13.02.13

Lebensmittelskandal

Pferdefleisch-Alarm auch in Berlin - Positive Probe bei Real

Anteile von Pferdefleisch sind auch bei Lasagne in Deutschland entdeckt worden. Der Berliner Senat verstärkt seine Kontrollen.

Von Berliner Morgenpost
Foto: dpa

In den vergangenen Wochen sind in mehreren EU-Ländern Fertiggerichte entdeckt worden, in denen statt des angegebenen Rindfleischs auch Pferdefleisch verarbeitet worden war
In den vergangenen Wochen sind in mehreren EU-Ländern Fertiggerichte entdeckt worden, in denen statt des angegebenen Rindfleischs auch Pferdefleisch verarbeitet worden war

Im Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch hat der Berliner Senat die Kontrollen verschärft. Bisher sei Berlin allerdings nicht betroffen. "Es handelt sich um eine reine Vorsorgemaßnahme", betonte Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) am Mittwoch. Den Behörden in Großbritannien waren Lasagne-Packungen aufgefallen, die Pferdefleisch statt des ausgewiesenen Rindfleisches enthielten.

Auch in Deutschland gibt es jetzt einen ersten Fall: Die Supermarktkette Real entdeckte in ihrer Tiefkühl-Lasagne Pferdefleisch. Wie das Unternehmen am späten Mittwochabend in Mönchengladbach mitteilte, wurden in Stichproben "Anteile von Pferdefleisch" gefunden. Real ruft daher das Produkt "Tip Lasagne Bolognese, 400g, tiefgekühlt" zurück.

Real erstattet Kaufpreis

"Diese Maßnahme erfolgt rein vorsorglich, da zu keinem Zeitpunkt ein Hinweis auf ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher bestand", hieß es in der Pressemitteilung. Das Unternehmen arbeite eng mit den Lieferanten, Überwachungsbehörden und Ministerien zusammen. Kunden, die das Produkt gekauft haben, können es in jeder Filiale zurückgeben, so Real. Der Kaufpreis wird erstattet.

Fahnder überprüfen sechs deutsche Lebensmittelketten mit teilweise bundesweiter Verbreitung auf falsch deklarierte Ware. Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann bestätigt unterdessen, dass sie in allen rund 500 Filialen in den Regionen Berlin, Nordrhein und Oberbayern ihre A&P-Tiefkühl-Lasagne vorsorglich aus dem Verkauf genommen hat.

Am Abend sagte ein Tengelmann-Sprecher der Berliner Morgenpost, dass die Lasagne ihrer Handelsmarke A&P von Comigel stamme. Dieser Hersteller hatte auch die Pferdefleisch-Lasagne produziert, die in Großbritannien verkauft wurde.

Das Tiefkühlkost-Unternehmen Eismann sagte dem Westdeutschen Rundfunk, dass Lebensmittelkontrolleure im Haus seien, um Proben zu nehmen. Eismann habe in der vergangenen Woche zwei seiner Lasagne-Produkte aus dem Sortiment genommen, sagte ein Sprecher. Und der größte deutsche Lebensmittelhändler in Deutschland, Edeka, lässt alle relevanten Eigenmarkenprodukte prüfen.

Fleisch kam über Luxemburg

Über einen Zwischenhändler in Luxemburg sollen die verdächtigen Produkte zwischen November 2012 und Januar 2013 "in größerem Umfang" nach Deutschland geliefert worden sein. Darauf seien die deutschen Behörden über das europäische Schnellwarnsystem aufmerksam gemacht worden.

EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg traf sich am Abend mit Ministern aus den betroffenen Ländern zu einer Sondersitzung. Die EU will eine zentrale Stelle einrichten, die die auf nationaler Ebene gewonnenen Ermittlungsergebnisse zusammenführt. Der irische Agrarminister Simon Coveney sagte: "Die anwesenden Minister und der EU-Kommissar halten Europol für die richtige Einrichtung dafür."

Die Kommission fordert zudem die EU-Mitgliedsstaaten auf, DNA-Tests an Rindfleischprodukten vorzunehmen. Es solle im März erste Untersuchungen und Mitte April erste Ergebnisse geben, sagte Borg nach dem Treffen. Neben DNA-Tests, die Pferdefleisch nachweisen können, solle auch auf ein bestimmtes entzündungshemmendes Medikament untersucht werden, das bei Pferden angewendet wird und das die Fleischprodukte für Menschen ungenießbar machen würde.

Präzisere Etikettierung gefordert

Borg forderte die EU-Kommission zugleich auf, ihre Überlegungen zur präziseren Etikettierung von Rindfleischprodukten voranzutreiben. Borg wies darauf hin, dass es bei den Ermittlungen um das Pferdefleisch nur um betrügerische Kennzeichnungen gehe. "Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zu glauben, dass der Verzehr von Pferdefleisch ein Gesundheitsrisiko darstellt."

Die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner(CSU) nahm nicht an der Sondersitzung teil. "Es geht bei dem Treffen darum, dass die Minister aus jenen Ländern, aus denen das Fleisch kommt, über den Stand ihrer Ermittlungen informieren", sagte der Aigner-Sprecher der Berliner Morgenpost. Zu diesem Zeitpunkt war der erste Fall in Deutschland noch nicht bekannt gewesen.

In Deutschland spielt Pferdefleisch kaum eine Rolle. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2012 in Deutschland 11.300 Pferde geschlachtet, ein Rückgang um 2,3 Prozent. "Das ist ein absolutes Nischenprodukt", so die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Fleischwirtschaft, Heike Harstick.

Quelle: BM
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Pferdefleisch-Skandal
  • 15. Januar 2013:

    Die Lebensmittelaufsicht in Irland teilt mit, Spuren von Pferdefleisch in einigen Rindfleisch-Hamburgern entdeckt zu haben. Sie wurden in britischen Supermärkten wie Tesco angeboten. Die irischen Inspekteure lokalisieren die Quelle in zwei Verarbeitungsanlagen in Irland und in einer Fleischfabrik in England. In einigen Hamburgern wurden zudem DNS-Spuren vom Schwein entdeckt.

  • 16. Januar:

    Die britische Behörde für Lebensmittelsicherheit ordnet Untersuchungen an, wie Spuren von Pferdefleisch und Schweine-DNS in eine Reihe von Rindfleischprodukten gelangen konnten, die in Großbritannien und Irland verkauft werden.

  • 31. Januar:

    Die Fast-Food-Kette Burger King Worldwide berichtet, bei einem Hamburger-Lieferanten Spuren von Pferdefleisch entdeckt zu haben, der Schnellrestaurants der Kette in Großbritannien, Irland und Dänemark bediente. Die kontaminierten Produkte seien zwar in keinem der Burger-King-Restaurants verkauft worden, dennoch habe man den Anbieter gewechselt.

  • 6. Februar:

    Der Tiefkühlkosthersteller Findus meldet den britischen Lebensmittelbehörden, dass in einigen seiner Rindfleisch-Lasagne-Gerichte Pferdefleisch enthalten war. Die Firma hatte die Artikel zurückgezogen, nachdem ihr französischer Zulieferer Comigel wegen des Fleisches in Verdacht geraten war. In den Fertigmenüs waren bis zu 100 Prozent Pferdefleisch enthalten, berichten die Lebensmittelkontrolleure.

  • 7. Februar:

    Die Supermarktkette Aldi berichtet, aus ihren Märkten in Großbritannien zwei Angebote aus dem Verkehr gezogen zu haben. Es handele sich um eine Rindfleisch-Lasagne sowie ein Spaghetti-Bolognese-Gericht. Beide stammten ebenfalls vom französischen Lieferanten Comigel.

  • 9. Februar:

    Die französische Regierung teilt mit, anfängliche Ermittlungen bei Comigel deuteten auf eine komplexe Lieferkette für das betreffende Fleisch hin. Sie führe von der Luxemburger Verarbeitungsanlage der Firma, in der Tiefkühlkost hergestellt werde, zu rumänischen Schlachthöfen. Dazwischengeschaltet seien niederländische und zyprische Nahrungsmittelhändler und ein weiterer französischer Anbieter.

  • 10. Februar:

    Sieben Einzelhandelsunternehmen, darunter Ketten wie Carrefour, Groupe Casino und Auchan Groupe, rufen einige Tiefkühlfertiggerichte zurück, die von Findus und Comigel stammen. Es handelt sich um Lasagne, Spaghetti Bolognaise und Moussaka.

  • 11. Februar:

    Die britische Regierung erklärt, es scheine sich um „kriminelle Machenschaften“ zu handeln. Offensichtlich werde „versucht, die Verbraucher zu betrügen“. Der rumänische Ministerpräsident reagiert verärgert auf Andeutungen, die Schuldigen seien in seinem Land zu suchen. In Rumänien sei es zu keinen Betrugsfällen mit falsch deklariertem Fleisch gekommen.

  • 13. Februar:

    Dem nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministerium liegt eine Liste vor, wonach die falsch gekennzeichnete Lasagne auch nach Deutschland geliefert worden sein soll.

  • 14. Februar:

    In Großbritannien werden drei Verdächtige in zwei verschiedenen Fleischbetrieben festgenommen. Zuvor hatte es dort Razzien gegeben.

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