22.01.13

Urteil

Geldstrafe für Berliner Installateur nach Gas-Vergiftung

Der Handwerker hatte einen Schornstein ohne Genehmigung abgedichtet. Abgase traten aus und verletzten eine Frau und ihren Sohn.

Von Hans H. Nibbrig
Foto: dapd

Die fachgerechte Wartung eines Schornsteins ist eine wichtige Aufgabe. Schornsteinfeger wie dieser auf dem Dach eines Berliner Wohnhauses sind dafür speziell ausgebildet. In dem Fall in Schöneberg hatte ein Handwerker einen Schornstein offenbar ohne Genehmigung abgedichtet, so dass Abgase nicht mehr abzogen. Zwei Mieter erlitten Vergiftungen.
Die fachgerechte Wartung eines Schornsteins ist eine wichtige Aufgabe. Schornsteinfeger wie dieser auf dem Dach eines Berliner Wohnhauses sind dafür speziell ausgebildet. In dem Fall in Schöneberg hatte ein Handwerker einen Schornstein offenbar ohne Genehmigung abgedichtet, so dass Abgase nicht mehr abzogen. Zwei Mieter erlitten Vergiftungen

Seine nachlässige Handwerksarbeit hat eine Berliner Familie beinahe das Leben gekostet. Deshalb muss ein Heizungsinstallateur jetzt 1350 Euro Geldstrafe zahlen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den 56-Jährigen wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Der für Dienstag angesetzte Prozess vor dem Amtsgericht Tiergarten wurde allerdings kurzfristig abgesetzt, da der Angeklagte nicht erschien. Stattdessen erließ das Gericht einen Strafbefehl.

Am 1. September 2011 führte der Handwerker Installationsarbeiten in einem Mehrfamilienhaus in Berlin-Schöneberg durch. Dabei verschloss er auf dem Dach des Hauses einen Schornstein mit einer Kunststoffscheibe. Das Abdichten erfolgte ohne die eigentlich für solche Arbeiten erforderliche offizielle Genehmigung.

Auf eine Überprüfung, ob der Schornstein noch in Betrieb ist, verzichtete der 56-Jährige ebenfalls. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen begnügte sich der Handwerker mit den Angaben eines Mieters, der Schornstein werde nicht mehr benutzt. Ein im höchsten Maße fahrlässiges und zudem lebensgefährliches Vorgehen, wie sich schon kurze Zeit später herausstellte.

Da die Abgase einer im Haus betriebenen Gasetagenheizung nicht durch den verschlossenen Schornstein entweichen konnten, gelangte giftiges Kohlenmonoxid in eine von Mutter und Sohn bewohnte Wohnung im Erdgeschoss.

Die Mutter hatte bereits das Bewusstsein verloren und konnte von ihrem Sohn im letzten Moment ins Freie gebracht werden. Alarmierte Feuerwehrleute lieferten beide mit schweren Rauchgasvergiftungen in ein Krankenhaus ein, wo sie mehrere Tage stationär behandelt werden mussten.

Tot nach wenigen Atemzügen

Nach eingehenden technischen Untersuchungen und Ermittlungen durch die Polizei erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Installateur. Der Mann habe Glück gehabt, dass die Anklage nur auf fahrlässige Körperverletzung und nicht auf fahrlässige Tötung lautete, hieß es am Dienstag aus Justizkreisen.

Experten der Feuerwehr hatten zuvor betont, beim Einatmen von Kohlenmonoxid reichten wenige Atemzüge, um das Bewusstsein zu verlieren. "Das weitere Einatmen, das die Bewusstlosen dann gar nicht mehr mitbekommen, ist in der Regel tödlich", sagte ein Rettungssanitäter.

Im Juli 2011 war in Köpenick an der Puchanstraße eine sechsköpfige Familie, darunter vier Kinder im Alter von einem bis sechs Jahre, durch Rauchgasvergiftungen ums Leben gekommen. Wegen verstopfter Abzugseinrichtungen in dem maroden Mehrfamilienhaus konnte das giftige Kohlenmonoxid nicht entweichen und gelangte so in die Wohnung der Familie. Die Vormieter der Wohnung hatten den Abzug mit alten Lumpen zugestopft und offenbar den Vermieter darüber nicht informiert.

Im Juli 2012 führte an der Forststraße in Steglitz eine defekte Gastherme zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. Vier Mieter musste mit einer Vergiftung in einem Krankenhaus behandelt werden.

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