22.12.12

Banküberfall

Berliner Geiselnehmer geständig - Haftbefehl erlassen

Das Geiseldrama in der Zehlendorfer Bank ist nach fast zehn Stunden unblutig zu Ende gegangen. Die "Bombe" entpuppte sich als Mehl.

Foto: dapd

Angst und Schrecken in Berlin-Zehlendorf: Ein Mann hat drei Tage vor Heiligabend eine Bankfiliale überfallen und einen Angestellten als Geisel genommen.

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Nach der unblutig beendeten Geiselnahme in einer Filiale der Deutschen Bank in Berlin ist Haftbefehl gegen den Täter erlassen worden. Dies entschied am Samstagabend ein Haftrichter, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth, mit. Der 29-Jährige habe die Tat gestanden, sagte Oberstaatsanwalt Jörg Raupach. Ermittelt wird gegen ihn wegen erpresserischen Menschenraubs, worauf fünf bis 15 Jahre Gefängnis stehen.

Der Täter hatte am Freitagnachmittag bei einem Banküberfall im Berliner Stadtteil Zehlendorf einen 40 Jahre alten Bankangestellten in seine Gewalt gebracht. Erst nach langen Verhandlungen mit der Polizei ließ er gegen 1.30 Uhr am frühen Samstag sein Opfer frei und ließ sich dann widerstandslos festnehmen. Die Bombe, mit der er gedroht hatte, das Bankgebäude zu sprengen, entpuppte sich als drei Kilogramm Mehl. Die Waffe, mit der er die Angestellten der Bank bedroht hatte, erwies sich als Luftruckpistole

Schulden offensichtlich Motiv für den Banküberfall

Der 29-Jährige kommt aus Wolfsburg in Niedersachsen, hielt sich aber häufig in Berlin auf. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, behauptet der Mann, Bundeswehrsoldat gewesen zu sein. Während des Überfalls am Freitag soll er auch über Afghanistan gesprochen haben. Ermittler konnten allerdings bis jetzt nicht bestätigen, dass er wirklich an einem Auslandseinsatz der Bundeswehr teilgenommen hat.

Lesen Sie auch: Die dramatischen Stunden der Geiselnahme im Ticker-Protokoll

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler waren Schulden das Motiv für den Banküberfall. Ursprünglich wollte der Täter schon am Tag zuvor zuschlagen. Er ging in die Filiale der Deutschen Bank an der Potsdamer Straße nahe der Ecke zum Teltower Damm mit dem Vorwand, ein Konto eröffnen zu wollen. Dort wurde auf den nächsten Tag vertröstet. Am Freitag kam dann der 29-Jährige dann wieder und bedrohte den Kundenberater.

Zunächst 100.000 Euro verlangt, dann eine Million

Dabei attestiert die Polizei dem Täter eine "gewisse Naivität". So verlangte er zunächst 100.000 Euro und drohte dabei mir der Detonation einer Bombe. Als der Berater daraufhin erklärte, er müsse mit seinem Filialleiter sprechen, ließ er ihn gewähren. Der Leiter konnte nach dem Telefonat schließlich die Polizei alarmieren. Als erste Kräfte anrückten, nahm der Täter den Bankangestellten als Giese und erhöhte die Forderung auf dann 500.000 Euro, wenig später dann auf eine Million.

Zwei anderen Angestellten der Bank war es noch gelungen, durch einen Seiteneingang aus der Filiale zu flüchten. 20 weitere Mitarbeiter des Geldinstituts befanden sich zum Zeitpunkt des Überfalls in der oberen Etage und wurden von dem Täter nicht bemerkt. Sie konnten das Gebäude ebenfalls verlassen. Kunden befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Bank.

Die alarmierten Polizeibeamten sperrten den Bereich rund um das Bankgebäude großräumig ab. Somit war der Ortskern von Zehlendorf nicht mehr erreichbar. Schwerbewaffnete Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) mit Helmen und schusssicheren Westen sicherten die unmittelbare Umgebung der Filiale. Auch Diensthunde und Techniker kamen zum Einsatz. Rund 300 Beamte waren bei dem Einsatz vor Ort. Spezialkräfte nahmen schließlich Kontakt zu dem Geiselnehmer auf. Es begann ein fast zehnstündiger Verhandlungsmarathon.

Geisel "sehr anständig" behandelt

Laut Polizei signalisierte der Täter dabei frühzeitig, wonach er mit der Entwicklung der Situation "auch nicht zufrieden gewesen sei und an einer vernünftigen Lösung Interesse habe". In den Verhandlungen mit der Polizei habe der 29-Jährige viel über sich erzählt und wollte wohl auch immer wieder um Verständnis für sich werben. Die Geisel sei "sehr anständig" behandelt worden, sagte Einsatzleiter Jochen Sindberg. Er habe stets betont, dass er dem Mann nichts antun wolle.

Der Angestellte der Bank wurde nach Ende der Geiselnhahme sofort von einem Notarzt behandelt und psychologisch betreut. Anschließend durchsuchten Kriminaltechniker die Bank an der Potsdamer Straße, um zu prüfen, welche Waffen der Mann bei dem Überfall bei sich gehabt hatte oder ob wirklich Sprengstoff in dem Gebäude deponiert wurde.

Ein Polizeisprecher hatte sich nach dem Ende des Nervenkrieges gegen 1.20 Uhr sichtlich erleichtert gezeigt. "Tolle Sache. Unblutig zu Ende gegangen. Das war uns wichtig", sagte er. Die langen Verhandlungen hätten letztlich zum Ziel geführt. Der Geiselnehmer habe sich letztlich widerstandslos festnehmen lassen, nachdem er bereits angekündigt hatte, aufgeben zu wollen.

Wowereit und Henkel danken der Polizei

Der erst vor wenigen Tagen ins Amt eingeführte Polizeipräsident Kandt lobt das umsichtige und ruhige Vorgehen der Polizei, das die "erfolgreiche Lagelösung" erreicht hatte. Er selbst habe sich in der Nacht im Führungsstab laufend unterrichten lassen. "2003 hatten wir die letzte Geiselnahme in der Stadt", sagte Kandt, es sei ein relativ seltenes Delikt.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte das Vorgehen der Polizei. "Ich bin erleichtert über das glückliche Ende der Geiselnahme und danke den Polizisten für ihren professionellen Einsatz", sagte Wowereit am Sonnabend. Nun sei es Aufgabe der Ermittlungsbehörden, die Hintergründe des Falles vollständig aufzuklären.

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Auch Innensenator Frank Henkel (CDU) bedankte sich bei den Beamten: "Das Vorgehen beweist erneut die Professionalität der Hauptstadtpolizei. Gerade bei Großlagen arbeiten unterschiedliche Dienststelle zusammen. Die Berliner Polizei war auf alle Eventualitäten und Entwicklungen vorbereitet, alles hat sehr gut funktioniert. Ich danke jedem Einzelnen, egal, von welcher Dienststelle er kommt und den Mitgliedern des Führungsstabes."

Quelle: BM/hhn/mb/pol/plet/ap
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