08.01.13

ZDF-Serie

Das "Adlon" bietet auch heute noch Stoff für Legenden

Der ZDF-Dreiteiler "Das Adlon" endet nach dem Krieg. Doch auch in der Gegenwart gibt es große Persönlichkeiten und Skandale.

Von Judith Luig
Foto: picture-alliance / akg-images

Geburt einer Legende: 1906/7 wurde das "Adlon" von Carl Gause und Robert Leibnitz (hier eine Aufnahme um 1940) erbaut. 20 Millionen Goldmark hat das Projekt gekostet. Das wären nach heutigem Kurs mehr als 350 Millionen Euro.

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Und heute? 8,53 Millionen Zuschauer haben am Sonntagabend den ersten Teil des ZDF-Dreiteilers "Das Adlon" über Berlins berühmtestes Hotel verfolgt. Am Montag lief der zweite Teil über die klangvolle Adresse am Brandenburger Tor. Und auch der war Favorit. Mit 8,28 Millionen vor den Bildschirmen und einem Marktanteil von 24,2 Prozent war der Film die besteingeschaltete Sendung des Tages. Der dritte und letzte Teil der prominent besetzten Geschichte um das Berliner Luxushotel wird am Mittwoch, 9. Januar, um 20.15 Uhr ausgestrahlt.

Nach dem Krieg brannte der Prachtbau fast völlig aus. Die Ruine und den einzig erhaltenen Seitenflügel, in dem vorübergehend wieder ein Hotel untergebracht war, ließ die SED-Bezirksleitung am 10.März 1984 sprengen. Zwar gab es schon kurze Zeit nach der Wende die Idee für den Nachbau und die Hoffnung auf eine Wiedereröffnung. Doch viel mehr als deren Umsetzung erzählt der ZDF-Dreiteiler nicht.

Kommt das heutige Adlon an das Original heran?

Beeindruckt von der luxuriösen Ausstattung der Filmkulisse, die in den Bavaria Filmstudios aufgebaut wurde, und den historischen Persönlichkeiten, die in Film und anschließender Dokumentation auftauchen, stellt sich einem die Frage: Kommt das heutige "Adlon", die Replik beziehungsweise die Neuschöpfung, überhaupt an das Original heran? Nicht nur, was den Bau angeht, sondern auch, was die handelnden Personen betrifft? Wie könnte so eine Fortsetzung des Filmes von der Wiedereröffnung bis heute aussehen?

In diesen Januartagen zeigt sich Berlin in Dunkelgrau, nicht eben einladend. Vor dem "Adlon" aber strahlen gleich zwei junge Männer in Livree dem Gast entgegen. Dafür ist das "Adlon" berühmt: Man wird hier extrem zuvorkommend empfangen. Auch beim Gang durch Lobby und Café, wo ein fast beigefarbenes Licht das Hell der Wände dimmt, grüßt das Personal diskret und freundlich.

Das ist, so sagen Kenner, das Verdienst von Jean K. "Gianni" van Daalen. Der erste Direktor des 1997 neueröffneten Hauses versteht sich auf Gastfreundschaft, diese Tradition hat er etabliert und weitergegeben. "Wer einmal in seinem Hotel war, der ist kein Fremder mehr", sagen Kollege über ihn. Der in Italien geborene van Daalen also, der in Paris und Rom gearbeitet hat, der seine Zeit in Berlin durch einen Aufenthalt in Moskau unterbrochen hat, und der 2003 zum besten Hotelmanager Europas gekürt wurde, der würde schon etwas hergeben als Filmfigur. Ebenso wie seine aus Amerika stammende Frau Marylea, die allerdings, so sagt man, New York Berlin vorziehen soll.

Kein aufdringlicher Luxus im heutigen "Adlon"

Das heutige "Adlon Kempinski" fällt nicht durch aufdringlichen Luxus auf. Aber es gibt ihn: Allein zehn verschiedene Arten von Suiten kann man hier buchen, beginnend mit den Juniorsuiten, die ab 1500 Euro pro Nacht zu haben sind. Die größte Suite ist die Royal Suite mit einer Fläche von 220 Quadratmetern, die auf bis zu 420 Quadratmeter erweitert werden kann. Wer sich das nicht leisten kann: Die günstigste Speise auf der Karte des Restaurants "Quarrés" ist eine Zwiebelsuppe zu 9 Euro.

Dass es überhaupt wieder ein Hotel mit dem Namen "Adlon" am Brandenburger Tor gibt, das hat die mondäne Welt jemandem zu verdanken, der zuletzt vermehrt in die Kritik geraten ist. Das neue "Adlon" ist zusammen mit dem Luxuskomplex Heiligendamm und dem Quartier 206 an der Friedrichstraße eines der Großprojekte von Anno August Jagdfeld, dem Immobiliengiganten aus Jülich. Im Dezember 2012 erst hatte er einen Anlegeraufstand gegen sich abwenden können. Die Zeichner der Adlon-Fondsgesellschaft hatten ihn als Geschäftsführer abwählen wollen, weil es über Jahre keine Ausschüttungen gegeben hatte. Doch Jagdfeld gelang es, das Blatt zu wenden, denn die Kempinski-Gruppe hatte ihren Pachtvertrag vorzeitig um 20 Jahre verlängert. Bis 2032 scheint die Zukunft des "Adlon" nun gesichert. Jagdfeld und seine Unternehmungen, das ist durchaus Stoff für den großen Fernsehfilm.

Ebenso seine Frau, die Innenarchitektin Anna Maria Jagdfeld, deren Gefühl für das besonders Teure entscheidende Teile des neuen "Adlon" geprägt hat. Nicht zuletzt durch den exklusiven "China Club" im "Adlon Palais" – Members only –, dessen Salon und Bibliothek sie mit edlen Hölzern und schweren Stoffen eingerichtet hat.

"Adlon" war 2012 zu 79 Prozent ausgelastet

Einen Stasi-Skandal gab es auch. Thomas Klippstein, Direktor seit 2005, musste im September 2006 zugeben, dass er 1988/89 als "IM Benjamin" tätig war und der DDR-Staatssicherheit Informationen geliefert hatte. Klippstein gab daraufhin seinen Posten bei Kempinski auf.

Kurz darauf begann eine schwere Zeit. In der Finanzkrise hatte Kempinski Probleme, Berlin-Besucher für den Luxus zu begeistern. Doch im vergangenen Jahr, unter der Leitung von Direktor Oliver Eller, sah es schon wieder deutlich besser aus: Eine Auslastung von 79 Prozent war zu verbuchen, 179.000 Gäste waren im Hotel, trotz steigender Zimmerpreise und zunehmender Konkurrenz neuer Fünfsternehotels in Berlin. Und die Prognosen für dieses Jahr sind noch hoffnungsvoller.

Direktor Eller auf jeden Fall, der zusammen mit seiner Frau auch im Hotel "Adlon" wohnt, sieht seine Hauptaufgabe in der Diskretion, mit der er die Stars behandelt. Doch natürlich kann auch der beste Manager es nicht verhindern, wenn die Stars und Reichen selbst den Skandal suchen. So wie Michael Jackson, der im November 2002 für eines der berühmtesten Bilder im Zusammenhang mit dem "Adlon Kempinski" sorgte: Um den wartenden Fans seinen jüngsten Sohn Prince Michael II. zu zeigen, hielt er das Baby über eine Fensterbrüstung. Wenig später gestand der King of Pop selbst ein: "Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht."

Angelina Jolie bringt angeblich ihren eigenen Tee mit

Angelina Jolie, mit Brad Pitt ein häufiger Gast im "Adlon", ist da deutlich zurückhaltender. Die Queen, die 2004 im "Adlon" abstieg, soll Gerüchten zufolge sogar ihren eigenen Tee mitgebracht haben.

In einer Fortsetzung über das "Adlon" darf selbstredend die Familie des Gründers nicht fehlen. Die nämlich ist dem neuen Haus verbunden. Genau so, wie sich das Hedda Adlon, die Schwiegertochter des Hotelgründers Lorenz Adlon, nach dem Krieg gewünscht hatte. "Wenn Ost und West wieder zusammengehören, soll das ,Adlon' dort wieder aufgebaut werden, wo ich die glücklichsten Jahre meines Lebens verbracht habe", sagte sie in den 60er-Jahren. Sie hat den Grundstein dafür gelegt, dass der Name Adlon weitergeführt werden konnte, auch wenn das Haus dazu erst neu erschaffen werden musste.

Percy Adlon, Urenkel des Hotelgründers, drehte 1996 den Fernsehfilm "In der glanzvollen Welt des Hotel Adlon". Und sein Sohn, Felix Adlon, feierte vor Kurzem seine Hochzeit im neuen "Adlon". Seinen jüngsten Sohn hat er Lorenz genannt. Adlon oblige.

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