27.12.12

Traurige Bilanz

Hunde und Katzen zum Fest der Liebe in Berlin ausgesetzt

Es ist eine traurige Tradition: Alljährlich am zweiten Weihnachtsfeiertag zieht das Tierheim Berlin Bilanz. Es geht immer um Fundtiere.

Von Tanja Laninger
Foto: dpa

Dieser Mischling saß am 22. Dezember 2012 vor einem Supermarkt in Berlin-Lichtenberg an der Siegfriedstraße. Er wurde einfach zurückgelassen
Dieser Mischling saß am 22. Dezember 2012 vor einem Supermarkt in Berlin-Lichtenberg an der Siegfriedstraße. Er wurde einfach zurückgelassen

"Ausgerechnet zum Fest der Liebe verdoppelt sich die Zahl der ausgesetzten Tiere. Dieses Weihnachten waren es 16", sagt Beate Kaminski vom Tierschutzverein für Berlin, der das Tierheim betreibt. Gewöhnlich würden sechs bis acht Tiere pro Tag ausgesetzt. Bis zum Morgen des 26. Dezember 2012 waren es zehn Hunde, fünf Katzen und ein Kleintier.

Anstatt die Tiere direkt im Tierheim abzugeben - was Gebühren von 60 bis 115 Euro für einen Hund und 20 bis 65 Euro für eine Katze kostet -, werden sie unter einer Brücke oder an einem Mülleimer angebunden und in Parks oder nahe Supermärkten abgestellt. Zwar gilt das Aussetzen von Tieren als Straftat, die mit hohen Geldsummen geahndet werden kann. "Doch viele Anzeigen verlaufen im Sande", sagt Kaminski.

Welpe liegen gelassen wie eine Tüte Müll

So kommen sie wohl ungeschoren davon, die unbekannten Ex-Tierhalter, die ihren etwa drei Wochen alten Welpen in einem Fahrstuhl in Hohenschönhausen liegen ließen wie eine Tüte Müll. Der Hund zittert, seine Augen sind vor Eiter verklebt, und als Kaminski ihn für die Fotografen auf eine rot-weiß gemusterte Decke setzt, hat er Schwierigkeiten, auf die kurzen Beine zu kommen. Dann sucht er nach seiner Mutter. "Wir wissen nicht, ob er überlebt", sagt Kaminski leise. Tagsüber ist der Hund in der Vermittlungsstelle Struppi untergebracht, zur Nacht nimmt Tierpflegerin Annette Trölschke ihn zum Aufpäppeln mit nach Hause.

Momentan beherbergt die Einrichtung in Falkenberg mehr als 1500 Tiere. Darunter sind 310 Hunde, 67 Kleintiere und 182 Vögel. Bevor Fundtiere auf die Vermittlungsstation kommen, bleiben sie einige Tage in der Amtlichen Tiersammelstelle, die zum Land Berlin gehört und dem Bezirksamt Lichtenberg angegliedert ist.

Drei Katzen in einem Pappkarton ausgesetzt

Ein Beispiel sind die drei Katzen, die der Hund einer Spaziergängerin im Schillerpark in Wedding erschnüffelte - in einem zugeklebten Pappkarton. Es sind Trikolore-Katzen, also dreifarbige Tiere. "Sie gelten als Glückskatzen", sagt Kaminski. So sieht Glück also aus: Die Tiere sind verstört, haben Durchfall und Katzenschnupfen - aber sie haben überlebt. Ausgesetzt wurden sie am 22. Dezember. "Vor Weihnachten machen die Leute Platz für neue Geschenke", sagt Britta Flick bitter. Sie arbeitet seit Jahren in der Sammelstelle und weiß, was als Nächstes passiert. "Nach Weihnachten tritt eine Phase der Ruhe ein. Die nächste Welle der Abstoßung kommt im Januar mit Schulbeginn auf uns zu - wenn die Eltern merken, dass die Tiere nicht zu ihren Kindern passen."

Fast 600 Katzen leben momentan im Tierheim. "Ihre Situation sieht besonders dramatisch aus", sagt Kaminski. Deshalb hofft der Tierschutzverein, dass Schützlinge vermittelt werden können und auch Tiere, die einfach nur ausgebüxt sind, von ihren Haltern abgeholt werden. So wie Schäferhund Gonzo. Der Diensthund war im Einsatz weggerannt, wie Herrchen Mario Lindenborn kopfschüttelnd erzählt.

Das Tierheim ist an Silvester und Neujahr geschlossen. Ab 2013 gelten neue Zeiten: Montags ist Ruhetag, dienstags bis sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Multimedia
Festtagsbilanz

Diese Tiere wurden in Berlin ausgesetzt

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
"The Interview" Sonys Nordkorea-Satire kommt in den Giftschrank
"Foodini" Hier kommen Lebensmittel aus dem 3D-Drucker
Australien Video zeigt letzte Sekunden des Sydney-Geiseldrama…
Sebastian Edathy "Filme zu bestellen war falsch, aber legal�…
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Test

So gut sind die neuen Kompaktkameras

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote