11.02.13

Mobbing-Expertin

Keine Rezepte gegen Gewalt an Berliner Schulen

An Berlins Schulen gibt es mehr Mobbing und weniger schwere Gewalt. Seit Jahren sollen zahlreiche Projekte das Konfliktpotenzial schwächen. Doch haben sie Wirkung?

Foto: Amin Akhtar

Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) macht eine gesteigerte Sensibilität für Mobbing aus
Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) macht eine gesteigerte Sensibilität für Mobbing aus

Deutlich mehr Mobbing und Beleidigungen als im Vorjahr melden Berlins Schulen, dafür aber weniger schwere Gewalttaten: Der neue Gewaltpräventionsbericht der Bildungssenatsverwaltung verzeichnet insgesamt einen Anstieg von 25 Prozent auf 1836 gemeldete Fälle.

Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) macht dafür vor allem eine gesteigerte Sensibilität für das Thema verantwortlich - sprich, die Schulen melden auch leichtere Fälle, die sie nicht zwingend melden müssten.

Einfache Rezepte gegen Schulgewalt greifen nicht, sagt Nina Franzen von der bundesweit tätigen Bildungsinitiative "Buddy e.V.", die seit sieben Jahren in der Hauptstadt Schulprojekte für mehr eigenverantwortliches Miteinander anbietet. Insgesamt 440 Schulen machten bereits mit.

Frage: Was können aus Ihrer Sicht die Gründe für diesen Anstieg sein?

Franzen: "Es stimmt wohl, dass es eine höhere Sensibilität für das Thema gibt und vor allem Grundschulen frühzeitig auf die Probleme aufmerksam machen wollen.So kann man ja auch den Druck erhöhen, etwas dagegen zu unternehmen. Zum anderen stellen wir aber auch tatsächlich bundesweit mehr Orientierungslosigkeit bei vielen Jugendlichen fest. Immer mehr Einflüsse wirken auf sie ein, aber sie haben weniger Vorbilder.Im Bundesvergleich ist es in der Tat so, dass in Berlin die Nachfrage der Schulen nach Gewaltprävention am höchsten ist. In anderen Bundesländern steht das nicht so im Vordergrund."

Gibt es in Berlin denn auch positive Beispiele?

"Im Bezirk Lichtenberg beispielsweise machen nicht nur die Grundschulen, sondern auch Oberschulen beim Buddy-Projekt mit. Das heißt: Auch dort gibt es Pausen-Buddys, Lern-Buddys, Streitschlichter oder was die Schulen jeweils konkret am hilfreichsten finden.Der Effekt ist, dass dort nun auch die Schüler eng vernetzt sind und vieles in Eigenregie untereinander regeln können. Das müssen umgekehrt die Erwachsenen aber dann auch zulassen und aushalten. Schülern Verantwortung zu geben, ist für viele Lehrer erstmal eine Herausforderung."

Warum ist man nicht schon weiter?

"Einfache Rezepte gegen Schulgewalt greifen nicht. Das wünschen sich natürlich viele Schulen, dass eine schnelle Problemlösung parat ist. So manche Streitschlichter-Konzepte, die Erwachsene sich ausgedacht haben, funktionieren deshalb aber nicht - weil sie die besonderen Wünsche und Kompetenzen der Kinder gar nicht anfragen.Wir glauben aber, dass es wichtig ist, diese Dinge mit den Schülern zusammen zu entscheiden. Wenn Schüler Selbstwirksamkeit erleben, also die Fähigkeit, etwas positiv verändern zu können, dann steigt neben dem sozialen Klima nämlich auch die Schulleistung.Über diesen Weg holen wir sie wieder ins Boot. Das haben auch bundesweite Evaluationen der Projekte ergeben: Sowohl der Umgang miteinander wird besser als auch die fachlichen Noten."

Quelle: dpa/anni
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