23.01.13

Tunnelgangster

Mit Foto gesuchter Mann meldete sich bei der Polizei

Die Berliner Tunnelgangster brachten mit einem Foto aus dem Internet einen Unbeteiligten in Verdacht. Nach ihm wurde bundesweit gesucht.

Foto: Steffen Pletl

Der „Eingang“ zum Tunnel, den die Räuber gelegt haben.

7 Bilder

Die Tunnel-Räuber von Berlin-Steglitz haben für ihren Coup gefälschte Papiere benutzt und damit einen unschuldigen Mann ins Visier der Fahnder von der Soko Tunnel gebracht.

Die Täter luden das Passfoto für den gefälschten, niederländischen Ausweis aus dem Internet herunter und mieteten damit bereits im Februar 2012 einen Tiefgaragen-Stellplatz in der Nähe der Bank an, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch sagte. Der Vermieter des Garagenplatzes hatte den Ausweis kopiert.

Die Polizei, die am Dienstag mit dem Bild öffentlich nach dem Einbrecher fahndete, will aber nicht von einem Ermittlungsfehler sprechen.

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung stammt das Bild aus einem Facebook-Profil. Mit gängigen Internetsuchmaschinen können zwar einzelne vorliegende Fotos mit anderen Fotos im Netz verglichen werden. Auf Bilder in Facebook-Profilen lässt sich so aber normalerweise nicht zugreifen. Daher ist es schwierig festzustellen, ob ein Foto dort kopiert wurde.

Der Mann auf dem Foto habe sich in der Nacht zu Mittwoch telefonisch bei der Polizei gemeldet. Er sei geschockt gewesen, in den Medien in Verbindung zu dem Bankeinbruch gebracht zu werden, sagte der Sprecher. "Er war natürlich total aufgeregt", fügte er hinzu. Nach der Vernehmung sei der Verdacht gegen ihn fallen gelassen worden. "Lediglich eine zufällige Ähnlichkeit zwischen ihm und dem Mieter der Garage ist gegeben", so die Polizei.

Passbild aus dem Internet kopiert

Der Mann stamme aus Wuppertal und sei sehr überrascht gewesen, so die Polizei. Er wolle keinen Kontakt zu den Medien oder zur Öffentlichkeit. Er soll das Passbild selbst ins Internet gestellt haben. Die Täter sollen es dann kopiert haben.

Der Sprecher verteidigte die Veröffentlichung des Bildes. "Es ist keine Ermittlungspanne", sagte er. Es sei vielmehr als Ergebnis zu werten, dass sich das Foto eine falsche Spur gewesen sei. Zudem habe für die Fahndung ein richterlicher Beschluss vorgelegen.

Die Einbrecher waren vor gut einer Woche über einen selbst gegrabenen, 45 Meter langen Tunnel in die Bank eingedrungen. Dort brachen sie 309 Schließfächer auf, von denen 294 vermietet waren. Einer der Täter hatte dort auch ein Schließfach gemietet, um sich für den Einbruch ein Bild von den Gegebenheiten zu verschaffen.

In der vergangenen Woche veröffentlichten die Ermittler die Phantomzeichnung eines Mannes, den Zeugen in der Nähe des Tatortes beobachteten. Die Polizei geht derzeit insgesamt 240 Hinweisen auf die Täter nach.

Quelle: dapd/dpa/sei
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