischen hat sich der Flugverkehr am Sonnabend wieder normalisiert.

Insgesamt fielen 13 Starts und Landungen aus. Ein Flug nach Tel Aviv wurde auf den heutigen Sonnabend verlegt. 20 Flüge nach Schönefeld wurden auf andere Flughäfen umgeleitet. Der Geschäftsflieger vom Typ Embraer Phenom 100 war bei seiner Landung um 9.10 Uhr von der Piste abgekommen, bei dem Unfall wurde niemand verletzt.

Flugreisende sitzen fest

Matthias Kirchler hatte bereits eingecheckt, als plötzlich sein Flug nach Venedig abgesagt wurde. Der 26-Jährige hatte zuvor Berlin mit einer Jugendgruppe besucht. Doch nun saßen die 14 Jugendlichen im Eingangsbereich des Flughafens auf dem Boden, spielten Karten und hörten Musik. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht", sagt Kirchler verärgert, "wir erhalten keinerlei Informationen".

Die Jugendgruppe von Matthias Kirchler gehörte zu den vielen Reisenden, die am Freitag in Schönefeld festsaßen. Es gab ab dem frühen Vormittag weder Starts noch Landungen. Um 9.05 Uhr konnte noch eine Maschine der Schweizer Sky Work Airlines in Richtung Bern starten.

Nur wenige Minuten später verunglückte ein kleines Geschäftsflugzeug bei der Landung. Die Maschine vom brasilianischen Typ Embraer Phenom 100 kam bei ihrer Landung um 9.10 Uhr von der Piste ab und rutschte anschließend auf einen Seitenstreifen.

Das Flugzeug mit der Kennung OO-MA war zuvor in Kortrijk im Südosten Belgiens gestartet. An Bord befanden sich nur zwei Besatzungsmitglieder und ein Passagier. Alle Insassen konnten das Flugzeug unverletzt verlassen.

Das verunglückte Kleinflugzeug stand allerdings so ungünstig, dass es die einzige Start- und Landebahn in Schönefeld blockierte. Erst um 15.22 Uhr konnten die ersten Maschinen in Schönefeld wieder abheben.

Lange Warteschlangen

Im Abfertigungsbereich des Flughafens ging unterdessen nicht mehr viel. Tausende Reisende waren von der abrupten Unterbrechung des Flugbetriebs in Schönefeld betroffen. Viele von ihnen wussten über Stunden nicht, ob ihr Flug überhaupt noch am selben Tag starten würde. Vor den Schaltern gab es lange Warteschlangen.

Service-Mitarbeiter der Airlines und der Flughafengesellschaft FBB mussten ohne Pause Auskunft geben. Erschöpfte Reisende setzten sich auf ihre Koffer oder auf den Boden. Die meisten zeigten jedoch Verständnis für die Situation. "Bei allem Ärger sind wir froh, dass den Insassen nichts passiert ist", sagte Friedrich Hieke, der mit seiner Frau in den Urlaub nach Antalya fliegen wollte.

Seit zwölf Uhr waren die beiden am Flughafen. Erst am Nachmittag erfuhren sie, dass sie um 17 Uhr mit dem Bus nach Leipzig gebracht werden und von dort aus weiter in die Türkei fliegen sollten. Auch eine Gruppe von Ruderern saß am Freitag am Flughafen fest. "Wir wollten zu einer Regatta nach Nizza", sagte Thomas Schmidt, "nehmen die Situation aber mit Humor." Er und seine Freunde vertrieben sich die Wartezeit in einer Bar. "Irgendwann werden wir schon ankommen", so Schmidt.

13 Flüge fielen aus

Laut Flughafensprecher Ralf Kunkel fielen wegen der Panne insgesamt 13 Starts und Landungen aus. Der geplante Flug der israelischen El Al nach Tel Aviv wurde auf den heutigen Sonnabend verlegt. 20 Flüge nach Schönefeld mussten auf andere Flughäfen umgeleitet werden, 19 davon nach Tegel, einer nach Leipzig.

Nachdem in den vergangenen Jahren der Flugverkehr in Berlin überdurchschnittlich stark angewachsen ist, haben Experten wiederholt vor gefährlichen Zwischenfällen in der Hauptstadtregion gewarnt. Als besonders gefährdet wird von ihnen jedoch eher der Flughafen Tegel angesehen, über den derzeit fast drei Viertel des gesamten Berliner Passagieraufkommens (2012: 25 Millionen Fluggäste, davon 18 Millionen in Tegel) abgewickelt werden. Mit 7,1 Millionen abgefertigten Fluggästen ist Schönefeld aktuell die Nummer acht unter allen Flughäfen in Deutschland.

In Tegel ist es trotz einiger kritischer Zwischenfälle bislang zu derart umfangreichen Störungen nicht gekommen, vor allem wohl auch deshalb, weil dort anders als derzeit in Schönefeld zwei Start- und Landebahnen zur Verfügung stehen. Auch der neue Hauptstadtflughafen BER wird über zwei Pisten verfügen: die derzeit bereits am alten Flughafen SXF genutzte Nordbahn und eine neue, vier Kilometer lange Südbahn.

Es klang nach Fehlzündung

Warum es zu dem aktuellen Zwischenfall in Schönefeld kam, ist bisher unklar. Das Landemanöver sei zunächst völlig normal abgelaufen, berichtete ein Anwohner, der den Unfall beobachtet hatte. "Das Flugzeug ist langsam herunter gesegelt, wie es bei Landungen üblich ist", sagte der Augenzeuge. Die Triebwerke hätten weder auffällige Geräusche gemacht, noch sei sonst irgendetwas ungewöhnlich gewesen.

Als die Maschine aufsetzte, habe es dann plötzlich einen lauten Knall gegeben. "Das hörte sich an wie bei einer Fehlzündung", berichtete der Mann weiter. Kurz darauf sei das Flugzeug nach rechts weggekippt. Zu sehen war, dass das rechte Hauptfahrwerk eingeknickt war.

Die Brandenburger Landespolizei und die Bundespolizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Gemeinsam mit Einsatzkräften der Flughafenfeuerwehr stellten die Beamten zunächst sicher, dass von dem Flugzeug keine Gefahren mehr ausgingen. Die Landebahn wurde im Bereich des Unfallorts abgesperrt. Da die Untersuchungen länger dauern würden, wurde kurz darauf das gesamte Flugfeld gesperrt.

"Wir haben ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr eingeleitet", sagte ein Polizeisprecher aus Potsdam. Ob technische Mängel oder Pilotenfehler Ursache für die verunglückte Landung des Geschäftsfliegers waren, wird derzeit von Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ermittelt. Ergebnisse werden voraussichtlich aber erst in der kommenden Woche vorliegen, sagte ein Sprecher der Bundesbehörde.

Die Unglücksmaschine, eine EMB-500, die unter dem Namen Phenom 100 vermarktet wird, ist ein relativ neues und modernes Flugzeug. Die 12,5 Meter lange Maschine wird erst seit 2007 von Embraer in Brasilien und in den USA gebaut. Die zweistrahlige Maschine ist mit einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 700 Kilometern pro Stunde unterwegs und kann bis zu sechs Passagiere befördern.

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