29.01.13

Berliner Volksbank

Für Hinweise auf Tunnelgangster gibt es 25.000 Euro

Die Versicherung der Berliner Volksbank hat eine Belohnung für Hinweise auf die Einbrecher ausgesetzt. Die Spur nach Polen erhärtet sich.

Foto: dpa

Der von den Bankräubern verwüstete Tresorraum in der Berliner Volksbank-Filiale: Zwei Wochen nach dem spektakulären Einbruch ist eine Belohnung ausgesetzt worden
Der von den Bankräubern verwüstete Tresorraum in der Berliner Volksbank-Filiale: Zwei Wochen nach dem spektakulären Einbruch ist eine Belohnung ausgesetzt worden

Im Fall des Bankeinbruchs von Berlin-Steglitz hat die Versicherung der Berliner Volksbank eine Belohnung in Höhe von bis zu 25.000 Euro ausgesetzt. Für Hinweise, die zur Wiederbeschaffung der aus den Schließfächern gestohlenen Wertsachen oder des entwendeten Geldes führen, soll bei eindeutiger Zuordnung eine Belohnung von zehn Prozent gezahlt werden.

Maximal will die Versicherung 25.000 Euro zahlen, die je nach Wert der wiederbeschafften Sache oder der Höhe des zurückerlangten Geldes einem einzelnen Hinweisgeber zustehen oder unter mehreren Personen aufgeteilt werden. "Es lohnt sich daher, sich früh zu melden, wenn man etwas weiß", sagte Volksbank-Sprecherin Nancy Mönch.

Am Montag konnten unterdessen die Kunden der unversehrt gebliebenen Schließfächer erstmals den Tresorraum der Bankfiliale an der Schloßstraße besuchen. "Sie sollten sich selbst davon überzeugen können, dass ihre Schließfächer nicht beschädigt wurden", sagte Mönch.

Zwar hatten Polizei und Bankmitarbeiter wenige Tage nach dem Einbruch die geknackten und unangetastet gelassenen Schließfächer zählen und den jeweiligen Kunden zuordnen können. "Wir konnten jedoch nicht ausschließen, dass der Inhalt nicht aufgebrochener Fächer durch Ruß beschädigt wurde", so Mönch.

Wie berichtet hatten die Einbrecher auf ihrer Flucht in der Nacht zum 14. Januar 2013 Feuer gelegt, durch das Spuren, aber auch Wertgegenstände zerstört worden waren. Nach Angaben von Mönch teilten sämtliche Kunden nach Besichtigung ihrer Fächer am Montag mit, dass der Inhalt nicht beschädigt worden sei.

310 Hinweise sind bisher eingegangen

Bei der Polizei sind inzwischen 310 Hinweise auf die Täter eingegangen. Die Ermittler der "Soko Tunnel" verfolgen weiter die Spuren nach Polen, die sich in den vergangenen Tagen ergeben hatten. So waren zum einen polnische Wasserflaschen und Energiegetränke in dem von den Einbrechern gegrabenen Tunnel gefunden wurden. Zudem vewendeten die Täter beim Bau des Tunnels Holzwinkel, die nach Angaben von Kriminalbeamten nicht in Deutschland, aber in Polen vertrieben werden.

Man dürfe allerdings keine voreiligen Schlüsse ziehen, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. "Nur weil die Getränke in Polen gekauft wurden, müssen die Täter nicht zwangsläufig aus diesem Nachbarland kommen." Und was die Herkunft der Holzwinkel betreffe, könnten auch skandinavische Länder sowie Holland und Spanien als Ursprung nicht ausgeschlossen werden.

Auch die Auswertung der im Tunnel gefundenen Fingerabdrücke und DNA-Spuren dauert laut Neuendorf an. Noch seien die Kriminaltechniker größtenteils damit beschäftigt, die Spuren überhaupt auf ihre Verwertbarkeit zu überprüfen.

Schaden wird wohl nie ermittelt werden

Abgesehen von der Suche nach den Tätern herrscht auch bei der Ermittlung des entstandenen Schadens Unklarheit. Die entscheidende Frage nach dem Gesamtschaden wird wohl nie beantwortet werden können. Mönch: "Wir werden wahrscheinlich nicht feststellen können, wie viel die Täter erbeutet haben. Das liegt auch daran, dass manche Kunden nicht genau angeben können oder wollen, was sie in ihrem Schließfach aufbewahrt haben."

Bereits kurz nach der Tat hatte die Bank alle betroffenen Kunden angeschrieben und gebeten, Listen über den Inhalt ihrer Schließfächer anzufertigen und das Eigentum an Wertgegenständen möglichst durch Dokumente zu belegen. Ein Spezialteam der Bank steht den Kunden derzeit in Einzelterminen zur Verfügung, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Grundsätzlich gilt: Wer den Inhalt seines Schließfachs nicht versichert hat, kann nicht mit Schadensersatz rechnen.

Je früher die Täter ermittelt werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass zumindest ein Teil der Beute aufgefunden und an die Eigentümer zurückgegeben werden kann. Nachdem die Polizei in der vergangenen Woche fälschlicherweise ein Foto eines unschuldigen Studenten aus Wuppertal veröffentlicht hatte, muss sie sich derweil weiter mit dem einen Phantombild begnügen, das mithilfe von Zeugenangaben gezeichnet werden konnte. Es zeigt einen Mann mit auffälligem Muttermal im Gesicht, der in den vergangenen Monaten im Bereich der Tiefgarage an der Wrangelstraße gesehen wurde. Er soll 30 bis 40 Jahre alt und etwa 1,90 Meter groß und stämmig sein.

Anwohner berichteten der Polizei, sie hätten den Mann in verschmutzten Arbeitshosen und ockerfarbenen Arbeitsstiefeln gesehen. Die Polizei geht davon aus, dass sich die Täter als Bauarbeiter tarnten, um beispielsweise nicht aufzufallen, wenn sie die beim Tunnelausbau aufgeschütteten Sandmassen abtransportierten.

Gesucht werden weiterhin ein dunkler Kombi und ein heller Transporter mit schwarzem Viereck an der Seite. Die Polizei bittet auch Journalisten um Hilfe, die nach dem Tod des Schauspielers Dirk Bach vom Schlossparktheater aus berichtet hatten und möglicherweise die Täter im Hintergrund gefilmt oder fotografiert haben könnten.

Hinweise nehmen die Kriminalpolizei unter Tel.: (030) 4664-945107 und per Mail unter lka451@polizei.berlin.de sowie jede Polizeidienststelle entgegen.

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