22.12.12

Berlin-Kreuzberg

Flüchtlinge in besetzter Schule mit Messer angegriffen

Ein Unbekannter hat in Kreuzberg auf Asylbewerber eingestochen, die ein Schule besetzt haben. Das Motiv der Tat ist noch vollkommen unklar.

Von Sabine Flatau und Peter Oldenburger
Foto: dpa
Flüchtlinge besetzen Gebäude in Kreuzberg
Der Bezirk duldet die Besetzer der Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg. Nun kam es zu einem gewalttätigen Zwischenfall

Bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung in Kreuzberg haben in der Nacht zu Freitag zwei 30 und 19 Jahre alte Männer Schnittverletzungen erlitten. Beide mussten laut Polizei in ein Krankenhaus gebracht werden, das jüngere Opfer konnte aber nach ambulanter Behandlung bereits wieder entlassen werden.

Die Hintergründe des Streits sind noch unbekannt und Gegenstand der Ermittlungen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Der Zwischenfall ereignete sich in dem ehemaligen Schulgebäude an der Reichenberger Ecke Ohlauer Straße, das vor rund zwei Wochen von Asylbewerbern besetzt worden war.

Täter soll kein Asylbewerber sein

Die Polizei fahndet nach einem Tatverdächtigen, der einigen Bewohnern der früheren Gerhart-Hauptmann-Schule zumindest flüchtig bekannt sein soll. Er soll nach ersten Erkenntnissen nicht zur Gruppe der Asylbewerber und deren Unterstützer gehören.

Nach Polizeiangaben war es gegen 22.30 Uhr im Küchentrakt des Gebäudekomplexes zu einer Auseinandersetzung zwischen den späteren Opfern - einem 30-jährigen Iraner und einem 19 Jahre alten Afghanen - und dem Unbekannten gekommen.

Den Schilderungen zufolge hatte der Angreifer die beiden Männer zunächst mit einer Schaufel bedroht. Als ihm diese entrissen wurde, soll der Mann nach Angaben eines Polizeisprechers ein Messer gezogen und dem Iraner in den unteren Rücken gestochen haben. Als der 19-Jährige helfend eingreifen wollte, sei er selbst am rechten Ellenbogen verletzt worden. Danach sei der Angreifer geflüchtet.

Die Verletzungen des 30-Jährigen werden in einem Krankenhaus behandelt. Lebensgefahr besteht laut Polizei nicht. Ein 36-jähriger Iraner, der ebenfalls schlichtend helfen wollte, klagte nach dem Zwischenfall über Schmerzen am linken Unterschenkel. Ärztliche Behandlung lehnte er allerdings ab.

Besetzer verwehren Polizei Zutritt

Als Polizeibeamte eintrafen, wollten einige der etwa 40 anwesenden Personen deren Einsatz verhindern. Der Einsatzleiter habe erst verhandeln müssen. Offenbar befürchteten die Asylbewerber eine Räumung, obwohl das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ihnen den Aufenthalt erlaubt hatte. Nennenswerter Widerstand wurde indes nicht geleistet, so dass die Beamten kurze Zeit später das Gebäude nach dem Täter absuchen konnten - jedoch ohne Erfolg.

Unterstützer der Flüchtlinge hatten für Freitagvormittag zu einem Pressegespräch in dem Camp am Oranienplatz in Kreuzberg eingeladen, sagten das Gespräch dann aber wieder ab. "Wir müssen uns nach diesem Zwischenfall erst einmal sortieren", sagte Habet O., eine der Unterstützerinnen, die in dem Zeltdorf lebt.

Jetzt müsse über die Situation im Gebäude an der Reichenberger Straße gesprochen werden. "Im Moment ist es offen. Jeder kann rein. Das ist ein Problem", so die Unterstützerin, "weil wir das nicht überprüfen können." Außerdem sei der vordere Teil auch von einer Gruppe bewohnt, die sich für bezahlbares Wohnen in Kreuzberg einsetzt.

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