09.01.2013, 15:51

Schwabenstreit Sprachforscher – Berliner Schnauze ist nicht totzukriegen


Mit einem Transparent und der Aufschrift „Currywurst statt Spätzle“ protestieren Anwohner in der Pankower Florastraße für mehr Berlin

Foto: Jörg Carstensen / picture alliance / dpa

Wird in Berlin bald nur noch Schwäbisch gesprochen? Ein Sprachforscher beruhigt Zweifler wie Wolfgang Thierse.

Das Berlinern ("Dit find ick jut") wird nach Expertensicht als Mundart der Hauptstadt nicht totzukriegen sein. "Berlinisch gibt es und wird es auch weiter geben. Allerdings wird es als Stadtdialekt immer mehr abgeschliffen", sagteProfessor Joachim Gessinger, Fachmann für Deutsche Sprache an der Universität Potsdam.

Zuletzt hatte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse mit seiner Schwaben-Schelte großes Aufsehen erregt. Der Politiker rügte, dass Zugezogene Ur-Berliner Ausdrücke verdrängen würden. "Ich ärgere mich, wenn ich beim Bäcker erfahre, dass es keine Schrippen gibt, sondern Wecken", sagte Thierse unter anderem.

Laut Sprachforscher Gessinger schwächt sich die berühmt-berüchtigte Berliner Schnauze tatsächlich ab. Grund sei vor allem die Orientierung an der Schriftsprache und der seit Jahrhunderten andauernde Zuzug von Menschen aus anderen Regionen Deutschlands und dem Ausland. "Hinzu kommt die Ausbreitung von Kiezdeutsch in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil, etwa in Wedding, Kreuzberg oder Neukölln", sagte der Germanist.

Sprachforscher sehen Phänomene wie Kiezdeutsch aber nicht als Gefährdung, sondern als Bereicherung für eine Sprache. So wird der Berliner Dialekt seit eh und je auch von Einwanderern geprägt. Ein Beispiel sind die Hugenotten, die seit Ende des 17. Jahrhunderts nach Berlin und Brandenburg kamen. Die berühmte Bulette etwa ist ein Wort französischen Ursprungs und heißt übersetzt Fleischbällchen. "Wenn Politiker wie Klaus Wowereit oder Matthias Platzeck (beide SPD) volksnah sein wollen, berlinern sie", sagte Gessinger.

Die "Berliner Schnauze" finden Se ooch bei Kasupke.

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter