30.01.13

Polen

Staatsanwalt erhebt Anklage gegen Leichen-Transporter-Diebe

Vor vier Monaten wurde bei Berlin ein Fahrzeug mit zwölf Särgen gestohlen. Die drei Angeklagten haben ihre Tatbeteiligung bereits gestanden.

Foto: dapd

Die Särge wurden in einem Waldstück in Konin bei Poznan (Posen), Polen, gefunden
Die Särge wurden in einem Waldstück in Konin bei Poznan (Posen), Polen, gefunden

Nach dem Diebstahl eines Transporters mit zwölf Leichen im Oktober 2012 in Hoppegarten bei Berlin wird die Staatsanwaltschaft im polnischen Poznan (Posen) in Kürze Anklage gegen die drei Tatverdächtigen erheben, berichtete die in Frankfurt (Oder) erscheinende "Märkische Oderzeitung".

"Wir gehen davon aus, dass die Anklage in etwa drei Wochen fertig ist", sagte die Sprecherin der Posener Staatsanwaltschaft, Magdalena Mazur-Prus, der Zeitung am Donnerstag.

Internationale Fahndung nach dem Drahtzieher

Der spektakuläre Diebstahl war in der Nacht zum 15. Oktober in Hoppegarten (Märkisch-Oderland) verübt worden. Die Diebe hatten dabei auch das Fahrzeug eines Bestattungsfahrdienstes erwischt, das die Leichen zur Einäscherung nach Meißen bringen sollte.

Die Särge wurden eine Woche später in einem Wald bei Konin in Polen entdeckt. Mehr als drei Wochen mussten die Hinterbliebenen um die Rückkehr der Leichen bangen, weil die polnischen Behörden zunächst alle notwendigen Unterlagen wie Sterbeurkunden zusammentragen mussten.

Die drei Beschuldigten im Alter von 22 bis 27 Jahren sitzen seit dem Herbst 2012 in Untersuchungshaft. "Sie haben ihre Beteiligung an der Tat gestanden, behaupten allerdings, nur im Auftrag gehandelt zu haben", sagte die Sprecherin. Nach dem 34 Jahre alten mutmaßlichen Drahtzieher werde international gefahndet.

Ermittlungen gegen Bestatter

In Brandenburg wird derweil gegen vier Bestattungsunternehmen sowie den Spediteur ermittelt, die an dem Leichentransport beteiligt waren. Die Polizei in Strausberg hat einem Bericht der "Märkische Oderzeitung" zufolge von Amts wegen ein Betrugsverfahren eingeleitet. Dem Bestatter werde vorgeworfen, vertraglich vereinbarte Leistungen nicht erbracht zu haben.

Kurz nach der Tat wurden Vorwürfe von Angehörigen laut, dass die Toten teilweise noch mit Krankenhausschläuchen in den Särgen gelegen hätten. Zurzeit würden Zeugen vernommen, hieß es bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder).

Quelle: dpa/dapd/jcw
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