04.01.2013, 10:34

Waldorf Astoria Der Berliner Westen will nicht mehr verstaubt sein

Von Uta Keseling

Waldorf Astoria, Bikini-Haus, Schimmelpfeng-Areal - der Berliner Westen entstaubt sein Image. Doch der Wandel ist nicht überall spürbar.

Das Hotel Waldorf Astoria ist eröffnet, Bikini-Haus und Zoo Palast werden folgen, und auch sonst mehren sich zwischen Kurfürstendamm und Gedächtniskirche edle Adressen und berühmte Namen – sogar das Parken wird teurer. Bisher konnte man hier zum Kleinstadttarif parken, für zwei Euro die Stunde, ab Februar kostet es drei. Bedeutet das nun, dass der "Westen" es endlich geschafft hat, den "Osten" wieder zu überholen?

Einiges spricht dafür. Ähnlich wie Unter den Linden und ab der Friedrichstraße wurden nun auch am Kurfürstendamm Ruinen saniert, die lange leer standen. Das gut 100 Jahre alte Haus Cumberland zum Beispiel. Im Herbst eröffnete darin der Gründer der Modemesse Bread & Butter ein Modegeschäft. Roland Mary, Chef des Restaurants Borchardt am Gendarmenmarkt, bezog nebenan sein neues Lokal. Grosz heißt es, benannt nach dem Berliner Maler George Grosz.

Auch das denkmalgeschützte Bikini-Haus am Zoo, gebaut in den 1950er-Jahren, soll nach seiner Sanierung als edle Einkaufsadresse und "Eventlocation" wiederauferstehen. Samt Terrasse mit Elefanten-Blick und dem berühmten Kino Zoo Palast nebenan. Er soll ab 2014 wieder Veranstaltungsort der Berlinale werden.

Auch auf dem zweiten Bauplatz des einstigen Schimmelpfeng-Hauses beginnt jetzt der Bau. Und hinter dem Bahnhof Zoo wächst ein neues Viertel der großen Fotografie: Nachdem schon 2004 das Museum der Fotografie an der Jebensstraße eröffnete, wird nun die renommierte Galerie C/O Berlin aus Mitte in das denkmalgeschützte Amerika-Haus an der Hardenbergstraße einziehen.

"Schmuddelecken" bleiben

Als Indiz für den Aufschwung im Westen werten viele auch den neuen Apple Store in Berlin. Der Eröffnungstermin ist zwar noch ein Geheimnis, die Location jedoch hat eine große Geschichte – die ehemalige Filmbühne Wien am Kurfürstendamm. All dies werde neues Leben in den alten Westen der Stadt bringen, hofft der Berliner Tourismusverband. Ist der Westen also tatsächlich auf der Überholspur?

Eher nicht. Dagegen sprechen Orte wie der Bahnhof Zoo, degradiert zum Regionalbahnhof, der sein Image aus Zeiten von "Christiane F." so schnell nicht loswerden wird. Die Brache dahinter wird weiterhin von einem Riesenrad erzählen, das es nie gab. Die Sanierung der Gedächtniskirche wird Hütchenspieler und Kleinkünstler zu ihren Füßen nicht vertreiben.

Das Kudamm-Karree wird weiterhin Sanierungsfall sein. Und das neue alte "Café Kranzler" wird, nun ja, weiterhin Beispiel dafür sein, wie ein Stadtviertel im Kampf um die Selbsterhaltung selbst seine bekanntesten Symbole schleift.

Aber das ist auch gut so. Wenn es gut geht, wird dem Kudamm etwas viel Wertvolleres gelingen als nur, eine Kopie des neuen "Ostens" zu werden: Er kann sein Gesicht wahren. Denn eine Stadt ist kein Showroom und kein Museum, sie braucht Paläste ebenso wie Schmuddelecken, neue Ideen ebenso wie Leerräume für Fantasie.

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