04.01.13

Nach Angriff

Berliner solidarisieren sich mit verletztem Jimmy C.

Nach dem Angriff auf den 40 Jahre alten Kenianer demonstrierten Menschen vor der Diskothek "Q-Dorf" in Charlottenburg.

Foto: dpa

Zeichen: Rund 100 Menschen sind bei der Kundgebung mit ihren Plakaten dabei – trotz des Regenwetters
Zeichen: Rund 100 Menschen sind bei der Kundgebung mit ihren Plakaten dabei – trotz des Regenwetters

Nach dem vermutlich fremdenfeindlichen Angriff auf den 40-jährigen Jimmy C. aus Kenia haben rund 100 Menschen vor der Berliner Diskothek "Q-Dorf" an der Joachimstaler Straße an einer Solidaritätskundgebung teilgenommen.

Die Veranstalter trotzten dem Regen und verkündeten über Lautsprecher ihre Anteilnahme für Jimmy C. und ihren Protest gegen Rassismus in Deutschland. Neben Freunden des Opfers und Anhängern antirassistischer Gruppen besuchten auch mehrere Mitarbeiter des "Q-Dorfs" die Veranstaltung.

Eine von ihnen ist die 20 Jahre alte Samantha Schultz. Sie macht in der Diskothek eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau und hat sich trotz eines freien Tages unter die Menschen gemischt. "Als ich davon gehört habe, war ich schockiert. Wie kann man nur so rücksichtslos sein", sagt sie. Am Abend vor der Kundgebung hat sie ein Schild gebastelt, das sie vor sich herträgt. "Fight Racism" – "Bekämpfe Rassismus", steht darauf.

Wolfgang Brückner ist Pressesprecher der Diskothek, auch er ist vor Ort. Dass einer seiner Mitarbeiter angegriffen wurde, macht ihn wütend: "Unsere Mitarbeiter kommen aus 15 verschiedenen Nationen. Rassismus hat bei uns keinen Platz."

Extra einen Song für Jimmy C. aufgenommen

Zwischen den Kundgebungen spielt laut Musik. Es sind afrikanische Rhythmen, eine Band aus Köln hat extra einen Song für Jimmy C. aufgenommen. Unter den Regenschirmen tanzen die Leute, während am Straßenrand mehrere Polizisten den Aufzug beobachten.

Etwas abseits steht Angelika Zeise. Auch sie hat sich ein selbst gebasteltes Plakat um den Hals gehängt. "Rassisten raus aus unserem schönen Land", hat die 59-Jährige in bunten Buchstaben darauf geschrieben. Als sie die Nachricht von Jimmy C. in den Nachrichten hörte, entschloss sie sich, an der Kundgebung teilzunehmen. "Ich bin so traurig, dass so etwas in unserer Welt noch möglich ist", sagt sie.

Das Opfer Jimmy C. arbeitet seit zwei Jahren als Reinigungskraft im "Q-Dorf". In der Nacht zu Montag putzte er die Toiletten, als ihn gegen 0.50 Uhr plötzlich drei unbekannte Männer in eine Kabine zogen und schlugen. Die Täter sollen ihn auch fremdenfeindlich beschimpft und mit einer abgebrochenen Glasflasche attackiert haben.

Der 40-Jährige erlitt eine Kopfplatzwunde und Stichverletzungen rund um das rechte Auge. Er musste mehrere Tage in einer Klinik behandelt werden.

Der Staatsschutz ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung. Nach Angaben einer Polizeisprecherin konnten die Beamten inzwischen Videoüberwachungsmaterial sicherstellen, das nun ausgewertet werde. Aus der Bevölkerung sei bisher nur ein Hinweis eingegangen, der ebenfalls überprüft werde. Hinweise nimmt die Polizei unter Tel.: (030) 4664-953128 entgegen.

In Biesdorf hat es unterdessen offenbar einen weiteren Fall von Rassismus gegeben. Wie die Polizei bekannt gab, beleidigte dort ein 57-Jähriger zwei 20 und 23 Jahre alte Frauen fremdenfeindlich, die am Freitagmittag an der Eitel- Ecke Oberfeldstraße auf den Bus warteten. Die Polizei nahm den betrunkenen Mann fest.

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