28.12.12

Postbank-Überfall

Geiselnehmer wollte auf akute Wohnungsnot hinweisen

Hans Peter G. war seit September obdachlos. Die Wohnung des 68-Jährigen war zwangsgeräumt worden. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen.

Foto: Steffen Pletl

Festnahme: Der 68-jährige Hans-Peter G. am Donnerstag umringt von Polizisten
Festnahme: Der 68-jährige Hans-Peter G. am Donnerstag umringt von Polizisten

Einen Tag nach seinem Überfall ist am Freitagabend auch gegen den zweiten der beiden jüngsten Berliner Bank-Geiselnehmer Haftbefehl erlassen worden. Der Vorwurf lautet auf Freiheitsberaubung wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth, am Abend sagte.

Auch das Motiv des 68-Jährigen scheint aufgeklärt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost wollte der seit gut einem Vierteljahr obdachlose Mann offenbar auf seine Wohnungsnot hinweisen. Die Wohnung von Hans-Peter G. in Niederschöneweide war im September dieses Jahres zwangsgeräumt worden, sagten Nachbarn. Die Polizei bestätigte nur, der Mann wollte auf seine schwierige Lebenssituation aufmerksam machen.

Geiselnehmer nicht geistig verwirrt

Zunächst sei der psychische Zustand des Mannes unklar gewesen, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Deshalb war anfangs fraglich, ob die Staatsanwaltschaft betragen würde, den Mann in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses einzuweisen oder einen Haftbefehl zu erlassen. Nach seiner Ausnüchterung sei aber deutlich geworden, dass er nicht geistig verwirrt ist.

Wie berichtet, hatte der 68-Jährige am Donnerstag gegen 13.20 Uhr das Geldinstitut betreten und einen 49 Jahre alten Kundenberater der Bank an der Joachimsthaler Straße mit einer Waffe bedroht. Jedoch hatte der Mann nicht etwa Geld verlangt, sondern zwei Flaschen Bier sowie das Erscheinen eines Fernsehteams. Bei der Tatwaffe habe es sich um eine Gas- oder Schreckschusswaffe gehandelt, so die Polizeisprecher. Allerdings sei noch nicht abschließend geklärt, ob der Mann Umbauten an der Pistole vorgenommen hatte, sodass sie möglicherweise doch mit scharfer Munition bestückt war. Bis auf den Bankangestellten konnten die übrigen Mitarbeiter und die Kunden die Postbank unversehrt verlassen.

SEK beendet Geiselnahme nach 50 Minuten

Die Polizei war zunächst von einer Geiselnahme ausgegangen, wie erst vor einer Woche in der Deutschen Bank in Zehlendorf. Doch nur etwa 50 Minuten nach der Alarmierung war es einem Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei gelungen, den völlig überraschten Geiselnehmer zu überwältigen und festzunehmen. Hans-Peter G. war bei dem Zugriff leicht an der Lippe verletzt und vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht worden. Später wurde der 68-Jährige von Kriminalbeamten vernommen. Hans-Peter G. hatte während der Tat zum Teil einen verwirrten Eindruck gemacht. Er wird sich nun unter anderem wegen Freiheitsberaubung und Bedrohung verantworten müssen. Das gesetzliche vorgesehene Strafmaß dafür reicht von fünf bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe.

Erst vor einer Woche hatte der aus Wolfsburg stammende 29-jährige Klaus D. eine Deutsche Bank in Zehlendorf überfallen und einen Angestellten als Geisel genommen. Außerdem hatte er gedroht, das Gebäude zu sprengen. Nach fast zehn Stunden konnte ihn die Polizei davon überzeugen, aufzugeben und seine Geisel freizulassen. Am Freitag wurde D.s Wohnung in Wolfsburg von der Polizei durchsucht. Die Ermittler prüfen, ob der 29-Jährige auch hinter zwei ungeklärten Banküberfällen in Wolfsburg stehen könnte, so die Staatsanwaltschaft.

Quelle: Peter Oldenburger und Steffen Pletl
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