22.12.12

Banküberfall

Berliner Geiselnehmer gesteht Überfall auf Bank

Der Geiselnehmer, der in Berlin eine Bank-Filiale überfallen hatte, hat die Tat gestanden. Seine "Bombe" entpuppte sich als Attrappe.

Von M. Behrendt, H. Nibbrig, P. Oldenburger und S. Pletl
Foto: dpa

Der Angeklagte Thomas D. auf der Anklagebank im Kriminalgericht Moabit in Berlin. Der 30-Jährige soll im Dezember 2012 in einer Filiale der Deutschen Bank einen Mitarbeiter als Geisel genommen haben.

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Bei dem Geiselnehmer, der am Freitag eine Filiale der Deutschen Bank in Berlin-Zehlendorf überfallen hatte, handelt es sich um einen 29-Jährigem russlanddeutscher Herkunft. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, behauptet der Mann, Bundeswehrsoldat gewesen zu sein.

Während des Überfalls am Freitag soll er auch über Afghanistan gesprochen haben. Ermittler konnten allerdings bis jetzt nicht bestätigen, dass der aus Wolfsburg stammende Mann wirklich an einem Auslandseinsatz der Bundeswehr teilgenommen hat.

Der Täter gestand am Sonnabend den Überfall auf die Bank und die Geiselnahme eines Mitarbeiters. Die Bombe, mit der der 29-Jährige gedroht hatte, das Bankgebäude zu sprengen, entpuppte sich nach Informationen der Berliner Morgenpost als drei Kilogramm Mehl. Die Waffe erwies sich als Schreckschusspistole, mit der er die Angestellten der Bank bedroht hatte.

Eine Million Euro gefordert

Der Bankräuber hatte nach Angaben von Einsatzleiter Jochen Sindberg zunächst 500.000 Euro haben wollen, dann aber die Summe auf eine Million Euro erhöht und einen Fluchtwagen gefordert.

Die Geiselnahme in der Bank in Berlin-Zehlendorf war am frühen Sonnabendmorgen unblutig beendet worden. Der Polizei war es gelungen, den Täter nach fast zehn Stunden und intensiven Verhandlungen zur Aufgabe zu überreden.

Offenbar hatte der Mann, der sich öfter in Berlin aufhält, einen ersten zaghaften Versuch am Tag zuvor unternommen. Er hatte in der Bankfiliale zum Vorwand ein Konto eröffnen wollen. Als dies nicht möglich war, hatte er die Filiale zunächst verlassen, war dann aber am Freitag zurückgekehrt, um den Übefall durchzuführen.

Das Motiv der Tat ist noch unklar. Einsatzleiter Sindberg deutete an, dass Schulden des Täters eine Rolle gespielt haben könnten. Die Vernehmungen dauern zurzeit noch an. Dem Täter drohen nun wegen erpresserischem Menschenraub fünf bis 15 Jahre Haft.

Geisel bleibt unverletzt

Nach seiner Aufgabe ließ der Mann zunächst seine 40 Jahre alte Geisel frei, dann stellte er sich den Beamten. Immer wieder hatte der 29-Jährige in den Verhandlungen beteuert, dass er den Angestellten nicht verletzen wolle. Geisel und Täter blieben unverletzt. "Aber natürlich war das eine psychisch belastende Situation", sagte ein Polizeisprecher. Der Angestellte der Bank wurde von einem Notarzt behandelt und danach psychologisch betreut.

Lesen Sie auch: Die dramatischen Stunden der Geiselnahme im Live-Ticker

Anschließend durchsuchten Kriminaltechniker die Bank an der Potsdamer Straße, um zu prüfen, welche Waffen der Mann bei dem Überfall bei sich gehabt hatte oder ob wirklich Sprengstoff in dem Gebäude deponiert wurde.

Ein Polizeisprecher zeigte sich nach dem Ende des Nervenkrieges gegen 1.20 Uhr sichtlich erleichtert. "Tolle Sache. Unblutig zu Ende gegangen. Das war uns wichtig", sagte er. Die langen Verhandlungen hätten letztlich zum Ziel geführt. Der Geiselnehmer habe sich letztlich widerstandslos festnehmen lassen, nachdem er bereits angekündigt hatte, aufgeben zu wollen.

Zu dem Täter hatten die Ermittler zunächst keine Angaben machen wollen. Er wurde nach seiner Festnahme zum Landeskriminalamt gebracht. Im Laufe des Sonnabends sollte er vernommen und dem Haftrichter vorgeführt werden.

Mit Bombenexplosion gedroht

Am Freitagabend hatte sich der Banküberfall zu einem regelrechten Nervenkrieg entwickelt und einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Auch eine Erstürmung der Bank war zeitweise nicht ausgeschlossen worden.

Der Mann drohte, das Gebäude mit einer Bombe zu sprengen. Den angeblichen Sprengsatz hatte der Täter in einem Koffer im Foyer der Bank deponiert.

Daraus entwickelte sich ein Verhandlungsmarathon zwischen dem Täter und den Einsatzkräften. Die Polizei hatte sich mit Informationen zunächst äußerst bedeckt gehalten, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.

Spezialisten der Polizei nahmen von einem Reisebüro neben der Filiale aus telefonisch Kontakt mit dem Geiselnehmer auf und verhandelten bis in die Nacht mit dem Mann, ohne dass sich zunächst irgendetwas an der Situation änderte. Unklar war bis dahin auch, ob der Mann tatsächlich im Besitz einer Bombe war.

Die Zeitung "Bild" berichtet, dass er mit einem Staatsanwalt telefoniert und "politische Immunität" gefordert habe. Dann wolle er "alles beenden". Ziel sei eine "konfliktfreie Lösung", hatte er hinzugefügt.

Spezialeinsatzkommando im Einsatz

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei betrat der Mann gegen 15.50 Uhr – kurz vor Geschäftsschluss – die Filiale der Deutschen Bank an der Potsdamer Straße nahe der Ecke zum Teltower Damm überfallen und - als er die Alarmsirenen hörte - einen Mitarbeiter als Geisel genommen. Zwei weiteren Angestellten der Bank gelang es noch, durch einen Seiteneingang aus der Filiale zu flüchten.

20 weitere Mitarbeiter des Geldinstituts befanden sich zum Zeitpunkt des Überfalls in der oberen Etage und wurden von dem Täter nicht bemerkt. Sie konnten das Gebäude ebenfalls verlassen. Kunden befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Bank.

Zunächst war unklar, ob es eine von langer Hand geplante Tat war. Womöglich habe der Mann auch nicht von vornherein beabsichtigt, Geiseln zu nehmen, sagte ein Polizeisprecher.

Bei der Geisel handelte es sich nach Polizeiangaben um einen 40 Jahre alten Mann aus dem Berliner Umland. Dessen Ehefrau, die sich schon gewundert hatte, warum ihr Mann nicht nach Hause kam, wurde von Psychologen betreut, hieß es aus Polizeikreisen.

Unmittelbar nachdem Mitarbeiter den Alarm ausgelöst hatten, rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an und sperrte den Tatort in einem Radius von mehreren Hundert Metern ab. ab. Neben der Bankfiliale befinden sich in dem Gebäude an der verkehrsreichen Straße auch weitere Geschäfte und Arztpraxen.

Schwerbewaffnete Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) mit Helmen und schusssicheren Westen sicherten die unmittelbare Umgebung der Filiale. Auch Diensthunde und Techniker kamen zum Einsatz. Rund 300 Beamte waren bei dem Einsatz vor Ort.

Nachdem es der Polizei gelungen war, Kontakt zu dem Bankräuber aufzunehmen, nannte der seine neuen Forderungen: eine Million Euro in bar und freien Abzug. Verhandlungsspezialisten der Polizei standen ständig in Kontakt zu dem Mann, über den Inhalt der Gespräche mit dem Geiselnehmer machte ein Polizeisprecher allerdings keine Angaben.

Wowereit und Henkel danken der Polizei

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte das Vorgehen der Polizei. "Ich bin erleichtert über das glückliche Ende der Geiselnahme und danke den Polizisten für ihren professionellen Einsatz", sagte Wowereit am Sonnabend. Nun sei es Aufgabe der Ermittlungsbehörden, die Hintergründe des Falles vollständig aufzuklären.

Auch Innensenator Frank Henkel (CDU) bedankte sich bei den Beamten: "Das Vorgehen beweist erneut die Professionalität der Hauptstadtpolizei. Gerade bei Großlagen arbeiten unterschiedliche Dienststelle zusammen. Die Berliner Polizei war auf alle Eventualitäten und Entwicklungen vorbereitet, alles hat sehr gut funktioniert. Ich danke jedem Einzelnen, egal, von welcher Dienststelle er kommt und den Mitgliedern des Führungsstabes."

Das waren die dramatischen Stunden der Geiselnahme im Liveticker.

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