02.01.13

Schwaben-Streit

Thierse will Sommerurlaub im Ländle machen

Seine Äußerung in einem Morgenpost-Interview hatte hohe Wellen geschlagen. Wolfgang Thierse ist erschrocken über die Humorlosigkeit.

Foto: dpa

Ein Kehrwochen-Schild hängt am 1.1.2013 in einem Treppenhaus in Stuttgart (Baden-Württemberg). Thierse dazu: „Ich wünsche mir, dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche.“
Ein Kehrwochen-Schild hängt am 1.1.2013 in einem Treppenhaus in Stuttgart (Baden-Württemberg). Thierse dazu: "Ich wünsche mir, dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche."

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat nach seiner Schwaben-Lästerei ein Friedensangebot unterbreitet. "Wie schon im Vorjahr werde ich im Sommer wieder Urlaub in Baden-Württemberg machen", sagte der 69-Jährige den "Stuttgarter Nachrichten". Und mehr noch: Der Genosse kann sich "gut vorstellen, in Tübingen, Freiburg oder Konstanz zu leben".

Die Reaktionen auf sein Interview mit der Berliner Morgenpost, in dem er die in Berlin wohnenden Schwaben aufforderte, sich besser zu integrieren, hätten ihn überrascht. "Die Heftigkeit der Beschimpfungen in E-Mails, aber auch öffentlich von den Herren Oettinger und Niebel, das erschreckt mich schon", gesteht Thierse. "Ich wusste nicht, dass Schwaben so humorlos sein können." Dabei habe er mit seinen Spitzen keine Kritik "an fleißigen Schwaben geübt". Er habe sich lediglich darüber geärgert, "dass die Schwaben erwarten, dass es in Berlin so ordentlich zugeht wie in Schwaben".

Integrationsministerin Öney kann Debatte nicht nachvollziehen

Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) kann die Debatte um die vermeintliche Schwaben-Plage in Berlin nicht nachvollziehen. "In Berlin gilt der Grundsatz des Alten Fritz': Jeder soll nach seiner Fasson selig werden", sagte die 42-jährige Ministerin am Mittwoch in Stuttgart. Öney, die in der Türkei geboren wurde, wohnte seit ihrem dritten Lebensjahr in Berlin, bevor sie 2011 ins Schwabenland wechselte.

Die Weltmetropole Berlin ziehe viele Menschen an, "auch viele Binnenmigranten innerhalb Deutschlands". Die Berliner seien gut auf diese Vielfalt eingestellt. Wenn Schwaben nicht "Schrippe" sondern "Wecken" sagten, sei das für sie kein Drama. "Im Gegenteil: Der Berliner würde locker reagieren und sagen: 'Davon jeht die Welt ooch nich unter'", sagte Öney und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Obwohl es korrekterweise natürlich "Brötchen" heißen muss."

Thierse hatte auch gesagt: "Ich ärgere mich, wenn ich beim Bäcker erfahre, dass es keine Schrippen gibt, sondern Wecken. In Berlin sagt man Schrippen – daran könnten sich selbst Schwaben gewöhnen."

CDU nennt Thierses Kritik "totalen Stuss"

Für die baden-württembergische CDU ist die Kritik von Thierse "totaler Stuss". "Herr Thierse versucht, ein billiges Hintertürchen zu nehmen, indem er sich jetzt mit 'Humor' herausreden will", sagte CDU-Landeschef Thomas Strobl. Der SPD-Mann habe wohl bemerkt, dass er sich verrannt hat. "So ganz ernst sollte man solches Geschwätz eh nicht nehmen", meinte Strobl, der als Bundestagsabgeordneter selbst viel Zeit in Berlin verbringt.

Er erinnerte Thierse aber daran, "dass Multikulti mit dem Respekt vor den eigenen Landsleuten beginnt". Und mit Blick auf die Milliarden-Zahlungen der Baden-Württemberger in den Länderfinanzausgleich ergänzte Strobl: "Es sollte nicht ganz vergessen werden, welch grenzenlose Solidarität gerade Berlin über Jahrzehnte erfahren hat."

Mit etwas mehr Humor reagierte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke: "Wir machen ein Toleranzabkommen mit Thierse: Er akzeptiert, dass die Schwaben Kehrwochen abhalten und die Schwaben, dass er Friseure meidet", twitterte er auf Twitter. Dort nahm auch der Grünen-Politiker Alexander Bonde die auffällige Gesichtsbehaarung aufs Korn. "Mal ehrlich, der Humor von Thierse hat schon lang so nen Bart", schrieb der baden-württembergische Verbraucherminister.

Quelle: BM
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Nerven die Schwaben oder nicht? Nerven die Schwaben in Berlin oder sind sie eine Bereicherung?

  • 29%

    Ja, die Schwaben nerven. Sie sollten sich besser an die Berliner Verhältnisse und Sprache anpassen.

  • 33%

    Nein, Berlin kann die Schwaben gut gebrauchen. Sie sind eine Bereicherung für die Hauptstadt.

  • 5%

    Natürlich nerven sie nicht. Ich bin selber Schwabe und lebe in Berlin.

  • 33%

    Das ist mir egal, jeder soll nach seiner Fasson selig werden.

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