15.01.13

Ermittlungen

Tunnel für Berliner Bankraub länger als angenommen

Die Untersuchung mit einem Spezialgerät der Wasserbetriebe brachte der Berliner Polizei neue Erkenntnisse.

Foto: dpa

In Berlin-Steglitz haben bislang Unbekannte einen Tunnel gegraben und sind so in den Tresorraum einer Filiale der Berliner Volksbank eingedrungen. Vier Tage nach der Tat konnte der Tunnel erstmals von Journalisten fotografiert werden.

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Die Spurensuche nach dem filmreifen Banküberfall in Berlin-Steglitz geht mit Hochdruck weiter. Die Berliner Polizei hat zur Aufklärung der Tat eine Sonderkommission namens "Tunnel" gebildet.

Die Täter hatten einen unterirdischen Tunnel gegraben, um in das Kreditinstitut zu gelangen. Aus Sicherheitsgründen wurde er am Dienstag mit einem Roboter untersucht.

Das Gerät scannte mit 3-D-Aufnahmen das Innere. Damit wollten sich die Ermittler einen Eindruck verschaffen, ob das Bauwerk einsturzgefährdet ist oder nicht. Davon hänge ab, ob die Experten selbst zur Spurensicherung in den Tunnel gehen oder ob er von oben aufgegraben wird, hieß es.

Der Roboter wurde von den Berliner Wasserbetrieben angefordert, er wird sonst für Kanalarbeiten eingesetzt.

Tunnel viel länger als bislang angenommen

Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass der Tunnel länger ist als bislang angenommen. Durch den Einsatz des Spezialroboters wurde ermittelt, dass er eine Länge von rund 45 Meter hat, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Bisher war von etwa 30 Metern die Rede.

Experten begannen damit, ihn Meter für Meter auf DNA-Spuren wie Fingerabdrücke zu untersuchen. Diese Arbeit werde noch mehrere Tage dauern, sagte der Sprecher. Zum Tunnel selbst macht die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben.

Unbekannte Täter waren über den Tunnel in den Tresorraum die Filiale der Berliner Volksbank an der Schloßstraße eingebrochen und hatten Wertsachen aus den Schließfächern geraubt. Nach Informationen vom Dienstag wurde ein Drittel der 800 belegten Fächer aufgebrochen. Die Polizei vermutet, dass die Täter von ihrem Vorhaben abließen, weil etwas Unvorhergesehenes passierte.

Die Täter hatten ihre Arbeiten am Tunnel in einer benachbarten Tiefgarage begonnen und sich dann unterirdisch bis zum Tresorraum der Bank vorgearbeitet.

Sie gruben den 1,50 Meter hohen Tunnel nach Einschätzung der Polizei in wochen- oder monatelanger Arbeit. Dabei durchbrachen sie auch Betonwände zu den Kellerräumen der Bank. Günstig für die Einbrecher war dabei, dass das Bankgebäude ein alleinstehendes Haus an einer dicht befahrenen Straße ist und daher wohl niemand nachts oder am Wochenende Lärm oder Vibrationen von Maschinen im Boden bemerkte.

Garagenanmietung mit gefälschten Papieren

Bemerkt wurden die Grabungsarbeiten auch nicht, weil sie hinter dem geschlossen Rolltor einer Einzelgarage stattfanden. Vermutlich wurde der Bodenaushub dort in Fahrzeuge verladen und dann – ohne dass es weiter auffiel – abtransportiert.

In diesem Zusammenhang hat sich eine Vermutung der Ermittler nach Polizeiangaben inzwischen bestätigt. Die Anmietung des durch ein Rolltor abgesperrten Teils der Tiefgarage unter einem benachbarten Ärztehaus erfolgte mit gefälschten Papieren. Es wurde nach Informationen der Berliner Morgenpost ein holländischer Pass vorgelegt. Es liege der Verdacht nahe, dass die Garage eigens für den geplanten Einbruch gemietet wurde.

Die Volksbank will alle vom Raub betroffenen Kunden in den kommenden Tagen schriftlich informieren. Das berichtet Ibrahim Sulimann, selbst Bankkunde und Betreiber eines Restaurants über der Tiefgarage, am Dienstag.

Tat nach einem Feuer am Montag entdeckt

Die Tat war am Montagmorgen entdeckt worden, als die Feuerwehr einen Brand löschte, der offenbar zur Beseitigung von Spuren gelegt worden war. Außerdem setzen die Kriminaltechniker ihre Arbeit im Tresorraum fort, der nach dem Brand belüftet worden sei, sagte der Sprecher weiter.

Die Polizei bittet Zeugen dringend, sich zu melden. Hinweise werden beim Landeskriminalamt unter der Rufnummer (030) 4664-945 107 sowie in jeder anderen Polizeidienststelle entgegengenommen.

Bisher sind rund zwei Dutzend Hinweise zu der Tat eingegangen. Eine heiße Spur ist laut Polizei aber noch nicht dabei. Die Filiale der Volksbank bleibt weiterhin geschlossen.

Quelle: dapd/plet/sei
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