27.12.12

Senatsplan

Berliner Kleingärten sollen Wohnungen weichen

Für mehr bezahlbare Wohnungen könnten innerstädtische Parzellen aufgegeben werden, meint Bausenator Müller. Die Kleingärtner sind entsetzt.

Foto: dpa/DPA

Kleingärtner sollen zugunsten von Wohnungen auf ihre Parzellen verzichten
Kleingärtner sollen zugunsten von Wohnungen auf ihre Parzellen verzichten

Für günstigen Wohnraum in Berlin müssen nach Ansicht von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) auch Kleingärten und Grünanlagen weichen. Bei der derzeitigen Bevölkerungsentwicklung seien neue Wohnungen dringend nötig, sagte der Politiker. "Es wird möglicherweise Wiesen in der Innenstadt geben oder auch eine Kleingartenanlage mit 30 Parzellen, von denen wir sagen, wir brauchen den Platz für Wohnungen." Da seien Auseinandersetzungen zu erwarten, die die Politik aber aushalten müsse.

Berlin habe für eine Großstadt sehr viel Grün, betonte Müller. "Deswegen kann man auch Diskussionen um Baulücken und kleinere Grünflächen führen." Mit der großen Parklandschaft in Tempelhof, dem Park am Gleisdreieck, dem Südgelände in Schöneberg, dem Tiergarten und großen Flächen hinter dem Hauptbahnhof gibt es große Flächen auch in der Innenstadt, die Berlin teilweise noch ausbaut.

Kleingärtner reagieren mit Fassungslosigkeit

Berliner Kleingärtner reagierten "fassungslos" auf diese Idee von Müller. Zugleich forderten sie den Senator auf, über "wirklich intelligente Lösungen für bezahlbaren innerstädtischen Wohnungsbau nachzudenken", heißt es in einer Mitteilung des Landesverbandes der Gartenfreunde vom Mittwochabend. Der Verband kündigte an, sich dagegen zu wehren, "dass die Grünflächen der Stadt zu Spekulationsobjekten für weltweit enttäuschte Immobilienanleger und Miethaie werden."

Berlin habe laut Flächennutzungsplan ein Potenzial für rund 90.000 neue Wohnungen, das nach und nach erschlossen werde. Die jährlich 6000 Wohnungen, die der rot-schwarze Senat anpeile, seien ein Mindestanspruch. Es sei abzusehen, dass Berlin in den nächsten Jahren noch mehr brauche.

Großsiedlungen in der Innenstadt, wie sie Wohnungsunternehmen vorgeschlagen hatte, schließt Müller aber aus. "Wir werden mit Sicherheit in der Stadt keine neuen Großsiedlungen bauen, aber man kann in bestehenden Siedlungen Bestände erweitern", sagte er.

International erlebt die Großsiedlung derzeit eine Renaissance. Solche Siedlungen seien solange unproblematisch, wie es ein soziales Umfeld und entsprechende Infrastruktur gebe und würden von vielen Bewohnern durchaus sehr geschätzt.

Quelle: dpa/sei
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