28.12.12

Exklusiv

Berliner Feuerwehr steht vor dem Personalkollaps

15.000 Einsätze mehr als 2011 und nur 3600 Helfer: Landesbranddirektor Gräfing schlägt Alarm. Er fordert bis zu 200 neue Mitarbeiter.

Von Christina Brüning
Foto: picture alliance / J.W.Alker

Personalnot: Berlins Landesbranddirektor Gräfling schlägt Alarm. Er fordert 150 bis 200 neue Feuerwehrleute
Personalnot: Berlins Landesbranddirektor Gräfling schlägt Alarm. Er fordert 150 bis 200 neue Feuerwehrleute

Die Berliner Feuerwehr steuert 2012 einen neuen Rekordeinsatz an. "Wir werden auch in diesem Jahr wieder einen neuen Rekord haben, gut 15.000 Einsätze mehr als im Vorjahr", sagte Landesbranddirektor Wilfried Gräfling der Berliner Morgenpost. "Gerade im Notfallrettungsdienst gehen die Einsatzzahlen kontinuierlich nach oben." Insgesamt werden die 3600 Berliner Feuerwehrmänner Ende des Jahres rund 372.000 Notfall-Einsätze gefahren haben – mehr als 1000 Einsätze pro Tag.

Die Vielzahl der Einsätze führt nach Angaben des Berliner Feuerwehrchefs zu Personalengpässen. "In der Brandbekämpfung, wo die Einsatzzahlen stagnieren, ist das Personalproblem nicht so groß, beim Rettungsdienst schon", sagte Gräfling. "Wir errechnen dort einen Mehrbedarf von 150 bis 200 Stellen, damit wir zukünftig gut 20 zusätzliche Rettungswagen besetzen können."

Mehr Einsätze nach Bevölkerungszuwachs und Überalterung

Als Gründe für den steigenden Einsatz- und Personalbedarf sieht Gräfling einerseits den Bevölkerungszuwachs in Berlin, andererseits die Überalterung der Gesellschaft. Ältere Menschen riefen häufiger die Feuerwehr als jüngere, so der Landesbranddirektor. Allein durch Ausbildung könne die Feuerwehr den Personalmangel nicht ausgleichen.

"Im Moment stellen wir jedes Jahr 80 bis 100 Kräfte neu ein und decken damit die Altersfluktuation gerade ab. Wir wissen aber, dass in den nächsten Jahren geburtenstarke Jahrgänge in Ruhestand gehen." An der Berufsschule der Feuerwehr könnten außerdem höchstens 120 Nachwuchskräfte ausgebildet werden. "Eigentlich müssten wir jetzt anfangen, mehr auszubilden als wir derzeit brauchen, um einen Personalmangel in ein paar Jahren zu verhindern – andere Bundesländer machen das bereits," sagte Gräfling.

Verbesserungsbedarf bei Ausrückzeiten

Verbesserungsbedarf sieht Gräfling auch bei der Verkürzung der Zeiten, bis die Feuerwehr am Einsatzort ist. Die Zielvereinbarung mit dem Senat sieht vor, dass die Einsatzwagen in 75 Prozent der Fälle innerhalb von acht Minuten nach dem Notruf eintreffen müssen. Tatsächlich liegt die Zahl mit 44 Prozent deutlich darunter. "Wir haben die Räume, von denen ausgerückt wird, näher an die Fahrzeughalle heran gebracht", sagte Gräfling.

Bei der Einrichtung neuer Stützpunkte orientiere sich die Feuerwehr nun an örtlichen Besonderheiten, zum Beispiel an der Altersstruktur in bestimmten Wohngebieten. "Im Nordosten der Stadt haben wir einige Stellen identifiziert, wo es noch nicht so gut klappt. Wartenberg oder Hellersdorf zum Beispiel", sagte der Berliner Feuerwehr-Chef.

1400 Feuerwehrleute zu Silvester im Einsatz

Für die Silvesternacht sieht sich die Feuerwehr dagegen gut vorbereitet. 1400 Mitarbeiter werden in der Nacht zu Dienstag im Einsatz sein. "In den letzten Jahren ist Gott sei Dank nichts unerwartet Großes passiert, aber vorbereitet müssen wir natürlich auf alles sein", sagte der Landesbranddirektor.

Auch in diesem Jahr warnt die Feuerwehr vor dem Abbrennen illegaler Böller. Im vergangenen Jahr habe es keine außergewöhnlichen Unfälle mit den neuen Böllern aus Polen gegeben. "Das ist gut, aber man muss auch die Wetterlage letztes Jahr bedenken", warnte Gräfling. "Es fing kurz nach 0 Uhr zu regnen an und wurde kalt und ungemütlich." Bei Regen gingen die Menschen schnell wieder ins Haus und die Böller auf der Straße würden nass. Das wünscht sich Gräfling auch für dieses Jahr. "Am besten ist Schneeregen bei knapp über null Grad, damit es nicht glatt ist und keiner stürzt. Dann haben wir die wenigsten Einsätze", sagte der Feuerwehrchef.

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