04.02.13

Winterschäden

Fast 50 Berliner Straßen wegen tiefer Schlaglöcher gesperrt

Berlin kommt mit dem Flicken des Fahrbahnbelages nicht hinterher. Straßen sind deshalb nur eingeschränkt oder gar nicht mehr befahrbar.

Von Thomas Fülling
Foto: Amin Akhtar

Gefährliche Fallen: Schlaglöcher wie in der Otto-Suhr-Allee bereiten Auto- und Fahrradfahrern häufig große Probleme
Gefährliche Fallen: Schlaglöcher wie in der Otto-Suhr-Allee bereiten Auto- und Fahrradfahrern häufig große Probleme

Die Schlaglöcher in Berlins Straßen werden zunehmend zu einem Problem. In den vergangenen Tagen häuften sich die Beschwerden über abgefallene Radkappen. Denn dort, wo die Reifen und Felgen durch Schlaglöcher strapaziert werden, fallen häufig die Zierblenden aus Plastik ab.

So lagen beispielsweise allein am Anhalter Bahnhof am Sonntag fünf solcher Radblenden auf einer Strecke von nur einigen Hundert Metern. Eine Gefahr nicht nur für den Lack nachfolgender Autos. Vor allem Radfahrer fürchten die scharfkantigen Hindernisse am Straßenrand.

Fahrbahnschäden - Ärgernis für Autofahrer, Gefahr für Radler

Der Frost der vergangenen Nächte hat die Situation nochmals verschärft. Die Verkehrsinformationszentrale listet auf ihrer Homepage rund 50 Straßen in der Stadt auf, die wegen Fahrbahnschäden teilweise oder ganz gesperrt sind. Ein Dauerärgernis für alle Autofahrer, eine Gefahr für nicht wenige Radfahrer.

Langfristig ist keine grundlegende Besserung in Sicht. Zwar ist auch nach Einschätzung von Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) "jedes Schlagloch in unseren Straßen eines zu viel". Dennoch wird der Senat die Mittel zur Beseitigung der Schäden vorerst nicht weiter aufstocken. Zwar will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den für den Straßenunterhalt meist zuständigen Bezirken erneut mit einem Sonderprogramm zur Schlaglochbeseitigung unter die Arme greifen. Gefüllt ist dieser Topf jedoch wie schon im Vorjahr lediglich mit 25 Millionen Euro.

ADAC fordert 500 Millionen Euro zur Schlaglochbekämpfung

Diese Summe ist nach Ansicht vieler Experten nicht ausreichend. Nach Berechnungen des ADAC Berlin-Brandenburg werden mindestens Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro verteilt auf drei bis vier Jahre benötigt, um die Straßen wieder in einen solchen Zustand zu versetzen, dass sie nicht so leicht anfällig für Winterschäden sind. Auch die Industrie- und Handelskammer und die Fachgemeinschaft Bau fordern schon seit Jahren mehr Geld für die Instandhaltung des Berliner Straßennetzes.

Denn das Szenario gleicht sich inzwischen Jahr für Jahr: Weil die Fahrbahndecken vielerorts völlig verschlissen und daher von vielen kleinen Rissen und Löchern durchzogen sind, kann Feuchtigkeit leicht in den Straßenunterbau eindringen. Kommt dann im Winter der Frost, vereist das Wasser im Untergrund. Und wenn das Eis schließlich wieder taut, bricht die Bitumenschicht über den zuvor entstandenen Hohlräumen großflächig zusammen. Das nächste Schlagloch ist entstanden.

Trotz Sofortreparaturen beleiben oft Kanten und Risse

Bei Sofortreparaturen werden viele Schlaglöcher zwar mehr oder minder fachgerecht mit Kaltasphalt aufgefüllt, doch Kanten und Risse bleiben. Oft schon im folgenden Herbst bricht das Schlagloch wieder auf. "Wenn die Straßen nicht endlich systematisch und von Grund auf instand gesetzt werden, wird auch in den nächsten Jahren immer mehr Geld in Flickschusterei verbrannt", so Volker Krane, Vorstandsmitglied im ADAC Berlin-Brandenburg.

Aus Sicht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung besteht jedoch kein Grund, noch mehr Geld für die Straßeninstandsetzung bereit zu stellen. "Dass es immer mehr Schlaglöcher in der Stadt gibt, ist eher ein subjektives Gefühl. Tatsächlich entspricht das Ausmaß der Schäden dem der Vorjahre", sagte Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung. Die im Sonderprogramm veranschlagten 25 Millionen Euro entsprächen zudem der Summe, die die Bezirke den Erfahrungen der vergangenen Jahre nach überhaupt verbauen können. "Die Arbeiten müssen ja durch die Bezirksämter alle einzeln geplant, ausgeschrieben und überwacht werden", gibt Rohland zu bedenken.

145 Berliner Straßen sollen saniert werden

Einen Lichtblick gibt es dennoch: Anders als in Vergangenheit sind die Absprachen des Senats mit den Bezirken über den Einsatz der Mittel aus dem Schlagloch-Sonderprogramm bereits weit vorangeschritten. Insgesamt 145 Maßnahmen seien für dieses Jahr bereits abgestimmt, so die Stadtentwicklungsverwaltung. Sobald das Geld freigegeben wird, können die Bezirksämter die Aufträge erteilen, so Staatssekretär Gaebler. Noch vor einigen Jahren konnten viele Bezirke wegen fehlender Finanzzusagen erst im Spätsommer mit den Ausschreibungen von Straßenbauaufträgen beginnen. Dann fehlte oftmals die Zeit, um alle Arbeiten noch rechtzeitig vor dem Winter abzuschließen.

Ein weiterer Lichtblick für die Bezirke: Die zwölf Millionen Euro, die im vergangenen Jahr aufgrund der späten Haushaltsverabschiedung nicht abgerufen werden konnten, stehen für 2013 noch bereit. Derzeit würden konkrete Vorhaben mit den Bezirken abgestimmt, heißt es. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die für die Instandhaltung der Autobahnen zuständig ist, plant in diesem Jahr zwei größere Bauprojekte: So werden zum einen die Arbeiten zum sechsstreifigen Ausbau der A10 (Berliner Ring) im Bereich Pankow fortgesetzt. Zum anderen sind Instandhaltungsarbeiten an der A100 im Bereich zwischen der Anschlussstelle Kurfürstendamm und dem Autobahndreieck Funkturm geplant.

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