16.02.13

"Morgenpost vor Ort"

In Prenzlauer Berg oder "Wem gehört der Kiez?"

Die Veränderungen in der Hauptstadt beschäftigen viele Berliner. Die Morgenpost startet jetzt ein Forum - Prenzlauer Berg macht den Anfang.

Foto: picture alliance / dpa

Das ehemalige Brauereigelände Pfefferberg in der Schönhauser Allee - hier findet das Diskussionsforum der Berliner Morgenpost statt
Das ehemalige Brauereigelände Pfefferberg in der Schönhauser Allee - hier findet das Diskussionsforum der Berliner Morgenpost statt

Die wichtigste Kultur ist der Dialog zwischen den Menschen. Unter diesem Leitmotto startet die Berliner Morgenpost eine neue Diskussionsreihe: "Morgenpost vor Ort". Wir kommen zu Ihnen in die Nachbarschaft und sprechen über Themen, die den Berlinern unter den Nägeln brennen und das öffentliche Leben in der Stadt bestimmen.

Die erste Runde trifft sich am Dienstag, 26. Februar, auf dem "Pfefferberg" in Prenzlauer Berg. Das Thema lautet: "Wem gehört der Kiez – Wohin treibt Prenzlauer Berg?" Mit Moderator Hajo Schumacher diskutieren Tanja Dückers, Jens-Holger Kirchner, Markus Gruhn, Doris Burneleit und Christine Richter. 50 Leser unserer Zeitung können kostenlos dabei sein.

Neues Bürgertum im Arbeiterkiez

Berlin verändert sich rasend schnell. Die Bevölkerung wächst, die Mieten steigen. Stadtteile, die vor einigen Jahren noch als Problemkieze galten, sind plötzlich beliebt und begehrt bei Kreativen und gut verdienenden Zuzüglern. Die Nachbarschaft mischt sich neu, ein sozialer Wandel ist die Folge. Über kein Thema wird in der Stadt so andauernd gestritten wie über diese als "Gentrifizierung" bekannt gewordenen Veränderungen.

Und wohl nirgendwo wird die Debatte so vehement geführt wie in Prenzlauer Berg. Der Stadtteil spielt eine besondere Rolle in Berlin, wurde er doch gleich nach der Wende zum In-Kiez ausgerufen. Wer nach Berlin kam, um etwas in der Stadt zu bewegen, um sich zu entdecken und an der Aufbruchstimmung teilzuhaben, zog nach Mitte oder Prenzlauer Berg.

Schnell wurden ganze Straßenzüge saniert, aus maroden Arbeiterquartieren wurden Luxus-Eigentumswohnungen. Den Studenten folgten Lehrer, Architekten, Medienvertreter – und Touristen. Prenzlauer Berg, in der Endphase der DDR das Quartier der Künstler und Oppositionellen, wurde zur Heimat eines neuen Bürgertums. Bald machte das ironische Etikett vom "Bionade-Biedermeier" die Runde.

Mehrere Sanierungswellen

Inzwischen hat das Viertel zwischen Schwedter und Greifswalder Straße, zwischen Tor- und Wisbyer Straße mehrere Sanierungswellen hinter sich. Immer weitere Teile von Prenzlauer Berg geraten in den Strudel von Bauboom, Edel-Modernisierung und sozialem Wandel. Wo viele Bewohner sich Grünflächen erhofft hätten, entstehen neue Häuser. Was die einen als Aufwertung des Kiezes begrüßen, kritisieren die anderen als rigide Verdrängung der angestammten Anwohnerschaft.

Auch Neuberliner, die erst vor zehn oder 15 Jahren dorthin zogen und damals höhere Mieten in Kauf nahmen, müssen sich heute mit der Frage auseinandersetzen, ob sie sich die seitdem kräftig gestiegenen Wohnungspreise noch leisten können.

Manche reiben sich verwundert die Augen, was in nur zwei Jahrzehnten aus ihrem Kiez geworden ist. Menschen, die in den Hinterhöfen und Erdgeschossen ihre Architekturbüros, Schneidereien oder Cafés aufmachten und die Gegend damit aufwerteten, können sich heute die gestiegenen Mieten kaum noch leisten. Wo der Bäcker auszieht, zieht eine Boutique ein.

Das Nachtleben, das einst in Prenzlauer Berg fest verankert war, ist durch neue Mieter rausgeklagt worden. Aber wenn niemand mehr tanzen und feiern kann, wenn die Lokale ihre Gäste an lauen Sommernächten nicht mehr auf der Straße sitzen lassen können, was bedeutet das für das Viertel?

Suche nach "Schuldigen"

Die Suche nach "Schuldigen" ist ein bestimmendes Gesprächsthema. Zuletzt hat Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse mit einigen ironischen Anmerkungen über die Schwaben, die mit ihrer Heimatkultur das Leben in Prenzlauer Berg dominieren würden, heftige Reaktionen ausgelöst – weit über die Grenzen des Viertels hinaus.

Thierse traf einen wunden Punkt, die Debatte um den vermeintlichen "Schwabenhass" kam wochenlang nicht aus den Schlagzeilen. Die anonym bleibende Gruppe, die sich Free Schwabylon nennt, befeuerte diese Debatte zusätzlich mit umstrittenen Aktionen wie einer Nudelattacke auf das Käthe-Kollwitz-Denkmal und einer geschickt fotografierten Mauer aus Maultaschen.

Auch das Bezirksamt Pankow sorgt für Diskussionen. Als erste Berliner Bezirksverwaltung hat es in einigen Wohngebieten den Anteil von Luxuswohnungen begrenzt. Seit 1.Januar dieses Jahres ist es in diesen Gebieten verboten, kleine Wohnungen zu größeren zusammenzulegen.

Eine aufwendige Sanierung mit Kamin oder Fußbodenheizung wird nicht mehr genehmigt, ebenso der Einbau eines zweiten Bades bei kleineren Wohnungen oder ein zweiter Balkon. Auch die Wärmedämmung von Fassaden soll untersagt werden, wenn sich die Vorgaben der Energieeinsparverordnung auch mit neuen Fenstern und einer modernen Heizung erreichen lassen. Die Umwandlung in Ferienwohnungen wird ebenfalls verboten.

Gesetze gegen Luxuswohnungen

Diese Beschränkungen gelten vor allem für Teile von Prenzlauer Berg, sollen nach dem Wunsch von Pankows Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) so schnell wie möglich auf den ganzen Ortsteil ausgeweitet werden. "Endlich zieht jemand die Reißleine gegen die Mietenexplosion", jubeln die einen. "Unzulässige Gängelung von Investoren und Wohnungssuchenden; gedankliche Nähe zum Kommunismus", wettern die anderen.

Wie steht es um den Prenzlauer Berg? Wie sieht die Zukunft des Kiezes aus? Darüber sprechen die Experten am 26.Februar bei unserer Podiumsdiskussion. Und Sie können dabei sein, Fragen stellen, mitdiskutieren oder einfach nur zuhören. Kommen Sie zu "Morgenpost vor Ort", wir freuen uns auf Sie.

"Morgenpost vor Ort", das neue Diskussionsforum der Berliner Morgenpost, wird künftig regelmäßig stattfinden – immer in einem anderen Kiez. Weitere Gespräche sind unter anderem zu den Themen "Schule", "Sicherheit" und "Wohnraum für Berlin" vorgesehen.

Anmeldung: Voraussetzung zur Teilnahme ist, dass Sie sich unter dem Kennwort "Morgenpost vor Ort" bei der Berliner Morgenpost anmelden. Das geht ganz einfach per E-Mail an aktionen@morgenpost.de oder per Fax an die Nummer 25917-3049 oder per Postkarte/Brief an Berliner Morgenpost, Redaktion Lokales, Brieffach 0718 in 10867 Berlin.

Schreiben Sie bitte Ihren Namen, Ihre Anschrift und Telefonnummer auf und wie viele Eintrittskarten Sie gern hätten. Wenn Sie Abonnent der Berliner Morgenpost sind, schreiben Sie bitte auch die Abo-Nummer dazu. Unsere Abonnenten werden bei der Platzvergabe bevorzugt berücksichtigt. Gehen mehr Anmeldungen ein als Plätze vorhanden sind, entscheidet das Los. Bitte haben Sie Verständnis, dass eine telefonische Anmeldung zum Forum nicht möglich ist.

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