22.01.13

Armut

Berliner helfen e.V. verteilt warme Kleidung an Obdachlose

Anlass war eine spontane Spende von Galeria Kaufhof. In den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl der Hilfsbedürftigen stark erhöht.

Foto: Glanze

Auch Morgenpost-Redakteurin Petra Götze half bei der Spendenaktion in der Bahnhofsmission mit
Auch Morgenpost-Redakteurin Petra Götze half bei der Spendenaktion in der Bahnhofsmission mit

Die Schlange der Bedürftigen vor der Bahnhofsmission am Berliner Zoo ist lang. Sie warten geduldig, bis sie zum Essen ins Warme dürfen. Am Montag gab es nicht nur belegte Brote und Kaffee, sondern auch warme Mützen, Schals und Handschuhe, um durch den Winter zu kommen.

Der Verein Berliner helfen von der Berliner Morgenpost hatte die Wintersachen als spontane Spende von der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz erhalten. "Es ist uns ein Anliegen, die Bedürftigen unserer Stadt zu unterstützen", sagte Geschäftsführer Torsten Kruse.

Morgenpost-Redakteurin Petra Götze verteilte Strickmützen, Fleeceschals und dicke Wollhandschuhe an die Bedürftigen. Eine der Ersten, die sich über Handschuhe freute, war die 50 Jahre alte Angelika aus Moabit. Zum Ende des Monats ist das Geld bei ihr knapp. Wenn Miete, Strom, Fahrscheine und die anderen Ausgaben von 600 Euro Frührente bezahlt sind, bleibt der Frau nicht mehr viel übrig zum Leben. Deshalb geht die Frührentnerin zum Essen in die Bahnhofsmission.

Über die neuen roten Handschuhe, bei denen die Finger herausschauen, freute sie sich sehr. Damit kann sie die Räder ihres Rollstuhls besser drehen, wenn sie mal nicht von ihrem Bekannten Andreas (53) geschoben wird. Angelika, gelernte Elektrikerin, die in einer Autofabrik in Kassel gearbeitet hat, ist sterbenskrank. Sie hat Krebs im Endstadium. "Hauptsache, man lebt, jeder Tag zählt", sagt sie. Sie sei froh, dass es solche Anlaufstellen wie die am Zoo gebe.

Leberkäse von der Grünen Woche

Dass die Not groß ist, weiß auch Barbara. Die 63 Jahre alte Wilmersdorferin arbeitet mindestens einmal die Woche ehrenamtlich in der Mission im Bahnhof Zoo. Sie ist eine von 20 Helfern, die dort jeden Tag im Einsatz sind. Dank der Grünen Woche brutzelten am Montag Prager Schinken, Leberkäse und Bratwurst im Backofen.

Kamen vor drei Jahren noch 400 Gäste pro Tag in die Einrichtung, hat sich die Zahl der Hilfsbedürftigen auf bis zu 650 erhöht. Dieter Puhl (55), der Leiter der rund um die Uhr geöffneten Bahnhofsmission an der Jebensstraße, freut sich, dass die Berliner Tafel Lebensmittel bringt, auch viele Einrichtungen Essen direkt abliefern. Auch ganz viele Berliner würden helfen. Einige brächten sogar Lebensmittelgutscheine, die sehr praktisch seien. 20 bis 30 Schlafsäcke gebe er jeden Tag an Menschen aus, die keine Wohnung hätten. Momentan würden besonders große Herrenschuhe sowie Rucksäcke und Reisetaschen benötigt. "Aber auch die Handschuhe brauchten wir dringend", sagt Puhl.

Kaffee, Essen und eine neue Mütze

Ina Sägebrecht, die in einem Obdachlosenheim in Adlershof wohnt, hofft noch auf einen warmen Mantel, einen Schlafsack und eine Isomatte. Die Heizung im Heim sei defekt. Vor einem Jahr konnte die 47 Jahre alte Rüdersdorferin ihre von 350 auf 460 Euro gestiegene Miete nicht mehr bezahlen, berichtet sie. Sie freut sich nicht nur über den heißen Kaffee und das Essen in der Bahnhofsmission, sondern an diesem Tag auch über die neue Mütze: "Die kann ich in der Friedrichstraße, wo ich den Straßenfeger verkaufe, gut gebrauchen", sagt die Rentnerin.

Renate (69) und Wolfgang Richter (70) aus Buckow sind am Montag auch zum Zoo gefahren, um zu helfen. Den Spendenaufruf hatten sie in der Zeitung gelesen. Sie gaben Iso-Matten, zwei Schlafsäcke und warme Pullover ab. "Man hat ohnehin zu viel und gibt's gerne, wir werden noch mehr aussortieren und wiederkommen", sagt das Rentnerpaar. Selbst in Buckow würden immer mehr Menschen vor den Geschäften betteln.

Hilfe für Obdachlose

Kältehilfe Der Verein Berliner helfen und der Radiosender 104.6 RTL bitten die Berliner um Hilfe für die Obdachlosen.

Warme Unterwäsche, Schlafsäcke und Lebensmittel oder Lebensmittel-Gutscheine für Supermärkte können in der Bahnhofsmission am Zoo in der Jebensstraße oder in der Berliner Stadtmission, Lehrter Straße 68, abgegeben werden. Geldspenden für die Notunterkünfte und die medizinische Versorgung bitte an:

Berliner helfen e.V.

Spendenkonto 55

Stichwort: Kältehilfe

Bank für Sozialwirtschaft BLZ 100 205 00

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