03.01.13

Auszeichnung

Diskuswerfer Robert Harting ist Berliner des Jahres

Der Athlet holte bei den Olympischen Spielen Gold. Berliner Morgenpost und 104.6 RTL ehren Harting jetzt mit einem besonderen Preis.

Von Sebastian Arlt
Foto: dapd

Robert Harting ist seit den Olympischen Spielen weltweit bekannt. Er gewann in London Gold im Diskurswerfen. In Deutschland zählt er damit zu den erfolgreichsten und bekanntesten Leichtathleten. Die Berliner Morgenpost und 104.6 RTL ehren den Sportler jetzt mit einem besonderen Preis. Er ist der Berliner des Jahres 2012.

9 Bilder

Auf Fotohandys ist Robert Harting gar nicht gut zu sprechen. "Ich verfluche diese Dinger", sagt er und lacht dabei. Früher, als noch nicht fast jeder mit einem solchen Ding ausgerüstet gewesen sei, habe es noch die klassischen Autogramme gegeben – und gut war"s. "Heute machen fast alle Fotos." Und wollen am liebsten gemeinsame Schnappschüsse haben mit dem Mann, der spätestens seit seinem Olympiagold im Diskuswerfen der breiten Öffentlichkeit ein Begriff ist.

Zuletzt waren andere Bilder in den Jahresrückblicken noch einmal präsent: Robert Harting vom SC Charlottenburg, wie er den zwei Kilogramm schweren Diskus bei den Olympischen Spielen in London am weitesten wirft. Wie er mit einem martialischen Schrei nach dem Sieg sein Trikot zerreißt. Und wie der 28-Jährige schließlich auf der Ehrenrunde erstaunlich stilecht über die im Weg stehenden Hürden läuft.

In Deutschland ist der gebürtige Cottbuser, der seit 13 Jahren in Berlin lebt, inzwischen der erfolgreichste und bekannteste Leichtathlet. Nicht nur das, er ist einer der Sportstars überhaupt. Sicher war er vielen schon vor seinem olympischen Goldwurf bekannt, denn Harting war bereits zweimal Welt- und einmal Europameister geworden. Doch seit London steht er im hellen Rampenlicht. Mit ihm bangten am Abend des 7. August 2012 zehn Millionen Fernsehzuschauer, das war die höchste Einschaltquote während der Spiele. Da musste sich sogar der jamaikanische Sprintsuperstar Usain Bolt geschlagen geben. Bei dessen 100-Meter-Lauf waren nur acht Millionen dabei.

Lust und Last der Popularität

Auf die Frage, was den Menschen wohl mehr in Erinnerung geblieben sei, sein Goldwurf oder der anschließende Hürdenlauf, muss Harting erst einmal überlegen: "Ich denke, das Verhältnis liegt bei 50 zu 50." Heute hört er beim Einkaufen im Supermarkt schon mal einen Spruch wie: "Jetzt aber nicht über die Kasse springen!"

Natürlich fällt einer wie er auf: Ein Kerl wie ein Baum, 2,01 Meter groß, knapp 130 Kilogramm schwer. Seit er nach Olympia in fast jeder Talkshow war, erkennen ihn auch Menschen, die mit Sport gar nichts im Sinn haben. Die Wahl zum "Berliner des Jahres" durch die Morgenpost und 104.6 RTL ist der krönende Abschluss von Ehrungen für Harting. So wurde er in Baden-Baden als Deutschlands "Sportler der Jahres" ausgezeichnet, dabei hat er sogar Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel abgehängt. In Berlin war er bei der Sportlerwahl auch vorn. Der Titel "Berliner des Jahres" bedeute ihm aber sehr viel, sagte Harting am Mittwoch. "Boah! Ich bin mega überrascht. Das ist ein Traum. Schon immer wollte ich für die Berliner das sein, was sie für mich sind, nämlich ein Symbol der Emotionen und des Anfassbaren. Einfach toll. Die Konkurrenz war auch nicht ohne. Mann, Mann, cool."

Robert Harting macht keinen Hehl daraus, dass die Popularität für ihn Lust, aber ebenso Last ist. Er weiß, dass Präsenz in der Öffentlichkeit auch in Bezug auf Sponsoren wichtig ist und neue Partner anlockt. Doch inzwischen hat er im Privatleben das Gefühl, dauernd beobachtet zu werden. Zum Beispiel, wenn er mit seiner Freundin, der Berliner Diskuswerferin Julia Fischer, unterwegs ist. Durch die gestiegene Bekanntheit "habe ich ein Stück Freiheit verloren". Dennoch versuche er, "so zu sein, wie ich bin. Das schätzen die Leute schließlich auch an mir."

Harting, der ein Loft in Weißensee bewohnt, macht im Anzug ebenso eine gute Figur wie in durchlöcherten Jeans; er benötigt Maßanfertigungen. "Körper und Kopf sind auch nicht von der Stange", stellt er zu Recht fest.

Der Bad Boy der Leichtathletik

"Der Harting", wie er sich auf seiner Internetseite selbst tituliert, ist eine Marke. Ist dazu geworden, hat sie entwickelt, wie er sich selbst entwickelt hat. Er schwärmt von seinem Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste. Es hat ihm eine neue Welt erschlossen. Über Jahre galt er als Bad Boy der deutschen Leichtathletik. Er eckte oft an, weil er zu schnell unbedachte Sätze abfeuerte und sich dann wunderte, welch verheerende Wirkung seine Worte als die einer öffentlichen Person hatte. Ob es nun gegen DDR-Dopingopfer ging oder gegen den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV).

Heute handelt der Sportsoldat überlegter, ein kritischer Geist ist er trotzdem geblieben. Er polarisiert. Das gefällt nicht jedem. "Ich werde mich nicht verstellen", lautet sein Credo. Anpassen kommt für ihn nicht infrage. Bei der Gala in Baden-Baden sprach er mit Genugtuung davon, "dass keiner aus der vom Kapital getragenen Sportart Formel 1" gewonnen habe.

Nach seinem Olympiasieg hat sich Harting über die Medien ein Scharmützel mit Thomas Bach geliefert, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes. Die Sportförderung sei alles andere als optimal, schimpfte der Diskusriese und folgerte: "Wer mit Bananen zahlt, wird Affen kriegen." Da hat es ordentlich gerumst. Aber es ging ihm um die Sache.

Hinter dem nach außen scheinbar harten Kerl verbirgt sich jedoch ein sensibler Mensch, der viel grübelt. Er stellt höchste Ansprüche an sich. Zufriedenheit? Ganz schwer herzustellen für einen, der ein Stückweit auch ein Getriebener ist.

Gefahr des Burnouts

Er wandelt auf einem schmalen Grat. Vor einem Jahr stand er kurz vor einem Burnout: Allen habe er es Recht machen wollen. "An mich habe ich zuletzt gedacht. Irgendwann bist du dann kaputt." Hinzu kamen Verletzungssorgen und private Probleme. Er holte sich professionelle psychologische Hilfe. Und auch heute, gibt er zu, fresse ihn der notorische Zeitmangel manchmal fast auf – Training, Uni, Termine, Privatleben müssen unter einen Hut gebracht werden. Aber das alles trägt er nicht nach außen. Nur selten lässt er in sein Innerstes blicken.

Bei der Berliner Sportlerehrung erlebte man einen nachdenklichen Robert Harting. Im Gespräch mit der Siegerin, der blinden Schwimmerin Daniela Schulte, hatte er erfahren, wie schwer es für die Paralympics-Siegerin ist, ihren Sport zu finanzieren. Auf der Bühne stehend sagte Harting: "Wenn ich das höre, schäme ich mich fast, dass ich das Sportfördersystem kritisiert habe." Jetzt will er seine komplette Olympiaausrüstung, die er bei der Einkleidung bekommen und einen Wert von 12.000 Euro hat, versteigern. Der Erlös soll an Daniela Schulte und ihr Team gehen. Da zeigt sich wahre Größe.

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