02.01.13

DDR-Geschichte

Berliner Ex-Stasi-Gefängnis meldet Besucherrekord

Das Interesse an der Staatssicherheit der DDR und ihrer Opfer ist ungebrochen. Noch nie kamen so viele Menschen nach Hohenschönhausen.

Foto: dapd

Seit Gründung der Gedenkstätte im Jahr 1994 haben rund 2,6 Millionen Menschen das einstige zentrale Stasi-Gefängnis besichtigt
Seit Gründung der Gedenkstätte im Jahr 1994 haben rund 2,6 Millionen Menschen das einstige zentrale Stasi-Gefängnis besichtigt

Die Gedenkstätte für Stasiopfer in Berlin-Hohenschönhausen ist 2012 von so vielen Gästen besucht worden wie noch nie. Rund 351.000 Menschen hätten sich die ehemalige Untersuchungshaftanstalt der DDR-Staatssicherheit angeschaut, teilte die Gedenkstätte am Mittwoch in Berlin mit. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Plus von etwa 10.000 Besuchern.

Die meisten Interessenten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Knapp die Hälfte der registrierten Besucher seien Jugendliche gewesen. Bei den ausländischen Gästen lagen Dänemark, Norwegen und die Niederlande an der Spitze.

Seit Gründung der Gedenkstätte im Jahr 1994 sei die Zahl der Besucher kontinuierlich gestiegen, hieß es weiter. Insgesamt hätten bisher rund 2,6 Millionen Menschen das einstige zentrale Stasi-Gefängnis besichtigt.

Die Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen gilt als einer der wichtigsten Erinnerungsorte für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland. Gebäude und Einrichtung der früheren Stasi-Untersuchungshaftanstalt sind fast unversehrt erhalten geblieben. Die Besucher werden in der Regel von ehemaligen Häftlingen durch das Gelände geführt. Die Anlage vermittelt daher ein sehr authentisches Bild des Haftregimes in der DDR.

Auch Interesse an Stasi-Akten ist ungebrochen

Mehr als 22 Jahre nach dem Ende der DDR lässt auch das Interesse an den Akten der früheren Staatssicherheit nicht nach. Wie die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf Angaben der Stasi-Unterlagen-Behörde berichtete, war die Zahl der Anträge auf Akteneinsicht 2012 sogar höher als im Vorjahr. Bis Ende November hätten 84.743 Bürger entsprechende Anträge gestellt, zitierte das Blatt Behördensprecherin Dagmar Hovestädt. Im gesamten Jahr 2011 waren es demnach 80.611 Anträge.

Auch die Zahl der Stasi-Überprüfungen von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes ging deutlich nach oben. Hier gab es dem Bericht zufolge bis November 311 Auskunftsersuchen, im Gesamtjahr 2011 dagegen nur 210. Die Möglichkeit zu Stasi-Überprüfungen im öffentlichen Dienst war Ende vergangenen Jahres kurz vor deren Auslaufen um noch einmal acht Jahre bis Ende 2019 verlängert worden.

Der Vorsitzende des Vereins DDR-Opfer-Hilfe, Ronald Lässig, forderte als Reaktion auf die neuen Zahlen eine personelle und finanzielle Aufstockung der Stasi-Unterlagenbehörde. "Die Aufarbeitung der SED-Diktatur ist alles andere als abgeschlossen", erklärte er in Berlin. Die Zunahme bei den Anfragen begründete er auch damit, dass seit 2012 Angehörige von Verstorbenen leichter Akteneinsicht nehmen können.

Quelle: EPD/AFP/sei
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