03.02.2013, 08:10

Berliner Grüne Hans-Christian Ströbele macht es noch einmal


Direktkandidat: Hans-Christian Ströbele tritt erneut als Kandidat der Grünen Friedrichshain-Kreuzberg für den Bundestag an

Foto: Britta Pedersen / dpa

Direktkandidat: Hans-Christian Ströbele tritt erneut als Kandidat der Grünen Friedrichshain-Kreuzberg für den Bundestag an Foto: Britta Pedersen / dpa

Von Christina Brüning

Die Berliner Grünen haben den 73 Jahre alten Hans-Christian Ströbele als Direktkandidat für den Bundestag nominiert - wieder einmal.

Das Besondere an seinem Wahlkreis seien die Menschen, sagt Hans-Christian Ströbele. "Hier schreckt man nicht davor zurück, sich einzumischen." Am Sonnabendnachmittag jedoch mischt sich niemand wirklich ein.

In dem weiß getünchten Raum im "Haus der Demokratie und Menschenrechte" am Friedrichshain mit den obligatorischen "Atomkraft – Nein Danke"-Bannern an der Wand haben sich knapp 70 Mitglieder der Grünen Friedrichshain-Kreuzberg versammelt.

Der Großteil von ihnen ist um die 30. Der Mann, dem sie gebannt am Rednerpult lauschen, reißt den Altersschnitt signifikant nach oben: Hans-Christian Ströbele, 73, grünes Urgestein, seit 1998 per Kreuzberger Direktmandat im Bundestag.

Er soll an diesem Nachmittag wieder als Grünen-Bundestagskandidat im Wahlkreis 83 nominiert werden. Er ist der einzige Bewerber. Auf die Frage, ob es andere Interessenten gebe herrscht nur Schweigen im Saal. Die Jungen wollen den Alten.

Es gab im vergangenen Jahr bei einer ganzen Reihe gestandener Berliner Abgeordneter die Frage, ob sie auch 2013 wohl noch einmal in den Bundestag streben. Oder ob es einen Generationenwechsel gibt. Die SPD-Politikerin Petra Merkel (65) gab ihren Rückzug bekannt, der Grüne Wolfgang Wieland (64) auch. Sozialdemokrat Wolfgang Thierse (69) verlor die Unterstützung seines Wahlkreises.

Den Krebs überwunden

Hans-Christian Ströbele machte dagegen eine erneute Kandidatur davon abhängig, ob er von einer Krebserkrankung genesen würde. Man wartete ab, ohne hinter seinem Rücken groß eine Nachfolgedebatte anzuzetteln. Ströbele erholte sich.

Seine Rede werde "nicht ganz kurz", kündigt Ströbele am Sonnabend an. Fast eine Stunde lang begründet er inbrünstig, warum er wieder ins Parlament will. Der NSU-Untersuchungsausschuss ist ein Grund. Dort würde er erleben, welch Fehlverhalten der Geheimdienste dazu geführt habe, dass Menschen ihr Leben verloren hätten. "Ich will dafür sorgen, dass Konsequenzen daraus gezogen werden", sagt Ströbele.

Sein zweites Thema ist Afghanistan: der Abzug der Bundeswehr, ein Ende von "Töten, Zerstören, Vernichten". Was seinen Wahlkreis betrifft, will er sich um das Thema soziale Mieten kümmern, um eine Erhöhung des Hartz-IV-Satzes auf ein "menschenwürdiges Niveau". "Wir brauchen eine soziale Wende in Deutschland und in Europa", sagt Ströbele. Dafür gehe er auch in seinem Alter noch auf die Straße.

Die SPD und ihr "Herr Kanzlerkandidat" Peer Steinbrück bräuchten die Grünen als Korrektiv an ihrer Seite. Andere Koalitionen außer mit der SPD kommen für Ströbele nicht in Frage. Nur so sei ihre Politik umsetzbar, alles andere "reine Theorie".

Für die Kreuzberger Grünen kommt ein anderer Kandidat nicht in Frage. Mit gut 92 Prozent der Stimmen wird Ströbele nominiert. Wieder einmal.

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