21.01.13

Nach Krisensitzung

Zoo-Chef Blaszkiewitz bleibt vorerst im Amt

Nach seinen frauenfeindlichen Äußerungen soll sich Bernhard Blaszkiewitz schriftlich an seine Belegschaft wenden.

Foto: dpa

Bernhard Blaszkiewitz, Direktor des Zoos in Berlin, bleibt vorerst im Amt
Bernhard Blaszkiewitz, Direktor des Zoos in Berlin, bleibt vorerst im Amt

Der umstrittene Berliner Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz bleibt zunächst im Amt. Das ist das Ergebnis einer dreistündigen Krisensitzung des Präsidiums des Aufsichtsrates. Blaszkiewitz war zuvor angehört worden zu Vorwürfen, er habe sich frauenfeindlich geäußert.

Nach Angaben des Aufsichtsratsvorsitzenden Frank Bruckmann vom Montagabend wird sich Blaszkiewitz an diesem Dienstag schriftlich an die Belegschaft wenden. Außerdem beschlossen die Aufsichtsräte, einen Posten für eine Gleichstellungsbeauftragte einzurichten und eine Anwaltskanzlei zu beauftragen, die strittigen Punkte "einer juristischen Würdigung zu unterziehen".

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa erwarten die Zoo-Kontrolleure, dass sich Blaszkiewitz offiziell und in aller Form bei den betroffenen Mitarbeiterinnen entschuldigt. Der Zoo- und Tierparkchef hatte eingeräumt, in internen Schreiben vor die Namen von Mitarbeiterinnen die Formel 0,1 gesetzt zu haben. Diese steht in der Zoo-Welt für "Weibchen", bei bestimmten Tierarten auch für "Zuchtstuten". Dies hatte zu massiven Protesten geführt. Berlins Frauensenatorin Dilek Kolat (SPD) hatte erklärt, Blaszkiewitz sei nicht mehr tragbar und als Führungspersönlichkeit disqualifiziert.

Grüne weiter für Abberufung von Blaszkiewitz

Die von Blaszkiewitz bei einer Betriebsversammlung im Tierpark Friedrichsfelde laut Teilnehmern als "bösartig" bezeichnete Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling sagte am Montagabend in einer ersten Reaktion: "Ein Chef, dem der Aufsichtsrat eine Aufsicht zum Schutz der Mitarbeiterinnen vor die Nase setzen muss, ist eine krasse Fehlbesetzung." Es wäre ein gutes Signal für die Stadt gewesen, wenn der Aufsichtsrat Blaszkiewitz von seinen Aufgaben entbunden hätte.

Nach weiteren Informationen der dpa erhofft sich der Aufsichtsrat, mit den Maßnahmen zahlreiche Mitarbeiter dazu zu bewegen, unter Zusicherung von Anonymität einige der öffentlich gewordenen Missstände im Zoologischen Garten und Tierpark Friedrichsfelde aufzuklären. Bei bisherigen umstrittenen Vorgängen hieß es oft, dass ein schwieriges Arbeitsklima und zum Teil massiver Druck von Blaszkiewitz Offenheit verhindert hätten.

Blaszkiewitz, der seit 2007 Zoo und Tierpark zusammen leitet, war in den vergangenen Jahren mehrfach wegen seines rustikalen Tons gegenüber Medien und Mitarbeitern und mehrerer Entscheidungen auch zur Haltung des berühmten Eisbären Knut in die Kritik geraten.

Über die Sitzung ist Vertraulichkeit vereinbart worden

Nach Angaben mehrerer Teilnehmer der Krisensitzung des Aufsichtsrats-Präsidiums in der Volksbank direkt gegenüber dem Zoo-Elefantentor ist über die Sitzung Vertraulichkeit vereinbart worden. Weder der ebenfalls angehörte Betriebsrat des Tierparks Friedrichsfelde noch Blaszkiewitz äußerten sich zu der Sitzung. Für den Aufsichtsrat nahmen dessen Vorsitzender Frank Bruckmann von den Wasserbetrieben, Holger Hatje von der Volksbank und Aurica Jäckel für den Berliner Senat teil.

In ihrer knappen Erklärung nahmen die Aufsichtsräte am Montagabend keine Stellungnahme zu Vorwürfen von Blaszkiewitz gegen Zoo- und Tierpark-Mitarbeiter, die Weihnachtsgeld kassieren würden, obwohl sie "unchristlich" und nicht in der Kirche seien. Dagegen hatte die Gewerkschaft Verdi scharf protestiert.

In welchem Zeitraum die verlangte Gleichstellungsbeauftragte ihre Arbeit aufnehmen solle, wurde zunächst noch nicht mitgeteilt. Offen ist auch, wann eine Anwaltskanzlei mit der juristischen Prüfung der Vorwürfe beginnen soll.

Quelle: dpa/oje
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