02.01.13

Exklusiv

Wowereit soll Personalnotstand zur "Chefsache" machen

Die Beschäftigten des Landes Berlin fordern mehr Personal in den Ämtern. Auch der Regierende Bürgermeister sei gefordert, heißt es.

Foto: dpa

Notstand: Klaus Wowereit soll die Personalsituation zur Chefsache machen
Notstand: Klaus Wowereit soll die Personalsituation zur Chefsache machen

Die Vertreter der 120.000 Beschäftigten des Landes Berlin haben den Senat zu deutlich mehr Anstrengungen ermahnt, um dem drohenden Personalnotstand in Ämtern und Institutionen entgegen zu wirken. Der Ende Dezember 2012 wieder gewählte Vorsitzende des Hauptpersonalrates, Klaus Schroeder, forderte den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf, die Personalentwicklung zur Chefsache zu machen.

"Es muss eine führende Figur für die Themen Personal und Verwaltungsmodernisierung geben", sagte Schroeder. Das könne der Regierende Bürgermeister selbst sein, oder der Regierungschef müsse diese Aufgabe delegieren, etwa an eine zentrale Personalagentur.

Das sei notwendig, um in der Diskussion frei von Einzelinteressen der jeweiligen Ressorts und Dienststellen agieren zu können und im Sinne des Ganzen zu handeln. "Wir haben Herrn Wowereit darauf hingewiesen, dass es einen deutlichen Stillstand in der Personalentwicklung gibt", sagte Schroeder.

Die bisher zuständigen Ressorts von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) und Innensenator Frank Henkel (CDU) haben die Personalvertreter zu oft als gegeneinander arbeitend erlebt. Bei einer Arbeitstagung habe es "deutliche Streitereien" zwischen den Staatssekretären beider Häuser gegeben, erinnert sich der Hauptpersonalratsvorsitzende: "Das ist nicht glücklich."

Bezirksämter sollen 30 Prozent des Personals verlieren

Innensenator Henkel kann die Kritik nicht nachvollziehen "Den Vorwurf des Stillstands lasse ich nicht gelten", sagte Henkel.

"Dieser Senat hat es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Frühjahr ein Personalentwicklungskonzept zu erarbeiten. Das ist auch dringend notwendig, damit die Berliner Verwaltung leistungsfähig bleibt. Dazu zählen vor allem auch Neueinstellungen." Es sei, so Henkel, kein Geheimnis, dass bis 2018 knapp 30.000 Beschäftigte altersbedingt aus der Verwaltung ausscheiden werden.

Der Druck ist groß, angesichts der vielen ausscheidenden Mitarbeiter Berlins den öffentlichen Dienst zukunftsfähig zu machen. Die zwölf Bezirksämter mit derzeit noch 23.500 Voll- und Teilzeitbeschäftigten werden bis 2016 jährlich 1000 Leute verlieren und dann nur noch 70 Prozent des derzeitigen Personals haben, rechnet der Personalrat vor.

In den Hauptverwaltungen und nachgeordneten Behörden mit noch 90.000 Mitarbeitern würden im selben Zeitraum allein altersbedingt 3500 Kollegen pro Jahr ausscheiden, 2016 seien dann nur noch 73 des heutigen Personals da. Schon mit dem Doppelhaushalt 2014/2015, für den jetzt die Beratungen beginnen, werde Berlin unter die bisher politisch als Personaluntergrenze genannten 100.000 Vollzeit-Mitarbeiter rutschen.

7000 Schüler und Studenten ohne Geld

Dass sich die Senatsressorts auf diese Entwicklung eingestellt haben, kann Schroeder nicht erkennen. "Es ist zweifelhaft, ob in allen Dienststellen Personalentwicklungspläne vorliegen", sagte der oberste Beschäftigtenvertreter. Der Personalmangel sei schon jetzt in vielen Bereichen eklatant, sagte Schroeder. Bei Lehrern, Feuerwehr und Polizei sei "eindeutig zu spät" reagiert worden.

Zuletzt hatte Berlins Feuerwehr-Chef Wilfried Gräfling vor einem drohenden Personalnotstand gewarnt. Dienststellen wie das Bafög-Amt in Charlottenburg-Wilmersdorf, das die Hälfte der Berliner Antragsteller betreut, mussten wegen Arbeitsüberlastung geschlossen werden, 7000 Schüler und Studenten sitzen ohne Geld da.

Die Gewerkschaft Verdi teilt die Sorge der Personalräte. Bisher sei nicht erkennbar, dass die politisch Verantwortlichen rechtzeitig für Fachkräfte-Nachwuchs sorgen, sagte die stellvertretende Landesbezirksleiterin Astrid Westhoff.

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