16.01.13

Bankraub

Schon 50 Hinweise von Zeugen zu Tunnel-Einbrechern

Nachdem bereits genaue Täterbeschreibungen eingegangen sind, will die Polizei bald Phantombilder anfertigen.

Foto: Reto Klar

Nach dem spektakulären Bankraub über einen Tunnel haben sich inzwischen mehrere Zeugen gemeldet
Nach dem spektakulären Bankraub über einen Tunnel haben sich inzwischen mehrere Zeugen gemeldet

Im Fall des spektakulären Bankeinbruchs von Steglitz ist die Zahl der Hinweise am Mittwoch auf 50 gestiegen. Unter den Zeugenangaben sind laut einem Polizeisprecher einige sehr präzise Beschreibungen, auf deren Grundlage vermutlich schon bald Phantombilder der Täter angefertigt und veröffentlichen werden sollen.

Wie berichtet, hatten sich mehre Zeugen bereits einen Tag nach der Tat bei der Polizei gemeldet und von Bauarbeitern gesprochen, die sie in der Tiefgarage an der Wrangelstraße gesehen haben wollen. Vermutlich hatten sich die Täter so getarnt, als sie über einen Zeitraum von fast einem Jahr den Tunnel zu der Bankfiliale an der Schloßstraße gruben.

Auch am Mittwoch haben Kriminaltechniker die Spurensicherung im Tunnel fortgesetzt. "Wir betreiben kleinste Fusselarbeit", sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Jeder Träger und jeder Stützbalken würden Millimeter für Millimeter insbesondere auf Fingerabdrücke und DNA-Spuren abgesucht. "Ein Haar, aber auch ein Blut- oder Schweißtropfen könnte schon weiterhelfen", so Neuendorf.

Spurensicherung im Tunnel möglicherweise bald erfolgreich

Da es im Tunnel selbst nicht so stark gebrannt habe, sei die Polizei zuversichtlich, bald etwas zu finden. Auf ihrer Flucht hatten die Täter an zwei Stellen Feuer gelegt: im Tresorraum und am Stellplatz der Tiefgarage, von wo aus der Tunnel gegraben worden war. Auch diese Bereiche wurden weiter nach Spuren abgesucht.



Die Berliner Volksbank kündigte an, an diesem Donnerstag eine Bestandsaufnahme des Schadens vorzunehmen. Wegen der Tatort-Arbeit der Polizei konnten die Mitarbeiter der Bank den Tresorraum bisher nur einmal kurz betreten. Kunden warten daher seit Tagen auf eine Nachricht, ob auch ihr Schließfach von den Einbrechern geknackt wurde. "Wir wollen am Donnerstag genau auflisten, wie viele und wessen Fächer betroffen sind", sagte Nancy Mönch von der Volksbank.

Am Freitag sollen dann alle Kunden angeschrieben werden. Mit Schadenersatz könnten grundsätzlich nur Kunden rechnen, die den Inhalt ihres Schließfachs versichert hätten. Von der Bank wird es wohl nichts geben: "Ohne Verschulden sind wir nicht verpflichtet zu zahlen", sagte Mönch.

Erst vor zwei Jahren war der Tresorraum auf den neuesten Stand der technischen Anforderungen gebracht und mit 1600 Schließfächern bestückt worden. Doch auch die Wände aus Stahlbeton hielten die Täter nicht davon ab, ihr Vorhaben durchzusetzen. In der Nacht zu Montag plünderten sie rund 300 der 900 belegten Fächer und hinterließen ein Bild der Verwüstung.

Was sie nicht brauchten, schmissen sie auf den Boden. Persönliche Gegenstände wie Urkunden, Portemonnaies und auch ein Stofftier liegen dort nun herum. Aber nicht einmal diese Dinge können die Eigentümer mit Gewissheit wieder zurück bekommen. Das Feuer habe viele Sachen zerstört oder stark beschädigt, sagte Sprecher Neuendorf.

Bankfiliale derzeit noch geschlossen

Die Volksbank-Filiale an der Schloßstraße wird voraussichtlich erst am kommenden Montag wieder öffnen. Bis dahin hat die Bank einen mobilen Geldautomaten eingerichtet – ein Fahrzeug, das vor der Filiale steht und aus dem sich Kunden Banknoten ziehen können. Der Zugang zum Tresorraum ist nach Angaben von Mönch voraussichtlich erst wieder ab 28. Januar möglich. Zuvor müsse dort aufgeräumt und repariert werden.

Vor zwei Jahren hatten Einbrecher schon einmal die Filiale in Steglitz ins Visier genommen. Damals versuchten sie, durch den Keller in die Bank zu gelangen, scheiterten jedoch und flüchteten. Ob es sich nun um dieselben Täter handelt, prüft die Sonderkommission "Tunnel".

Unklar sind weiterhin die Einzelheiten des Tunnelbaus, vor allem die Frage, wie die Einbrecher die großen Mengen an Bauschutt unbemerkt abtransportieren konnten. Hinweise nimmt die Polizei unter 46 64 94 51 07 entgegen.

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