03.01.13

Luxushotel

Was das Berliner Waldorf Astoria bietet

Zwischen Rosshaarkissen, goldenen Tapeten und 12.000-Euro-Suite: Die City West hat ein neues Fünf-Sterne-Haus, nach mehrfacher Verschiebung.

Von Alexandra Kilian
Foto: Reto Klar

Herzlich Willkommen! Nach mehr als vier Jahren ist das Fünf-Sterne-Haus am Berliner Zoo endlich eröffnet.

16 Bilder

Zittern kommt nicht in Frage. Vor dem Eingang an der Hardenbergstraße 28 steht ein Mann im Mantel mit goldener Knopfleiste und Zylinder auf dem Kopf und lacht das Grau des Tages einfach weg. Da kann der Regen noch so nass von der Seite in den Säulengang des Hauses peitschen. "Alles ist gut", sagt Doorman Nico Langhanke. Es sei gar nicht so kalt. Außerdem habe er Hose, Hemd, eine Weste, einen Frack und den extra gefütterten Mantel an. Und heute sei ihm das sowieso egal. Schließlich gehe es jetzt endlich los. Er grinst – und weist mit der Hand Richtung Glastür hinter sich: "Herzlich Willkommen im Waldorf Astoria Berlin."

Nach mehr als vier Jahren Bauzeit und einem Jahr mit mehrfach verschobenen Eröffnungsterminen – der Investor hatte angeblich immer Neues zu beanstanden – hat General Manager Friedrich Niemann das Waldorf Astoria Berlin am Donnerstag offiziell eröffnet. "Ich habe länger darauf gewartet als Sie", sagte er der geladenen Presse im 330 Quadratmeter großen Ballsaal des Hauses. Mit 232 Zimmern und Suiten, 1000 Quadratmeter großem Spa-Bereich im fünften Stock, Tagungs- und Veranstaltungsräumen für bis zu 700 Personen und der höchst gelegenen Präsidentensuite der Stadt muss es sich ab sofort gegen rund 30 Konkurrenten in der Berliner Fünf-Sterne-Kategorie durchsetzen. In unmittelbarer Nachbarschaft hat Hotel Palace-Direktor Michael Frenzel in den vergangenen zwei Jahren kräftig renoviert und modernisiert – neben dem Zoo bietet General Manager Robert Herr mit dem Intercontinental Hotel die feste Adresse für Staatsgäste. Und obwohl die Touristenzahlen stetig steigen: Die durchschnittliche Belegung der Luxushäuser liegt selten über 70 Prozent.

Der Probebetrieb läuft bereits seit September vergangenen Jahres, inoffiziell, so heißt es, seien schon seit 28. Dezember 300 Gäste im Haus. Auch Silvester habe man schon im Hotel gefeiert, so Niemann. Vor dem heutigen Tag sei er dennoch ehrfürchtig gewesen. Er habe seinen Mitarbeitern noch am Mittwochabend eine Mail geschickt und an das Jahr 1969 erinnert, an Neil Armstrong auf dem Mond, erzählt Friedrich Niemann. "Ein kleiner Schritt für ihn, aber ein großer für die Menschheit", sei das gewesen. Angst vor den ersten Starttagen habe er nicht. "Jetzt bin ich einfach nur glücklich", sagt Niemann. Das kann er wohl auch, hat er doch Partnerschaften mit der Mercedes-Benz Fashion Week in der kommenden Woche sowie mit der Berlinale im nächsten Monat abgeschlossen. Und so den Konkurrenten wie Hotel de Rome, Brandenburger Hof, Ritz-Carlton und Grand Hyatt Hotel am Potsdamer Platz gezeigt, dass mit dem Waldorf zu rechnen ist. Was kann das Hotel, was andere nicht können?

Das Buch-Büffet

Schon ein Blick in die Nachttischschublade verrät: Das Waldorf Astoria Berlin ist nicht wie jedes andere Hotel. Normalerweise findet sich dort eine Bibel. In dem 31 Stockwerke hohen Hotel hingegen gibt es ein ganzes Buch-Büffet. Der Gast kann zwischen dem Dhammapada des Buddhismus, der Bhagavadgita des Hinduismus, dem Koran des Islam, der Thora des jüdischen Glaubens, den Analekten des Konfuzius, dem Tao te king des Laotse und, selbstverständlich, der Bibel wählen. Zu bestellen beim Housekeeping. Wem das nicht reicht, der findet in der Executive Lounge, der Bibliothek im 15. Stock, rund 1000 Bücher. Auch im Romanischen Café stehen Bücherregale zwischen Tischen und Tresen.

Das Kissen-Menü

Wem das Buch-Büffet nicht schmeckt, der findet vielleicht Geschmack am "Kissen-Menü". Eine Art Speisekarte in der Nachttischschublade. "Wählen Sie Ihr Waldorf Astoria Traumkopfkissen aus", steht darauf geschrieben. Es folgen sieben verschiedene Varianten: Das Antiallergie-Kopfkissen, das Federkissen in fester oder weicher Ausführung, das Keilkissen, das Kirschkernkissen, das Rosshaarkissen und natürlich auch die Nackenrolle.

Die Kurven der 20er

Florale Muster auf tiefen Teppichen, eine Wendeltreppe mit weißen Marmorstufen, knallrote Barhocker mit goldenen Füßen: Die Inneneinrichtung des Waldorf Astoria ist nichts für Menschen, für die weniger mehr ist. Sie stammt von der Pariser Agentur Inter-Art-Études, die seit 1965 französische Eleganz in die internationale Luxushotelbranche exportiert. So ist das Waldorf Astoria Berlin – das nach Rom, London, Paris und Edinburgh mittlerweile fünfte Haus in Europa – geprägt vom Art-déco-Stil der 1920er- und 1930er-Jahre. Aus den Zimmern leuchten starke Farben mit roten Vorhängen und Tagesdecken, silbrig schimmerndes Grau von den Wänden, sattes Braun aus den Eichenholzregalen und glänzender Portoro Marmor in schwarz, creme und grau mit Goldfaserung von Böden, Fluren, Decken und Tischen. Sessel, Stühle und Sofas gibt es in allen Formen und Farben, bedeckt mit Samtkissen in grau, mint und flieder. Auch Gold glänzt überall. Zum Beispiel am Bronzetor der verspiegelten Wand in der Lobby, welches an die Fassade des New Yorker Stammhauses erinnern soll.

Der Preis

"Deluxe" – das ist hier die Einstiegskategorie. Zimmer mit Einzel- oder Doppel-Kingsize-Betten und 42 Quadratmetern Größe, einem in den Badezimmerspiegel integrierten Fernseher, Chaise Lounge, Esstisch und eigener Nespresso-Kapselmaschine gibt es hier in der dritten bis 15. Etage ab 210 Euro pro Nacht. Ohne Frühstück, das kostet 35 Euro extra. Für 50 Euro mehr ist der "Stadtblick" zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu haben. Weiter geht es mit den King Bed Junior Suiten ab 335 Euro sowie den jeweils 62 Quadratmeter großen King Corner Suiten mit 180-Grad-Blick aus den Etagen 22 bis 30, für je 410 Euro pro Nacht. Die Preise der Präsidentensuite sind nicht offiziell, werden aber auf 12.000 Euro pro Nacht geschätzt. Wer möchte, kann aber auch nur auf einen Latte Macchiatto vorbeikommen, für 6,50 Euro.

Die Präsidentensuite

Ein Fingerdruck auf den Touchscreen des Fahrstuhls, auf die "31". Nach kurzer Fahrt öffnet sich die Tür. Cremefarbener Marmor, mit in Glas gefassten goldenen Buchstaben auf Augenhöhe, verkündet: Sie sind in der "Presidential Suite" angekommen. Dawin Köfgen aus Köln, 19 Jahre alter Auszubildender, führt durch den 280 Quadratmeter großen Bereich. Der Marmor sei von den Designern selbst in Minen in Italien ausgesucht worden, sagt er. Und die Türen zum Wohnbereich, Sicherheitsstufe drei, die seien mit Rochenleder bespannt. Von altersschwachen Tieren, das mit dem Naturschutz sei natürlich geklärt. Innen warten ein Bechstein-Flügel, ein Konferenz- und ein Esstisch mit Stühlen, sechs Sesseln, drei Sofas und die Panorama-Fensterfront auf den Gast. Links geht es in ein kleines Schlafzimmer mit Bad, einen Arbeitsbereich und – kein Witz – den "Panic Room". Rechts vom Wohnbereich liegen die Privatgemächer: Nach dem begehbaren Kleiderschrank mit Fenster führt der Weg ins Bad mit Whirlpool und Balkon. Und in das rundum verglaste Schlafzimmer. Vor dem Einschlafen geht der Blick des Präsidenten – nach Wilmersdorf.

Der Sternekoch

Pierre Gagnaire. Der Name des französischen Sternekochs liegt seit Monaten über der Stadt. Seit bekannt wurde, dass Pierre Gagnaire das kulinarische Konzept für das Gourmetrestaurant des Waldorf Astoria liefern wird. Mit seinen Restaurants auf der ganzen Welt, angefangen beim Drei-Sterne-Restaurant Pierre Gagnaire in Paris, dem Colette in Saint Tropez, dem Reflets in Dubai, dem Les Menus in Moskau bis zum Sketch in London, dem Twist in Las Vegas und dem Pierre in Hongkong, hat er mittlerweile elf Michelin-Sterne gesammelt. Angeblich wirkt der 61-jährige Franzose bereits seit vergangenem Frühjahr hinter den Türen im ersten Stock. Gesehen worden soll er auch bei einem exklusiven Presse-Lunch vor zwei Wochen sein – am Donnerstag war Gagnaire allerdings nicht anwesend. Nächste Woche soll er aber kommen, heißt es. Bis dahin halten sein Team aus Restaurantleiter Vedad Hadziabdic, Berliner Maître des Jahres 2009 und zuvor sowohl in der Quadriga im Brandenburger Hof als auch im Bayrischen Haus in Potsdam tätig, 17 Servicemitarbeiter und zwölf Köche die Stellung.

Die heimlichen Untermieter

Nicht jeder, der durch das Waldorf Astoria läuft, ist ein Gast. Einige sind auch Mieter. Vom 16. bis zum 21. Stock gibt es keine Zimmer – nur Büros. Eine Anwaltskanzlei habe sich bereits eingemietet, so der Direktor, noch gebe es aber freie Flächen.

Die Berliner Kunst

Ein Hochformat, rechteckig, darauf schwarze Tinte auf weiß, in Klecksen, mal stärker, mal blasser. Formen und Farben passen, dennoch ist die Kunst wohl der einzige Stilbruch: Auf dem Passepartout steht rechts unten, ganz klein, ein Name. Diana Sprenger, 2011. Mehr als 900 Kunstwerke kommen von der benachbarten Universität der Künste. Studierende, Lehrende, Meisterschüler, Ehemalige und Professoren haben Werke angefertigt – exklusiv für das Haus, versteht sich.

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