03.02.13

Kommentar

Ein Masterplan für Berlins Radwege muss her

Bußgelder für Radfahrer werden erhöht, für Hajo Schumacher kein Aufreger: Wenn Radler ernst genommen werden, halten sie sich auch an Regeln.

Foto: picture alliance

Radfahrer haben es in Berlin nicht leicht. Ein Masterplan könnte Verbesserungen für alle Verkehrsteilnehmer bringen
Radfahrer haben es in Berlin nicht leicht. Ein Masterplan könnte Verbesserungen für alle Verkehrsteilnehmer bringen

Das Fahrrad mag für manche Menschen Wochenend-Spielzeug sein, für andere Sportgerät und für wieder andere Waffe im täglichen Überlebenskampf auf der Straße. Aber für die meisten Berliner ist das Rad ein ausgesprochen praktisches Verkehrsmittel ohne Parkplatz- und CO2-Problem, billig, schnell und gesund, sofern nicht ein abbiegender Kraftfahrer mal wieder den Schulterblick vergisst.

Dass nun die Bußgelder für Radfahrer angehoben werden, ist überhaupt kein Aufreger. Niemand muss Strafe bezahlen, der sich an die Regeln hält. Das aber tun die wenigsten Radfahrer. Und die neuen Tarife werden daran wenig ändern. Die entscheidende Frage lautet: Woher kommt die Django-Mentalität, über dem Recht zu stehen, die bei Radfahrern offenbar ausgeprägter ist als bei anderen Verkehrsteilnehmern?

Radfahrer sind in Berlin nicht vorgesehen

Ganz einfach: Der Radfahrer ist in weiten Teilen dieser Stadt nicht vorgesehen und seine Strecken auch nicht. Wo parken die Autos? Auf dem Radweg. Was wird nicht vom Schnee geräumt? Der Radweg. Wohin werden die Silvesterscherben gekehrt? Auf den Radweg. Was endet abrupt auf der Straße? Richtig. Und wer wird von Muttis für die City völlig überdimensionierten Zwei-Tonnen-SUV als Erster umgenagelt? Genau. Der Radfahrer.

Man muss kein großer Psychologe sein, um zu erkennen, was hier schiefläuft: Wenn man eine Gruppe zwar mit neuen Bußgeldern ausnimmt, ihr auf der anderen Seite aber nicht die Rechte gibt, die den immer breiteren Autos eingeräumt werden, dann darf man sich über flegelhaftes Verhalten einiger Radfahrer nicht wundern.

Aber genau hier liegt die Lösung: Radfahrer halten sich an die Regeln, wenn sie ernst genommen werden. Das beweisen die Erfahrungen aus den Niederlanden oder aus Kopenhagen. Dort wurde die landesweit erste Radautobahn gebaut, die eben nicht zwischen Straße und Parkstreifen und Bushaltestelle und Bürgersteig verläuft, sondern ihre eigene Trasse hat. Stillgelegte Schienenstränge eignen sich perfekt.

30 neue Bike-Highways in Dänemark

Wegen der guten Erfahrungen werden in Dänemark 30 neue Bike-Highways gebaut. In Kopenhagen fährt übrigens ein Drittel der Menschen Rad, in Deutschland sollen es mal irgendwann 15 Prozent werden. Wer in Kopenhagen auf dem Rad sitzt, ist vollständig in den Verkehr integriert, mit eigenen Spuren, eigenen Ampeln und eigenen Strecken, die nicht immer zwangsläufig entlang der Straßen führen. Das Faszinierende: Dort halten sich alle, wirklich alle, an die Regeln, viele fahren sogar mit Helm. Der Berliner staunt.

Das ist alles nicht neu. In Großstädten breitet sich das Zweirad zunehmend aus, ob Vespa oder E-Bike oder eben der Holländer. Radfahrer sind ja nicht alles Öko-Schlumpfe, sondern einfach nur vernunftbegabte Menschen, die es für dämlich halten, im Schritttempo in einer Limousine durch die Stadt zu pesten.

Zu einer fairen Bußgeldreform gehörte übrigens auch, Autofahrer angemessen bezahlen zu lassen, wenn sie auf Radwegen parken. Dann wäre schnell das Geld für ein Projekt zusammen, das diese Stadt dringender braucht als einen Großflughafen – einen Masterplan fürs Rad.

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