08.02.13

Berliner helfen

Kältehilfe-Aktion bringt 32.000 Euro für Obdachlosenhilfe

Das Geld geht an die Notübernachtung der Stadtmission, Ärztin Jenny de la Torre und die Wohnungslosen-Ambulanz der Caritas am Bahnhof Zoo.

Von Ulla Reinhard und Petra Götze
Foto: Amin Akhtar

Auf der Straße: Ein Obdachloser am Bahnhof Zoologischer Garten wärmt sich die Hände am Feuer
Auf der Straße: Ein Obdachloser am Bahnhof Zoologischer Garten wärmt sich die Hände am Feuer

Der Fall erschütterte die Öffentlichkeit und zeigt, wie schutzlos Menschen sind, die auf der Straße leben: eine obdachlose Frau war in der Nacht zum 27. Januar 2013 von einem 36-jährigen Letten und einem 39-jährigen Litauer körperlich schwer misshandelt und vergewaltigt worden.

Die 33-jährige Frau hatte in einer unverschlossenen Wohnung eines verwahrlosten und teilweise leer stehenden Hauses in der Rostocker Straße in Moabit übernachten wollen. Dort waren die beiden Männer brutal über sie hergefallen, hatten sie vergewaltigt und immer wieder geschlagen und getreten. Die von einem Zeugen alarmierte Polizei nahm die beiden in Deutschland nicht sesshaften Männer fest. Sie warten in der Untersuchungshaft auf ihren Prozess.

Ihrem Opfer geht es inzwischen zumindest körperlich wieder besser. Sie konnte das Krankenhaus einige Tage nach der Tat verlassen. Die Opferschutzbeauftragte der Polizei kümmert sich um die Frau, sie wird auch von Einrichtungen der Obdachlosenhilfe betreut. "Aber es ist oft schwer, in solchen Fällen zu helfen. Viele obdachlose Frauen sind psychisch krank oder stark alkoholabhängig", sagt Ortrud Wohlwend, Sprecherin der Berliner Stadtmission. Sie beobachtet in der Notübernachtung in der Lehrter Straße einen Anstieg an weiblichen Übernachtungsgästen. Die größte Notunterkunft der Stadt nimmt zur Zeit jeden Abend 140 bis 160 Menschen auf, darunter 25 bis 30 Frauen. "Sie schlafen in einem Extra-Raum, Männer haben dort keinen Zutritt, da passen wir auf", so Ortrud Wohlwend.

Die Stadtmission unterhält auch ein sogenanntes Übergangshaus, in dem 40 Männer und Frauen wie das Vergewaltigungsopfer aufgenommen werden können. Es ist für Wohnungslose und Haftentlassene eine erste Station mit einem Dach über dem Kopf nach einer manchmal sehr langen Zeit der Obdachlosigkeit. Sie werden in Einzelzimmern mit eigener Toilette und einer kleinen Küchenzeile mit Kühlschrank untergebracht und umfangreich und individuell von Sozialarbeitern der Berliner Stadtmission betreut, damit sie lernen, wieder in eigenen vier Wänden zu wohnen.

Medizinische Versorgung

Dazu gehört das Besorgen von Ausweisen, das Anmelden bei der Jobagentur, Arztbesuche, die Klärung der materiellen Existenzgrundlage und der Abbau von Schulden. Psychisch Erkrankte werden in in geeignete Einrichtungen vermittelt, die gezielt helfen können. Der Aufenthalt im Übergangshaus beträgt sechs bis zwölf Monate.

Aus der gemeinsamen Kältehilfe-Aktion der Berliner Morgenpost und 104,6 RTL erhält die Stadtmission eine Spende in Höhe von 10.000 Euro für die Notübernachtung und die Versorgung der Obdachlosen. Mit weiteren 10.000 Euro wird die Arbeit der Ärztin Jenny de la Torre in ihrem Gesundheitszentrum für Obdachlose unterstützt. Alle Ärzte arbeiten dort ehrenamtlich, versorgen Menschen, die nicht krankenversichert sind oder auf der Straße leben. Auch die Wohnungslosen-Ambulanz der Caritas am Bahnhof Zoo, die sich nur durch Spenden finanziert, wird mit 5000 Euro unterstützt. Weitere 5000 Euro erhält der Verein Straßenkinder, der sich um jugendliche Herumtreiber am Alexanderplatz und am Breitscheidtplatz kümmert. Die Sozialarbeiter versuchen, die Kinder und Jugendliche in geeignete Einrichtungen der Jugendhilfe zu vermitteln, wenn sie wegen häuslicher Gewalt oder anderen Probleme nicht nach Hause zurückkehren wollen.

Spenden erhalten aber auch Menschen, die selbst nur wenig haben und sich dennoch für andere einsetzen. Wie der 74-jährige Achim Walter, der von einer kleinen Rente lebt und sich seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich um Obdachlose, Suchtkranke und arme Familien kümmert. Und wie Franziska Dinter, die sich nach einem schweren Autounfall, den sie nur knapp überlebte, zurück ins Leben kämpfte. Die gelernte Friseurmeisterin ist seitdem schwerbehindert und lebt von Grundsicherung. Doch sie hat Kraft, und die will sie nutzen. Viermal die Woche wäscht und schneidet die 60-Jährige kostenlos Haare in verschiedenen Einrichtungen für Wohnungslose. "Der Herrgott hat mich leben lassen, damit ich etwas Sinnvolles tue", ist sie überzeugt. Für ihre Arbeitsmaterialien erhält sie eine Spende von Berliner helfen.

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