07.02.2013, 14:16

"Ehrenmord" Berlin gedenkt erschossener Hatun Sürücü


Gedenken: Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (r., SPD) und die Vorsteherin der BVV Tempelhof Schöneberg Petra Dittmeyer (CDU, l.) einen Kranz für Hatun Sürücü nieder. Die junge Frau war an dieser Stelle von ihrem Bruder erschossen worden

Foto: Steffen Pletl

Vor acht Jahren wurde Hatun in Berlin von ihrem Bruder erschossen. Weil ihr Lebensstil nicht ins Weltbild ihrer kurdischen Familie passte.

Wie viel türkisch- oder arabischstämmige Frauen tatsächlich ermordet werden, weil sie die angebliche Ehre der Familie gefährden, weiß niemand. Öffentlich wahrgenommen wird das Thema erst seit wenigen Jahren. Damals starb Hatun Sürücü in Berlin.

Zum achten Todestag Sürücüs prangerte Berlins Frauensenatorin Dilek Kolat (SPD) Gewalt gegen Frauen an. Gewalt als Mittel zur Beendigung von familiären Konflikten oder zur Ausübung von Macht über andere Familienmitglieder sei in keinem Fall hinnehmbar, erklärte sie am Mittwoch in Berlin. "Die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in jeglicher Form ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", sagte Kolat.

Die kurdischstämmige Hatun Sürücu war am 7. Februar 2005 im Alter von 23 Jahren von ihrem Bruder an einer Bushaltestelle erschossen worden, weil ihre strenggläubige muslimische Familie mit ihrem modernen Lebensstil nicht einverstanden war.

Debatte über "Ehrenmorde"

Die Ermordung der jungen Mutter auf offener Straße hatte eine breite Debatte über Zwangsverheiratung und "Ehrverbrechen" ausgelöst.

Innensenator Frank Henkel (CDU) wollte an dem Gedenkstein für Hatun Sürücü in Tempelhof Blumen niederlegen. Anschließend will er mit Jugendlichen des Heroes-Projekts sprechen, das sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern einsetzt.

Henkel will während des ganzen Jahres unter dem Motto "Gewalt hat keinen Wert. Du schon" Gespräche führen und Projekte besuchen, die sich gegen Gewalt engagieren. Er betonte: "Wir werden den Kampf gegen Gewalt nur gewinnen, wenn wir vor allem junge Menschen einbinden und Vorbilder stärken."

Immer mehr Frauen suchen Hilfe

Auch die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler (SPD), erinnerte mit einem Kranz an die junge Deutsch-Kurdin.

Zum Gedenken waren für diesen Donnerstag mehrere Veranstaltungen in Berlin geplant. Die Frauenorganisation "Terre des Femmes" sprach sich für die Umbenennung einer Straße nach Hatun Sürücu aus, um der jungen Frau und anderen Opfern von Ehrenmorden zu gedenken.

"Terre des Femmes" verwies darauf, dass immer mehr Frauen wegen der angeblichen Familienehre um Rat bäten. Im vergangenen Jahr hätten mehr als 300 Frauen Hilfe gesucht, weil sie zwangsverheiratet wurden oder werden sollten oder ihnen die Gefahr drohte, dass ihre Verwandten sie ins Ausland verschleppen.

(EPD/dpa/mim)
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