21.01.13

Weibchen-Kürzel

Senatorin kritisiert Berliner Zoochef wegen Diskriminierung

Am heutigen Montag entscheidet sich möglicherweise das Schicksal des in die Kritik geratenen Chefs der Hauptstadtzoos, Bernhard Blaszkiewitz.

Von Christine Eichelmann
Foto: Michael Brunner
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Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz muss um seinen Job bangen

Der Aufsichtsratschef der Zoologischer Garten Berlin AG, Frank Bruckmann, hat laut Zoo-Sprecherin Bienek kurzfristig eine Sondersitzung des Präsidiums einberufen. Thema wird der Umgang von Blaszkiewitz mit seinen Mitarbeitern sein. Berlins Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration, Dilek Kolat (SPD), hatte sich am Sonntag indirekt für eine Ablösung des Zoodirektors ausgesprochen.

Auf der Präsidiumssitzung sollen Blaszkiewitz und der Betriebsrat des Tierparks Friedrichsfelde zu den jüngsten Vorwürfen gegen den Chef der Berliner Tiergärten angehört werden.

Aus einer Mitarbeiterversammlung im Tierpark am Mittwoch heraus war bekannt geworden, dass Blaszkiewitz in internen Schreiben den Namen von Kolleginnen die Zahl 0,1 hinzugefügt hatte. Diese kennzeichnet bei Tierhaltern und Züchtern die Weibchen. Für männliche Tiere steht die Ziffer vor dem Komma.

Bruckmann kündigte laut Presseberichten an, es werde "mit allen Konsequenzen vorgegangen, wenn es sie denn geben müsste". Möglicherweise könnte der Aufsichtsrat eine für den 1. Februar 2013 geplante routinemäßige Aufsichtsratssitzung vorziehen, auf der die umstrittene Vertragsverlängerung für Blaszkiewitz ohnehin behandelt werden sollte.

"Als Führungsperson disqualifiziert"

"Das ist ein klarer Fall von Diskriminierung", sagte Senatorin Kolat. "Von Führungspersonen erwarte ich, dass sie Diskriminierung im eigenen Unternehmen vermeiden und bekämpfen. Wer so handelt, hat sich als Führungsperson disqualifiziert." "Jede Äußerung, die als diskriminierend gegen Frauen verstanden werden kann, ist völlig fehl am Platz", bestätigte Senatssprecher Richard Meng .

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Anja Kofbinger, hatte die irritierende Praxis des Zoodirektors im Schriftverkehr bereits im Dezember 2012 zum Thema einer Anfrage gemacht.

Einen Rücktritt von Blaszkiewitz fordert auch die Grüne Claudia Hämmerling, die seit Jahren zu den Kritikern des Zoochefs gehört. Blaszkiewitz bezeichnete die 59-jährige, verheiratete Tierschützerin, die er stets als "Fräulein Hämmerling" anredet, laut dem Protokoll der Tierpark-Versammlung als "bösartig".

Kennern des Zoos ist der rüde Umgangston des Betriebschefs seit Langem bekannt. Der Verein der Freunde und Förderer des Zoologischen Garten Berlin verzeichnet einen Mitgliederschwund, weil sich Blaszkiewitz unter anderem mit seiner Schilderung der eigenhändigen Tötung von Katzenbabys mehr Feinde als Freunde gemacht hat. Die Förderung von Tierprojekten durch den Verein lehnt Blaszkiewitz ab, weil dort vorsichtige Kritik an seinem Stil geäußert woden war.

Unter Beschuss genommen wird Blaszkiewitz auch vonseiten der Arbeitnehmervertreter. Die Landesbezirksleiterin Berlin-Brandenburg der Gewerkschaft Ver.di, Susanne Stumpenhusen, bezeichnete die Kritik am Weihnachtsgeld für religionsferne Mitarbeiter als "völlig absurd und Quatsch". Weihnachtsgeld sei nicht an private Einstellungen gebunden.

Der Haushaltsausschuss im Abgeordnetenhaus kümmert sich außerdem um EU-Fördermitteln in Höhe von 126.000 Euro für die Sanierung des Raubtierhauses, die dem Tierpark aufgrund von Fehlern in den Anträgen nicht wie geplant zukommen sollen.

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