14.02.13

Etikettenschwindel

Lasagne mit Pferdefleisch auch in Berlin verkauft

Der Pferdefleisch-Skandal hat Berlin und Brandenburg erreicht. Möglicherweise haben Berliner noch betroffene Lasagne im eigenen Kühlschrank.

Foto: dpa

Deutsche Supermärkte sind bei der Suche nach Pferdefleisch in Fertiggerichten fündig geworden - wie Edeka bei der „Gut & Günstig“-Lasagne
Deutsche Supermärkte sind bei der Suche nach Pferdefleisch in Fertiggerichten fündig geworden - wie Edeka bei der "Gut & Günstig"-Lasagne

Der Skandal weitet sich aus: Berlins Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) sagte am Donnerstag, auch Berliner Supermärkte seien "sehr wahrscheinlich" mit Pferdefleisch-Lasagne beliefert worden.

In einer Telefonkonferenz hätten die Berliner Handelsunternehmen erklärt, bereits am 6. Februar nach einem Hinweis des Herstellers die verdächtigen Waren zurückgezogen zu haben. Die Untersuchungen, ob und inwieweit in den in Berlin zurückgerufenen Produkten tatsächlich Pferdefleisch enthalten ist, sind laut Heilmann aber noch nicht abgeschlossen.

Verstärkte Kontrollen in Berlin

Im Auftrag des Senats verstärken die zuständigen Behörden ihre Kontrollen von Fleischprodukten. Alle Bezirke sind beauftragt, in den kommenden Tagen Proben an das Landeslabor Berlin-Brandenburg zu schicken. "Nicht nur Tiefkühlprodukte sind interessant", sagte Hans-Joachim Bathe-Peters, Leiter des Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamtes Mitte der Berliner Morgenpost. "Auch Mischprodukte wie zum Beispiel Bouletten oder Dönerspieße, bei denen unterschiedliche Tierarten verwendet werden".

Drei Warenlager sind in Brandenburg nach bisherigen Erkenntnissen über einen Großhändler mit Lasagne mit nicht ausgezeichnetem Pferdefleisch beliefert worden. 22.518 Packungen Tiefkühl-Lasagne-Bolognese seien vorsorglich sichergestellt worden, teilte das Verbraucherschutzministerium mit. Nach wie vor gebe es keine Hinweise, dass entsprechende Ware in den Handel gelangt sei, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Supermärkte nehmen Lasagne aus den Regalen

In Deutschland sind immer mehr Bundesländer und Unternehmen von dem Lebensmittelbetrug betroffen. Nach der Metro-Tochter Real entdeckte auch die Supermarktkette Edeka Pferdefleisch in Fertiggerichten, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. Tausende Lasagne-Packungen verschwanden aus den Kühlregalen.

Die EU-Staaten wollen an diesem Freitag in Brüssel über die Einführung europaweiter Gentests von Rindfleischprodukten entscheiden. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte dazu: "Nur mit flächendeckenden Tests und einem europaweit einheitlichen Vorgehen werden wir das tatsächliche Ausmaß dieses Falls erfassen können."

Medikamente im Pferdefleisch

Tests der britischen Lebensmittelaufsicht ergaben, dass Fleisch von acht mit dem Medikament Phenylbutazon gespritzten Pferden wohl in die Nahrungskette geraten ist. Die geschlachteten Tiere wurden nach Frankreich exportiert. Dort fielen Tests zunächst negativ aus, sagte der britische Ernährungsstaatssekretär David Heath. Das Mittel wird bei Pferden auch als Dopingmittel verwendet, bei Menschen kurzzeitig gegen Rheuma. Das Gesundheitsrisiko für Menschen ist nach Einschätzung der Behörden aber gering. Die britische Polizei nahm in Wales drei Männer wegen Betrugsverdachts fest.

Dem französischen Lebensmittelhändler Spanghero warf Frankreichs Verbraucherschutzminister Benoît Hamon "wirtschaftlichen Betrugs" vor. Spanghero habe wissentlich als Rind gekennzeichnetes Pferdefleisch vertrieben. Der von dem Unternehmen belieferte Hersteller Comigel in Metz, der Fleischprodukte wie Lasagne hergestellt hat, wurde laut Hamon getäuscht. Insgesamt sind laut den Angaben 750 Tonnen Fleisch betroffen, davon seien 550 an Comigel geliefert worden.

Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen

NRW-Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne) schließt unterdessen eine Gesundheitsgefährdung nicht aus. "Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass es auch gesundheitsgefährdende Elemente gibt", so Remmel. Bisher fehlten umfassende Analysen. Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen rät, auf den Verzehr von möglicherweise falsch etikettierten Fertigprodukten zu verzichten.

Quelle: BM
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