10.02.13

Schilder überklebt

"Kollwitzsträßle" - Künstlergruppe schwäbelt Straßennamen ein

Grüße vom "Kollwitzspätzle": Eine Künstlergruppe will beim Schwaben-Streit im Prenzlauer Berg vermitteln – und überklebt 200 Straßenschilder.

Foto: dpa

Rund um den Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg sind Straßenschilder mit schwäbisch anmutenden Namen überklebt worden. So wurde aus der Knaackstraße ein „Knaacksträßle“ und aus der Wörther Straße das „Wörther Gässle“
Rund um den Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg sind Straßenschilder mit schwäbisch anmutenden Namen überklebt worden. So wurde aus der Knaackstraße ein "Knaacksträßle" und aus der Wörther Straße das "Wörther Gässle"

Die von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) ausgelöste Debatte um Schwaben im Prenzlauer Berg findet kein Ende. In dem Berliner Stadtteil sind nun rund um den Kollwitzplatz Straßenschilder mit aufgeklebten Buchstaben "eingeschwäbelt" worden.

Aus Kollwitzplatz wurde Kollwitzspätzle, aus Wörther Straße Wörther Gässle und aus Kollwitzstraße Kollwitzsträßle. Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) findet die Schilder-Beklebe-Aktion laut "Bild"-Zeitung (Samstag) nicht lustig. "Die Schilder müssen komplett getauscht werden".

Adam, der einer anonymen Untergrundgruppe aus dem Prenzlauer Berg angehört und somit keinen Nachnamen trägt, ist seinem Selbstverständnis nach so etwas wie ein Heiner Geißler der Berliner Schwabendebatte: "Wir wollen mediativ auf den Konflikt wirken. Beide Parteien sind viel zu aggressiv im Umgang miteinander."

Fast 200 Straßenschilder "eingeschwäbelt"

Über Nacht, zwischen zwei und vier Uhr am Freitagmorgen, liefen die selbst ernannten Mediatoren deshalb fast 200 Straßenschilder rund um den Kollwitzplatz ab – und klebten Namen um. So entstanden das Wörther Gässle, das Kollwitzsträßle, und aus dem Kollwitzplatz wurde das Kollwitzspätzle.

Die Aktivisten stammen nicht aus dem Ländle, stehen beiden Parteien offen gegenüber. "Schwaben sind doch im Grunde superliebe Menschen. Zum Beispiel verniedlichen sie alles mit einem '-le'", so Aktivist Adam. Man dürfe nicht den Schwaben alles in die Schuhe schieben. Schuld sei doch die Stadt mit ihren Sanierungsmaßnahmen. Die Aktivisten verfolgten durchaus ernste Ziele.

Sie verstehen ihr nächtliches Werk dennoch (mal wieder) auch als einen "ironischen Kommentar der Auswüchse dieser Debatte", wie es in einer anonymen Mitteilung heißt. Und weiter: "Gleichzeitig wollen wir auf die tieferen Ursachen hinweisen." Welche das sind, bleibt mit der Aktion fraglich. Womöglich hilft – wie in Stuttgart – ein Problemfeststellungsverfahren im Kiez.

"Es sind genug Spätzle geworfen worden"

Aus diesem Grund haben die drei Aktivisten die Bewegung "Neuschwabenberg" gegründet. "Es sind bereits genug Spätzle geworfen worden und genug blöde Sprüche an Hauswände gesprüht worden, es ist Zeit Frieden zu schließen", heißt es auf der Internet-Seite der Gruppe.

"Wenn Schwaben sich schikaniert fühlen und ihren Ort beanspruchen, ja ihr Schwabylon haben wollen, sollen sie es bekommen", heißt es weiter. "Wir wollen ein Straßenfest mit langen Tischen und Schüsseln voller Käsespätzle und Flädlesuppe (wenn es sein muss, auch mit diesen Linsen) und Rothausbier, bis wir unser Hochdeutsch vergessen haben und auch meinen, jedes Substantiv verniedlichen zu müssen."

Thierse hatte zum Jahreswechsel gesagt, die Schwaben sollten sich besser anpassen und lernen, dass es in Berlin "Schrippen" und nicht "Weckle" heiße. Kurz darauf hatten Unbekannte das Kollwitz-Denkmal im Prenzlauer Berg mit Spätzle beworfen.

Quelle: dpa/anni
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