13.02.13

Drogenhandel

Bande soll Heroin an Berliner Bahnhöfen verkauft haben

Eine Drogenbande hat an Berliner Bahnhöfen Heroin im Wert von rund 80.000 Euro umgesetzt. Die Vermarktung lief über ein Servicetelefon.

Von Hans H. Nibbrig
Foto: Steffen Pletl

Drogenhandel: An Berliner Bahnhöfen hatte die Bande das Heroin an ihre Kunden verteilt
Drogenhandel: An Berliner Bahnhöfen hatte die Bande das Heroin an ihre Kunden verteilt

Die Bande war perfekt organisiert, aber nicht perfekt genug. Drei Monate lang betrieb die Gruppe nach Überzeugung von Ermittlern in Berliner U-Bahnhöfen einen schwunghaften Handel mit Heroin. Dann schlugen Drogenfahnder des Landeskriminalamts (LKA) nach einem Tipp aus der Szene zu.

Seit Mittwoch stehen die mutmaßlichen Dealer, fünf Männer und zwei Frauen, in Moabit vor Gericht. Ein weiteres 19 Jahre altes Mitglied der Bande wurde bereits in einem abgetrennten Verfahren von einer Jugendstrafkammer zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt.

Die U-Bahn-Linien 2, 7 und 9 sowie die S-Bahn-Linie 1 in den Stadtteilen Charlottenburg, Schöneberg, Tiergarten, Mitte und Wedding waren offenbar das Revier der Angeklagten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen 65 Einzeltaten vor, in wechselnder Besetzung begangen zwischen Juni und September 2012. Laut Anklage wurde dabei Heroin im Wert von 80.000 Euro umgesetzt.

In der Schöneberger Wohnung einer 22-jährigen Mitangeklagten soll die Ware gelagert, zu einem Heroingemisch "gestreckt" und in szenetypische Verkaufsportionen von 0,5 Gramm verpackt worden sein. Die Abnehmer bestellten telefonisch, die Übergabe erfolgte nach Erkenntnissen des LKA in Bahnhöfen und Zügen.

Ein 33-jähriger Libanese ist für die Staatsanwaltschaft der Drahtzieher, er soll das florierende Drogengeschäft gesteuert haben. Ein zweiter Angeklagter soll für die Beschaffung und den Kontakt zu den Lieferanten zuständig gewesen sein. Ein Dritter war offenbar als "Chefläufer" aktiv. "Läufer" sind im Szenejargon diejenigen, die Tag für Tag stundenlang in Bahnhöfen und Zügen unterwegs sind und den Süchtigen den Stoff übergeben.

Für 20 Euro pro "Kügelchen", wie die abgepackten Verkaufsportionen im Heroin-Handel genannt werden – nicht zu verwechseln mit den "Tütchen", die beim Kokainhandel an den Mann oder die Frau gebracht werden. "Läufer" bilden die unterste Ebene in der Hierarchie der Dealer-Organisationen. Und der "Chefläufer" ist für ihre Anwerbung und Einarbeitung zuständig.

Angeklagte wollen aussagen

Drei der sieben Angeklagten stammen aus dem Libanon, ein Palästinenser, ein Tunesier und zwei Deutsche komplettieren die Bande. Drei der mutmaßlichen Dealer haben früher einmal bürgerliche Berufe wie Schlosser oder Frisör gelernt. Zwei weitere gaben im Prozess als Beruf Taucher und Animateure an, zwei weitere sind ohne Ausbildung.

Alle Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Fünf seit ihrer Festnahme im September 2012, ein Sechster folgte ihnen einige Wochen später. Der Siebte sitzt bereits wegen anderer Delikte in Strafhaft, ihm droht jetzt im Falle einer weiteren Verurteilung noch ein empfindlicher Nachschlag.

Die für das Verfahren zuständige 4. Große Strafkammer des Landgerichts hat drei der Angeklagten bereits Angebote unterbreitet. Die Richter signalisierten, die bei einem Schuldspruch jeweils zu erwartenden Strafen würden im Falle eines umfassenden Geständnisses sechs, fünf und drei Jahre nicht übersteigen.

Nach dem Ende des ersten Verhandlungstages deutet vieles darauf hin, dass die Angeklagten das Angebot annehmen. Die Verteidiger, immerhin zwölf an der Zahl, kündigten umfassende Aussagen ihrer Mandanten an.

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