23.12.12

Überfall auf Bank

Berliner Geiselnehmer war naiv und überfordert

Der Polizei war früh klar, dass es sich um einen unprofessionellen Täter handelt. So stieg die Chance, dass er sich zum Aufgeben überreden lässt.

Foto: dpa

Der Angeklagte Thomas D. auf der Anklagebank im Kriminalgericht Moabit in Berlin. Der 30-Jährige soll im Dezember 2012 in einer Filiale der Deutschen Bank einen Mitarbeiter als Geisel genommen haben.

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Der Berliner Bank-Geiselnehmer hat sich offenbar durch finanzielle Sorgen zu seiner Tat hinreißen lassen. Der 29-Jährige habe in ersten Vernehmungen von Schulden berichtet, sagte Polizei-Einsatzleiter Jochen Sindberg in Berlin. Der Tatverdächtige Thomas D. lebt in Wolfsburg, hält sich aber häufig in Berlin auf. Der Russlanddeutsche soll ehemaliger Bundeswehrsoldat mit Afghanistan-Erfahrung sein.

Aus den Gesprächen mit dem aus Wolfsburg stammenden Mann habe sich das Bild eines Täters ergeben, der sich naiv und ohne gründliche Vorbereitung an die Tat machte und mit der Situation überfordert war.

"Er hat sich vorher nicht so richtig viele Gedanken gemacht", sagte Sindberg. Bei den stundenlangen Verhandlungen mit dem Täter sei klar geworden, "dass er selbst mit der Situation nicht ganz glücklich war". Dem Täter sei wohl selbst nicht klar gewesen, wie er aus der Situation wieder herauskomme: "Konkrete Vorstellungen schien er da nicht zu haben."

Der Wolfsburger hatte am Freitagnachmittag eine Filiale der Deutschen Bank in Berlin-Zehlendorf überfallen und einen 40 Jahre alten Angestellten als Geisel genommen. Die Polizei schickte rund 300 Einsatzkräfte zum Tatort. In der Nacht ließ der Täter die Geisel frei und ergab sich.

Lesen Sie auch: Die dramatischen Stunden der Geiselnahme im Ticker-Protokoll

Dem Tatverdächtigen drohen bis zu 15 Jahre Haft

Thomas D. drohen bis zu 15 Jahre Haft. Dem Mann werde erpresserischer Menschenraub vorgeworfen, sagte eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft. Gegen ihn wurde am Samstagabend Haftbefehl erlassen.

Im Verlauf der mehr als zehnstündigen Geiselnahme waren die Geldforderungen des Täters laut Polizei ständig gestiegen – von zunächst 100.000 Euro auf eine halbe Million Euro bis auf eine Million Euro. Außerdem verlangte er einen Fluchtwagen.

Seinen Forderungen verlieh er Nachdruck mit der Drohung, eine Bombe zu zünden. Die angebliche Bombe entpuppte sich schließlich als drei Kilogramm Mehl. Außerdem hatte der Täter eine Schreckschusspistole dabei. Dennoch habe man den Täter "in seiner Gefährlichkeit nicht unterschätzen" dürfen.

In der Vernehmung am Sonnabend habe sich der 29-Jährige "geständig gezeigt", sagte Oberstaatsanwalt Jörg Raupach. Er habe den Bankangestellten "sehr anständig" behandelt und mehrmals betont, ihm nichts antun zu wollen.

Der Polizei war laut Einsatzleitung früh klar, dass sie es mit einem unprofessionellen Täter zu tun hatte, der sich durch intensives Verhandeln zum Aufgeben überreden lassen könnte.

Das persönliche Vorleben habe eine wichtige Rolle in den Gesprächen der Polizeiexperten mit dem Täter während der Geiselnahme gespielt, sagte der Einsatzleiter. Dabei habe der Täter auch von Erlebnissen als Soldat berichtet. Die Angaben müssten aber noch überprüft werden.

Mit der Tat "eine besondere Art der Kreditaufnahme" im Sinn gehabt

Als der Täter die Filiale mit der Schreckschusspistole betrat und die Herausgabe von 100.000 Euro verlangte, habe der Schalterangestellte entgegnet, er müsse sich erst mit seinem Filialleiter besprechen, sagte Sindberg. Der Täter habe dieses Telefonat zugelassen – woraufhin der Filialleiter sofort die Polizei informierte und die anderen Bankangestellten in Sicherheit bringen ließ.

Auf die Frage, ob der Täter naiv vorgegangen sei, erwiderte der Einsatzleiter: "Ein bisschen in diese Richtung würde ich es schon sagen." Der Täter habe mit seiner Tat offenbar "eine besondere Art der Kreditaufnahme" im Sinn gehabt. Bereits am Donnerstag war der Mann mit Überfallabsicht in die Filiale gekommen. "Da ist ihm offenbar die Lust vergangen und er hat"s am nächsten Tag gemacht", sagte Sindberg.

Schließlich sei er am Freitag mit einer blauen Sporttasche in die Bank zurückgekehrt und habe behauptet, darin befinde sich eine Bombe. "Er hatte dabei offenbar die Vorstellung, dass sein Drohpotenzial zügig dazu führt, dass er bedient wird", berichtete der Ermittler.

Der als Geisel genommene Bankangestellte sei "relativ gefasst und stabil" und werde psychologisch betreut, teilte die Polizei mit. Der Täter habe ihn gut behandelt. Allerdings sei "nun nicht der Zeitpunkt zu sagen, es geht ihm wieder bombig", sagte Sindberg.

Quelle: AFP/dpa/sei
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