07.02.13

Hauptstadtfinanzen

So lästert Helmut Schmidt über Berlin

Helmut Schmidt übt scharfe Kritik am Aufbau des Stadtschlosses und weiteren Projekten der Stadt. Der Senat weist die Vorwürfe zurück.

Foto: AFP/Getty Images

Helmut Schmidt hält das Stadtschloss für überflüssig - und symptomatisch für Berlins Ausgaben
Helmut Schmidt hält das Stadtschloss für überflüssig - und symptomatisch für Berlins Ausgaben

Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat in einem Gespräch mit der Berliner Stararchitektin Louisa Hutton scharfe Kritik an Berlin und seinen Einwohnern geübt. Die Hauptstädter, so der 94-Jährige in einem von der "Zeit" veröffentlichten Doppelinterview, "waren schon immer groß, wenn es darum ging, sich von anderen aushalten zu lassen".

Mit Blick auf die dauerhaft marode Stadtkasse und deren Alimentation durch die anderen Bundesländer fügt Schmidt hinzu: "Die Großartigkeit, mit der in Berlin das Geld anderer ausgegeben wird, ist phänomenal. Ich prophezeie, dass das nicht mehr lange so weitergehen wird. Irgendwann haben die anderen die Schnauze voll, dass sie Berlin finanzieren müssen."

Äußerungen, die die Ministerpräsidenten von Hessen und Bayern, Volker Bouffier (CDU) und Horst Seehofer (CSU), freuen dürften. Sie hatten am Dienstag eine Verfassungsklage gegen den Länderfinanzausgleich beschlossen.

Insbesondere Seehofer hatte die Ausgabefreudigkeit Berlins und seines Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) kritisiert. Die Kritik des Altkanzlers entzündet sich nun am geplanten Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, den er für überflüssig hält: "Ich würde es nicht wieder aufbauen. Es war ja ein preußisches Schloss, und es gibt keinen Grund, Preußen wiederauferstehen zu lassen." So das Urteil des Hanseaten, der gleichzeitig den Förderverein Berliner Schloss scharf angreift.

"Wer braucht ein Bundesschloss?"

"Ich frage mich ganz grundsätzlich", sagt Schmidt, "was soll das eigentlich? Da haben Privatleute einen Verein gegründet und haben auch ein bisschen Geld zusammenbekommen. Sie machen viel Reklame, ohne dass sie wirklich wissen, was sie in dem Schloss unterbringen wollen." Besonders "komisch" fände er aber, "dass nicht Berlin das Schloss bezahlen will, sondern mal wieder der Bund dafür einspringen soll. Wer aber, bitte schön, braucht ein Bundesschloss?"

Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, weist die Kritik zurück. Er zeigt sich "verwundert über die Härte, mit der der Altkanzler eifert. Schließlich war es auch seine Partei, die dem Projekt im Bundestag mit großer Mehrheit zugestimmt hat." Auch Senatssprecher Richard Meng reagiert mit Unverständnis. "Der Vorwurf ist Quatsch. Berlin hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es mit knappen Mitteln auskommen kann", so Meng.

Schmidt zweifelt am Nutzungskonzept

Der Bund rechnet derzeit mit Baukosten für das Stadtschloss, das sogenannte Humboldt-Forum, von 590 Millionen Euro. Die privaten Spender haben sich verpflichtet, 80 Millionen Euro aufzubringen. Bislang wurden 24,5 Millionen Euro an Spenden gesammelt.

Altkanzler Schmidt meldet auch Zweifel an, ob das Nutzungskonzept aufgeht. "Ob das breite Publikum dieses Schloss wirklich will, das bezweifele ich. Fragen Sie doch mal die Menschen in Gelsenkirchen oder Magdeburg, was denen daran liegt." Sie müssten es aber in jedem Fall mitbezahlen, das sei seit Bismarcks Krieg gegen die Franzosen das Prinzip der Hauptstadt gewesen.

Alle Berliner Bahnhöfe seien vom Deutschen Reich, die S- und U-Bahnen von den Preußen finanziert worden. "Und das setzte sich fort, unter Honecker im Osten und ähnlich auch in West-Berlin." Bezahlt hätten immer die anderen, so Schmidt.

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