31.12.12

Jauch-Kandidat

Wie viel Troschke von den 125.000 Euro noch übrig hat

Durch seinen Auftritt bei "Wer wird Millionär?" wurde der 23-jährige Kioskbesitzer bundesweit bekannt. Dadurch veränderte sich sein Leben.

Foto: Reto Klar
Hochgearbeitet: Aaron Troschke liebt es, in seinem Backshop in Weißensee die Leute zu bedienen
Hochgearbeitet: Aaron Troschke liebt es, in seinem Backshop in Weißensee die Leute zu bedienen

Mit 18 Jahren hat er sich drei Mal bei Viva beworben und wurde jedes Mal abgelehnt. Aus der Traum vom Fernsehstar. Man könnte die Flinte ins Korn werfen und, sagen wir, Bäcker werden. Aaron Troschke verkauft schließlich Brötchen. Aber der Berliner hatte einen langen Atem, gute Laune und gute Nerven, so ist er mit 23 Jahren doch noch groß rausgekommen im TV.

"Am 10.September hat sich alles gedreht. Von da an lief es nur noch super, das Jahr 2012", sagt Troschke. Er sitzt am frühen Morgen ganz entspannt in blauen Sportschuhen, blauen Jeans und blauem Wollpulli in seinem "Back & Snack"-Geschäft in Weißensee, streckt sich und fragt: "Noch"n Kaffee?"

125.000 Euro bei Günther Jauch gewonnen

An jenem 10. September saß Troschke das erste Mal bei Günther Jauch auf dem Stuhl, bei einer Aufzeichnung für die RTL-Ratesendung "Wer wird Millionär?". Der junge Berliner kannte genug Antworten, um 125.000 Euro zu gewinnen. Eine Summe, die sein Leben leichter gemacht, aber nicht wesentlich verändert hat. Davon abgesehen, dass sein Traum wahr wurde.

Sei es nun "Wer wird Millionär?" oder "Das Supertalent", "Markus Lanz" und "Wetten, dass ..?", Troschke war mehrmals bei Jauch, bei Lanz, bei Bohlen & Hunziker – er hat die großen Unterhaltungsformate von RTL und ZDF durch. Troschke war Gast, Backstage-Reporter und Einheizer. Die Starentertainer können froh sein über die Quasselstrippe aus der Großstadt. Troschke kontert schlagfertig, plaudert uneitel, ist um keinen Spruch verlegen. Er redet mit Jauch und Lanz so unbefangen wie mit einem Bundespolizisten vom Flughafen Tegel oder wie mit Ex-Alki Harry. Letztere kaufen regelmäßig bei Troschke ihre Schrippen. "Am Ende ist das ganze Ding mit dem Fernsehen auch nur ein Job", kommentiert Troschke. Und Jobs hatte er schon viele.

Aaron Troschke - der Verkäufer

Angefangen mit der Ausbildung zum Masseur und Medizinischen Bademeister. Aarons zwei größere Brüder arbeiten in dem Beruf. Doch ihm liegt er nicht, mit 16 Jahren bricht Aaron ab und jobbt in einer Kaufhalle. Dort gibt es "Differenzen". "Ich habe mit einem Kumpel geklaut, wir sind rausgeflogen." Noch am selben Tag sieht er bei einem Pizzabäcker das Schild "Aushilfe gesucht" und hilft sofort aus.

"Doch mein Orientierungssinn ist schlecht." Troschke liefert viele Pizzen so spät, dass Kunden die Annahme verweigern. "Ich musste manchmal mehrere Fuhren am Tag aus eigener Tasche bezahlen." Als er beim Tanken wieder ein "Aushilfe gesucht"-Schild sieht, stellt er sich vor und wechselt zu Shell, lernt Einzelhandelskaufmann. Noch in der Lehre wirbt ein Kunde ihn ab. "Er sagte, ich würde ihm alles Mögliche verkaufen, ich solle bei ihm im Geschäft anfangen."

Troschke ist ein guter Verkäufer, er zieht keinen über den Tisch. Und er bleibt sich treu, weil er wieder wechselt, beim inzwischen vierten Mal von Sprit zu Maßanzügen, zur Firma Gladius. Nach der Lehre geht er zu einem Online-Anbieter, denkt, "es wäre leichter, Anzüge für 300 statt für 800 Euro zu verkaufen". Doch die Schneider aus Thailand liefern oft falsche Maße oder zu spät. Die Kunden sind unzufrieden.

Troschke hat genug und beschließt, sich selbstständig zu machen. Im Herbst 2011 steht die Finanzierung: Eine Bank gibt ihm einen Kredit, sein Bruder Markus leiht ihm Geld. Aaron Troschke kauft Freunden den "Back & Snack"-Kiosk an der Langhansstraße ab und übernimmt zum 1. November nahtlos das Geschäft. Markus Troschke macht den Einkauf, Aaron steht hinter der Theke. "Ich kann gut mit den Kunden, ich mag Menschen, und es fällt mir immer etwas ein zum Reden." Inzwischen – dank Jauch und 125.000 Euro – gehört der Laden nur noch den zwei Troschke-Brüdern, die Bank ist raus.

Im Weihnachtsmannkostüm zu den Neffen

Und Aaron ist der alte geblieben. Spielt jeden Donnerstag mit 20 Kumpels Fußball. Gibt den Weihnachtsmann für Kinder von Freunden und seine Neffen.

Verwerfungen hat das große Geld nicht gebracht – seltsame Anrufe schon. Ein Fremder forderte von Troschke Urlaubsgeld, eine Frau erbat eine Existenzgründerhilfe. Inzwischen hat er seinen Namen von der Klingel entfernt. Ausgezogen ist er nicht. "Ich habe immer hier im Kiez gelebt." Der Erfolg hat ihm mehr als 25.000 "Gefällt mir"-Angaben auf Facebook beschert – einige Mädchen wollen ihn treffen. Aaron hat kaum Zeit. Er ist Single.

Busladungen von Fans vor dem Kiosk

Nach den Fernsehauftritten stürzten Busladungen voller Kunden ins Geschäft; manche eigens angereist. "Geblieben sind vielleicht zehn bis 15 als neue Stammkunden. Das ist okay so." Dann trat eine Seniorin zu ihm hinter den Tresen. "Ich dachte: 'Mein Gott, ein Überfall." Doch sie hat mich umarmt und sich so für mich gefreut." Das freute ihn wiederum sehr.

Inzwischen hat Troschke eine zweite Mitarbeiterin eingestellt. Trotzdem arbeitet er weiter im Betrieb. "Die Neujahrsschicht haben wir ganz fair unter uns ausgelost." Er grinst: Sein Name wurde nicht gezogen, am 1. Januar hat er frei. Danach geht es weiter, im Laden und beim Fernsehen. Für Vox hat er eine Probesendung gemacht mit Auswanderern. Troschke hat nun eine "Beraterin", Regine Eichhorn – sie managte Britta Steffen und Franziska van Almsick, vor allem aber ist sie eine alte Freundin seiner Mutter.

Troschke hat viele Angebote, besucht manches, aber nicht jedes Casting. Er macht nur mit, wenn die Chemie stimmt. So wie bei 105,5 Spreeradio. "Die Leute waren von Anfang an super unkompliziert." Mit Moderatorin Sabine Beck versteht Troschke sich "bestens". Er ist ab 8.Januar wieder täglich in ihrer Sendung zu hören. Seine Pläne für 2013 sind bescheiden: "Gesund bleiben wäre super. Und Spaß haben."

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