16.01.13

Tödliche Schüsse

Doppelmord in Neuköllner Bäckerei schockiert Berlin

In Neukölln hat ein Mann seine Ex-Partnerin und deren Schwester mit Kopfschuss hingerichtet. Es handelt sich wohl um ein Beziehungsdrama.

Von Michael Behrendt und Steffen Pletl
Foto: schroeder

Bei einer Schießerei in einer Bäckerei an der Neuköllner Flughafenstraße ist im Januar 2013 eine Frau getötet und deren Schwester schwer verletzt worden. Das zweite Opfer starb später in einem Berliner Krankenhaus.

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Ein Eifersuchtsdrama hat am Mittwochmorgen in Neukölln zwei Todesopfer gefordert: Ein 45 Jahre alter Mann türkischer Herkunft erschoss seine 33 Jahre alte Frau in deren Bäckerei an der Flughafenstraße. Ihre 38 Jahre alte Schwester wurde durch Schüsse schwer verletzt, sie starb später im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft spricht von Doppelmord. Offenbar hatte der Mann die Trennung nicht verwunden.

Der Schütze Mehmet Ö. konnte noch am Tatort von einem Polizisten und einem Zeugen überwältigt und festgenommen werden. Beamte der 8. Mordkommission haben die Ermittlungen übernommen. Anfängliche Gerüchte, wonach sich die 16 Jahre alte Tochter der Toten zum Zeitpunkt des Anschlags ebenfalls in den Räumen befunden haben soll, bestätigten sich nach offiziellen Polizeiangaben zunächst nicht.

Ersten Erkenntnissen zufolge hatte der Mann gegen 8.50 Uhr die Bäckerei betreten und auf die Frauen gefeuert, beide sollen im Kopfbereich getroffen worden sein. Zeugen sprechen von mehreren Schüssen. Entweder kurz vor oder unmittelbar nach der Tat betrat ein Zeuge die Ladenräume, wurde aber von dem 45-jährigen Mehmet Ö. mit einer Waffe bedroht und zum Verlassen des Geschäfts aufgefordert.

Der Mann gehorchte, auf der Straße gelang es ihm jedoch, einen zufällig vorbei fahrenden Polizisten auf sich aufmerksam zu machen, der allein mit seinem Funkstreifenwagen unterwegs war. Der Beamte stoppte in dem Moment, als der mutmaßliche Mörder mit der Waffe in der Hand aus dem Laden stürmte. Der Beamte zog seine Dienstwaffe und schrie den Mann an, die Pistole auf den Boden zu legen und sich zu ergeben. Nach mehreren Aufforderungen legte der 45-Jährige seine Waffe tatsächlich ab, der Polizist und der Zeuge überwältigen Mehmet Ö. gemeinsam und legten ihm Handschellen an.

Wenig später trafen Notarztwagenbesatzungen und Rettungswagen der Feuerwehr ein und kümmerten sich um die beiden Frauen. Für die 33-Jährige kam jede Hilfe zu spät, ihre Leiche wurde mit einem Tuch abgedeckt. Zeitgleich wurde ihre ältere Schwester ins Krankenhaus am Urban gebracht, die Ärzte kämpften allerdings vergeblich um ihr Leben. Gegen 16.30 Uhr stellten sie den Hirntod fest.

Wie die Berliner Morgenpost aus dem Bekanntenkreis der Opfer erfuhr, hatten das spätere Opfer und der mutmaßliche Täter in der Vergangenheit zusammen musiziert und durch Auftritte Geld im Kreuzberger Kiez – vor allem im Bereich der Adalbertstraße – verdient. Vor eineinhalb Jahren allerdings soll die Beziehung auseinander gegangen sein, die 33-Jährige habe sie demnach beendet, weil sie einen anderen Mann kennengelernt haben soll.

Der 45-Jährige soll mit dieser Entscheidung nicht klargekommen sein. Als er dann noch mitbekam, dass seine ehemalige große Liebe ausgerechnet unweit seiner eigenen Wohnung vor zwei Wochen eine Bäckerei eröffnet hatte, um einen Familienbetrieb mit der Schwester zu gründen, müssen ihm wohl die Nerven durchgegangen sein – er entschloss sich zu der Bluttat. Der Mann wurde von der Mordkommission bis in die Abendstunden vernommen. Die Beamten müssen auch klären, wie der 45-Jährige in den Besitz einer scharfen Schusswaffe gelangen konnte. Hinweise dazu nimmt auch jede Polizeidienststelle entgegen.

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