03.02.13

Infektionen

Die Grippewelle hat jetzt auch Berlin erreicht

Der Andrang in Berlins Arztpraxen ist groß. Vor allem Kinder sind darunter. Das Robert-Koch-Institut erwartet noch mehr Influenza-Kranke.

Von Leon Scherfig
Foto: picture alliance / Bildagentur o

Vor allem Kinder sind in Berlin unter den Grippe-Patienten
Vor allem Kinder sind in Berlin unter den Grippe-Patienten

Steigende Patientenzahlen in den Arztpraxen, lange Wartezeiten in den Krankenhäusern – und viele Kinder liegen krank im Bett: Die Grippewelle hat spätestens an diesem Wochenende auch die Region Berlin-Brandenburg erreicht. In seinem aktuellen Wochenbericht warnt das zuständige Robert-Koch-Institut (RKI): "Die Influenza-Aktivität in Deutschland ist deutlich erhöht, und die Zahl schwer verlaufender Erkrankungsfälle steigt."

In der Region zählte das RKI, das seine Daten auf Meldungen von Kinder- und Hausärzten stützt, während der dritten Kalenderwoche noch 136 akute Atemwegserkrankungen, in der darauf folgenden Woche (19.01. bis 25.01.) registrierte es bereits 159 Fälle.

Mit Blick auf die Entwicklung von der dritten zur vierten Kalenderwoche haben vor allem Kinder vermehrt mit Atemwegserkrankungen, zu denen auch Erkältungen zählen, zu kämpfen: "Der höchste Anstieg ist in der Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen zu verzeichnen (46 Prozent)", heißt es in dem Wochenbericht des RKI.

Lage eskaliert

Diese Entwicklung macht sich besonders in den Kinderarztpraxen der Hauptstadt bemerkbar. "In den letzten zwei Wochen ist die Lage förmlich eskaliert", sagt der Kinderarzt Dr. Peter Hauber, der mit zwei Kollegen eine Praxis in Lichterfelde führt. "Wir haben zurzeit sehr, sehr viele Kinder mit typischen grippeähnlichen Symptomen", so Hauber.

Er behandle weitaus mehr junge Patienten als im Vorjahr zu dieser Zeit, sagt der Mediziner. "Der Andrang ist in etwa so groß wie während der Schweinegrippe im Jahr 2009", sagt Kinderarzt Peter Hauber. An Wochenenden, an denen andere Praxen geschlossen haben, empfangen die Gemeinschaftsärzte 200 Patienten oder mehr.

Einen großen Andrang verzeichnen auch die Erste-Hilfe-Stellen in Kinderkliniken. "Zurzeit bekommen wir sehr viele Kinder mit Influenza", bestätigt eine Mitarbeiterin des St.-Joseph-Krankenhauses in Tempelhof. Sie sei über die hohen Zahlen des RKI daher nicht verwundert. Patienten müssten sich in der Erste-Hilfe-Stelle auf lange Wartezeiten einstellen. "Auf vier Stunden oder mehr muss man sich schon einrichten."

Noch mehr Grippe-Fälle

Das Robert-Koch-Institut erwartet in den nächsten Wochen nicht nur für Berlin und Brandenburg, sondern für ganz Deutschland noch mehr Grippefälle. Nach Medienberichten stieg die Zahl der Neu-Angesteckten vor Kurzem auf insgesamt 1700. In Hamburg etwa liegen nach dem Einbruch der Infektionswelle zehn Patienten auf der Intensivstation, die an dem Erreger H1N1 erkrankt sind, der als besonders aggressiv gilt.

Bei seiner Analyse unterscheidet das RKI drei Subtypen des Grippe-Erregers. Zwei Influenza-A-Viren: H1N1 (die sogenannte Schweinegrippe) und H3N2 und einen Influenza-B-Virus. Die meisten Viren gehören zum Typ H3N2, der von dem in diesem Jahr üblichen Grippe-Impfstoff wirksam bekämpft wird. Viele Ärzte raten daher auch nach Beginn der Grippewelle noch zu Impfungen, deren Schutz nach etwa zwei Wochen einsetzt.

7000 Influenza-Tote im Jahr

Der Kinderarzt Peter Hauber spricht noch eine andere Empfehlung aus: "In vielen Wohnungen sind die Zimmer in den Wintermonaten überhitzt. Dieser Umstand und die trockene Luft erhöhen das Risiko, sich eine Grippe zuzuziehen", warnt der Arzt. Da der Grippevirus über Tröpfcheninfektion übertragen wird, können schon einfache Maßnahmen wie zum Beispiel regelmäßiges Lüften die Ansteckung verhindern.

Insbesondere ältere Menschen, chronisch Erkrankte und Schwangere gelten laut RKI als Risikogruppe. Bei ihnen kann die Infektionskrankheit schwer verlaufen. Pro Jahr sterben in Deutschland rund 7000 Menschen, die oft unter Herz-Kreislauf-Schwäche oder Diabetes leiden, an den Folgen einer Influenza.

Die saisonalen Grippewellen verliefen in den vergangenen Jahren verhältnismäßig mild. Eine schwere Grippe-Epidemie verzeichnete das Robert-Koch-Institut zuletzt in der Wintersaison 2008/2009. 19.000 Menschen starben schätzungsweise daran.

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