28.01.13

Verwahrlosung

Berliner Polizei rettet Kinder aus drei vermüllten Wohnungen

In Berlin mussten die Behörden gleich mehrfach einschreiten, weil Kinder in unzumutbaren Verhältnissen lebten. Eine Mutter randalierte sogar.

Foto: Steffen Pletl

An der Barther Straße in Hohenschönhausen hat die Polizei am Wochenende ein Kind in einer verwahrlosten Wohnung gefunden. Zunächst war die Feuerwehr zu dem Haus gerufen worden, weil ein Brand vermutet wurde
An der Barther Straße in Hohenschönhausen hat die Polizei am Wochenende ein Kind in einer verwahrlosten Wohnung gefunden. Zunächst war die Feuerwehr zu dem Haus gerufen worden, weil ein Brand vermutet wurde

Nur durch Zufall ist die Polizei auf mehrere Fälle von Kindsvernachlässigung gestoßen. Beamte mussten zwei sechs und sieben Jahre alte Mädchen, einen siebenjährigen Jungen und ein sechs Monate altes Mädchen am vergangenen Wochenende dem Kindernotdienst übergeben. Die Kinder lebten in extrem verschmutzten Räumen voller Müll und Schimmelpilzen, wie die Polizei am Montag mitteilte. Gegen die Erziehungsberechtigten wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Jugend-Staatssekretärin Sigrid Klebba sagte zu den Vorfällen: "Ein möglichst engmaschiges gesellschaftliches Netz ist eine wichtige Voraussetzung, um Kindeswohlgefährdungen vorzubeugen." Die Senats-Jugendverwaltung hatte bereits 2007 eine Hotline für solche Fälle eingerichtet. Unter der Rufnummer 610.066 können rund um die Uhr Verdachtsfälle von Vernachlässigung, Körperverletzung oder Missbrauch von Minderjährigen gemeldet werden.

2012 waren auf der Hotline mehr als 1500 Fälle gemeldet worden, die 2456 Kinder betrafen. Seit Oktober 2012 besteht der Service auch für die Sprachen Türkisch und Arabisch und soll noch in diesem Jahr auf Russisch erweitert werden.

Weil in Charlottenburg eine Frau randalierte, stieß die Polizei am Freitagnachmittag auf den ersten der Fälle. Die Mieterin eines Mehrfamilienhauses in Charlottenburg-Nord hatte gegen 16 Uhr die Polizei gerufen, weil vor dem Haus Gegenstände lagen, die offenbar aus einem Fenster geworfen worden waren. Bei der Klärung der Ursache dafür stießen die Beamten auf eine stark verschmutzte Wohnung und eine volltrunkene Mutter. Die Fußböden waren mit Kleidungsstücken bedeckt, das Wohnzimmer voller Unrat. In der Küche gab es laut Polizei verschimmelte Lebensmittel.

Mutter war betrunken

Eine Jugendamtsmitarbeiterin ordnete für die sieben Jahre alte Tochter und den sechsmonatigen Sohn der 30-Jährigen die Übergabe an den Kindernotdienst an. Nachdem ein Alkoholtest einen Wert von 2,35 Promille ergeben hatte, musste sich die 30-Jährige einer Blutentnahme unterziehen. Gegen die Frau wird wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht ermittelt.

In Marzahn entdeckten Feuerwehrleute am Sonnabend eine Siebenjährige, die in einem verdreckten Bett schlief. Die Einsatzkräfte waren kurz nach Mitternacht gerufen worden, weil die 28-jährige Mutter in eine Klinik eingeliefert werden musste.

Von der Feuerwehr alarmierte Polizisten stellten in der gesamten Wohnung Müll, verdreckte Kleidung und vergammelte Lebensmittelreste und eine verschmutzte Katzentoilette fest, das Ganze überlagert von einem beißenden Gestank. Außer der Mutter war auch ihr Lebensgefährte in der Wohnung. Das Mädchen kam zum Kindernotdienst.

Das vierte vernachlässigte Kind wurde am Sonnabend gegen 20.20 Uhr in Neu-Hohenschönhausen entdeckt. Die Feuerwehr war wegen Brandgeruchs in die Barther Straße gefahren. Die Einsatzkräfte stellten in der Küche einer Dreizimmerwohnung nur ein angebranntes Essen fest.

Die 45 Jahre alte Mutter und ein Siebenjähriger waren unverletzt geblieben. Weil die Polizei in der Wohnung jedoch reichlich Sperrmüll, schmutzige Wäsche und schimmeligen Abfall vorfand, kam auch dieser Junge in die Obhut des Jugendamtes. Die Nachbarn hatten bis zu dem Feuerwehreinsatz nichts von den prekären Umständen in der Wohnung mitbekommen.

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