03.01.13

Exklusiv

Jeder zehnte Berliner kann Bestattung nicht bezahlen

Das Berliner Sozialamt gibt rund drei Millionen Euro jährlich für Bestattungen aus. Immer mehr Berliner können die Beerdigung nicht bezahlen

Von Jens Anker
Foto: dpa

30.000 Menschen sterben jährlich in Berlin.
30.000 Menschen sterben jährlich in Berlin.

In Berlin erhalten jährlich 3000 Menschen eine Sozial-Bestattung, weil die Verstorbenen entweder über nicht ausreichend Vermögen verfügen oder die Angehörigen nicht in der Lage sind, die Kosten zu bestreiten. Damit liegt der Anteil der Sozial-Bestattungen in Berlin im Vergleich zur Gesamtbevölkerung mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Das geht aus einer Analyse der Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge hervor.

Sozialbestattung kostet 750 Euro

Insgesamt zahlt das Berliner Sozialamt rund drei Millionen Euro jährlich für die Bestattung von Mittellosen. Eine Sozialbestattung kostet rund 750 Euro. Dazu kommen noch Friedhofs- und Krematoriumsgebühren. "Damit ist eine schlichte, aber würdevolle Bestattung möglich", sagt die Sprecherin der Berliner Senatssozialverwaltung, Regina Kneiding.

Im Gegensatz zu anderen Kommunen plant Berlin keine Anhebung der Bestattungsgebühren. Nach Angaben des Bestattungsverbandes hat die Stadt Hagen in Nordrhein-Westfalen die Gebühren von 520 Euro auf 1780 Euro angehoben, in Dortmund betragen sie bereits 2350 Euro. "Viele Kommunen nutzen die Bestattungsgebühren, um ihre Einnahmen zu erhöhen", sagte Verbandschef Fabian Schaaf. Er fordert stattdessen ein bundesweit einheitliches Leistungssystem für Sozial-Bestattungen. "Wie soll man jemandem plausibel erklären, dass eine Sozial-Bestattung in Dresden anders ausfällt als in Berlin, weil in beiden Städten unterschiedliche Standards gelten", sagt Schaaf. Er schlägt vor, einheitliche Leistungskriterien vorzuschreiben. Die Kommunen könnten dann Kostenhöchstgrenzen festlegen. "Es ist wichtig für die Trauerarbeit, Abschied zu nehmen, das sollte nicht durch die Kassenlage der Kommunen vorgegeben werden", sagt Schaaf.

Sehr niedrige Bestattungskosten in der Hauptstadt

Die Bestattungskosten variieren in Deutschland sehr stark. "Sie liegen grundsätzlich in Ost-Deutschland unter dem West-Niveau, in Berlin sind sie noch einmal niedriger", sagt der Pressesprecher der Berlin-Brandenburgischen Bestatter-Innung, Fabian Lenzen. Er erwartet künftig einen Anstieg der Sozial-Bestattungen für Berlin. "Durch den steigenden Anteil an Pflegebedürftigen wird oft bestehendes Vermögen aufgebraucht", so dass nicht ausreichend Geld für das Begräbnis übrig bleibt, so Lenzen.

Nach dem Wegfall des Sterbegeldes der Krankenkassen im Jahr 2004 ist die Zahl der Sozial-Bestattungen bundesweit stark gestiegen. Auch in Berlin. Seit mehreren Jahren sind die Zahlen jedoch stabil. Nach Angaben der Sozialverwaltung betrug die Zahl der Sozial-Bestattungen vor sechs Jahren 2562, 2010 waren es 2637. Dazu kommen noch einmal mehrere Hundert sogenannte ordnungsbehördliche Begräbnisse. Dabei handelt es sich um Bestattungen Verstorbener, bei denen weder Vermögen vorhanden ist, noch Angehörige ausfindig gemacht werden können. Diese Bestattungen werden von Gesundheitsämtern in den Bezirken vorgenommen. Allerdings versuchen die Behörden auch nach der Bestattung, Angehörige ausfindig zu machen, die für die Kosten des Begräbnisses im Nachhinein aufkommen.

In Berlin sterben nach Angaben des Statistischen Landesamtes jährlich 30.000 Menschen. Jeder Zehnte davon verfügt über nicht ausreichend Geld, die Bestattung aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Die meisten Menschen (12.000) sterben nach Erkrankungen des Kreislaufsystems.

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