01.01.13

Kriminalität

Einbrecher rasen mit Auto in Berliner Ikea-Filiale

Unbekannte sind in der Silvesternacht in eine Filiale der Möbelhauskette in Tempelhof eingebrochen. Sie plünderten den Geldautomaten.

Foto: Steffen Pletl
Einbruch
In der Neujahrsnacht sind bislang unbekannte Täter in den Ikea-Markt am Sachsendamm in Berlin-Tempelhof eingebrochen. Dort haben sie einen im Kassenbereich aufgestellten Geldautomaten aus der Verankerung gerissen

Die Serie von offenbar genau geplanten Diebstählen von Geldautomaten reißt in Berlin nicht ab: Nachdem bereits am 31. Dezember 2012 ein komplettes Gerät in Haselhorst gestohlen worden war, rasten Unbekannte am Neujahrstag mit einem Auto in die Ikea-Filiale Tempelhof und erbeuteten Bargeld.

Ein Fachkommissariat des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen. Bislang gibt es aber keine Hinweise auf die Täter.

Gegen 0.50 Uhr fuhren die Unbekannten am 1. Januar 2013 mit einem Opel Corsa in den Vorraum des Möbelhauses am Sachsendamm, sie rammten den Geldautomaten und erbeuteten anschließend das Wertfach. Wenig später entkamen sie mit einem Transporter, den sie offenbar vor der Tat in der Nähe geparkt hatten. Über die genaue Schadenssumme wurden zunächst keine Angaben gemacht. Den Opel ließen sie am Tatort zurück.

Erste Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, dass der Wagen am 21. November 2012 in Neukölln gestohlen worden war. Nach Informationen dieser Zeitung wird die Ikea-Filiale videoüberwacht, demnach soll die Polizei die Bänder der Tatzeit gesichert und zur Auswertung an das Landeskriminalamt übergeben haben. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Einem Ermittler zufolge haben sich die Täter gut auf ihren Coup vorbereitet. "Von daher ist davon auszugehen, dass sie sich maskiert haben, um einer Identifizierung zu entgehen. Wir werden in diesem Punkt also nicht sonderlich viel zu erwarten haben."

Spektakuläre Raubzüge

Der zweite Fall hatte sich laut Polizei bereits einen Tag zuvor in Haselhorst ereignet. Eine Angestellte des Einkaufszentrums an der Straße Am Juliusturm bemerkte gegen 4.30 Uhr den Diebstahl eines Geldautomaten und rief die Polizei. Nach bisherigen Erkenntnissen haben die Täter den im Vorraum der Passage stehenden Automaten demontiert, um ihn anschließend wegzuschaffen. Wie und womit die Diebe den Automaten abtransportierten, ist Gegenstand der Ermittlungen. Auch in diesem Punkt setzt die Polizei auf die Videoaufzeichnungen.

Beamte hatten schon am 19. Dezember befürchtet, dass das "Tatwerkzeug Auto" nun immer häufiger eingesetzt werden könnte. Damals hatten ebenfalls bislang Unbekannte bei einem spektakulären Einbruch in Steglitz mehrere Mobiltelefone erbeutet. Der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma hatte gegen 3.15 Uhr beobachtet, wie etwa sechs bis acht maskierte Männer die Tür zum Hintereingang eines Elektronikmarktes an der Treitschkestraße aufhebelten und dann mit einem Renault Twingo das dahinter befindliche Sicherheitsgitter durchbrachen. Mit Hämmern zerschlugen sie in kürzester Zeit die Glasvitrinen im Verkaufsraum und entnahmen mehrere Prepaid-Handys und Smartphones.

Es wird vermutet, dass diese Geräte für Drogengeschäfte genutzt werden sollen. Mit ihrer Beute flüchteten die Unbekannten in zwei hochwertigen Wagen der Marke Audi in Richtung Schildhornstraße. Den Renault Twingo sowie das gesamte Einbruchswerkzeug ließen sie zurück. Laut Polizeisprecher Michael Merkle wird geprüft, ob diese bislang unbekannte Gruppe auch für den Einbruch bei Ikea verantwortlich ist.

Nicht der einzige Fall dieser Art: Bereits am 18. Dezember waren Unbekannte mit einem BMW an der Pablo-Neruda-Straße in Köpenick in ein Einkaufszentrum eingedrungen und anschließend in ein Schmuckgeschäft gefahren. Die Täter flüchteten mit Brillanten und Gold. Kostbare Uhren ließen sie zurück – diese sind mit Nummer registriert.

Nach Einschätzung eines Ermittlers der Polizei werden auf diese Weise begangene Einbrüche in Zukunft noch zunehmen. "Diese Leute sind keine Ersttäter. Bei der Professionalität ihres Vorgehens müssen wir davon ausgehen, dass sie organisiert operieren. Bislang wurden wenige Spuren gesichert, die Hinweise zu diesen Gruppierungen erbracht haben."

Dem Beamten zufolge sei es aber unwahrscheinlich, dass sich solche Taten auch am Tage zutragen könnten. "Zu diesen Zeiten sind zu viele Menschen in Geschäften und auf den Straßen davor unterwegs, die verletzt werden könnten. Die Täter riskieren schon Verfahren wegen Autodiebstahls und schweren Einbruchs, eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung – eventuell sogar mit Todesfolge – wollen sie natürlich vermeiden, um im Falle einer Festnahme nicht noch höhere Haftstrafen zu bekommen."

Nach dem Einbruch Feuer gelegt

Auch in Neukölln haben sich Täter in der vergangenen Nacht an einem Geldautomaten zu schaffen gemacht. Anschließend legten sie Feuer. Ein Passant bemerkte Flammen in einem leer stehenden Geschäft an der Karl-Marx-Straße und rief die Feuerwehr. Die Löschversuche eines Mannes mittels Feuerlöscher blieben erfolglos. Erste Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, dass sich die Täter über den zurzeit unvermieteten Laden, der sich in einem Gewerbeobjekt befindet, Zugang zu einem separaten Raum des Gebäudes verschafft haben. Dort befindet sich der Geldautomat. Sie hantierten vermutlich mit Werkzeugen an dem Automaten herum und beschädigten ihn. Ob die Einbrecher Geld erbeuten konnten, ist Gegenstand der Ermittlungen, die das Fachkommissariat des Landeskriminalamtes übernommen hat.

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