21.12.12

Ticker-Protokoll

Die dramatischen Stunden der Geiselnahme in Zehlendorf

Ein Mann hatte eine Filiale der Deutschen Bank in Berlin-Zehlendorf überfallen und eine Geisel genommen. Das waren die Ereignisse im Minutenprotokoll.

Foto: dpa

Der Angeklagte Thomas D. auf der Anklagebank im Kriminalgericht Moabit in Berlin. Der 30-Jährige soll im Dezember 2012 in einer Filiale der Deutschen Bank einen Mitarbeiter als Geisel genommen haben.

20 Bilder

>>> Lesen Sie auch: Die dramatischen Ereignisse des Tages in der Zusammenfassung.

+++ 16.34 Uhr +++

Ein bislang nicht identifizierter Mann hat am Freitagnachmittag die Filiale der Deutschen Bank an der Potsdamer Straße 54 an der Ecke zum Teltower Damm in Zehlendorf überfallen. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus ranghohen Sicherheitskreisen.

Der Mann soll im Besitz einer Bombe sein und gedroht haben das Gebäude in die Luft zu sprengen. Mindestens eine Geisel befindet sich den Informationen zufolge in seiner Gewalt. Spezialeinheiten sichern derzeit die Umgebung.

+++ 16.54 Uhr +++

Der gesamte Kreuzungsbereich Clayallee, Potsdamer Straße, Teltower Damm ist weiträumig gesperrt. Staus in alle Richtungen. Mindestens ein Dutzend Polizeifahrzeuge ist im Einsatz. Unzählige Polizeibeamte mit Maschinengewehren sperren den Tatort ab.

Auch eine Postbank-Filiale in dem abgesperrten Bereich hat geschlossen. Der Teltower Damm ist sehr stark von Weihnachtseinkäufern frequentiert. Doch jetzt ist der Teltower Damm nur bis zum Standesamt zugänglich. Danach beginnt die Sperre. Manche Verkäuferinnen in den Geschäften wundern sich in dem Bereich über ausbleibende Kunden.

Auf der Clayallee beginnt die Sperrung in Höhe der Zehlendorfer Welle. Auch der gesamte BVG-Busverkehr darf die Kreuzung nicht mehr passieren. Busse der Linien 101 und 115 stehen an der Kreuzung. Autofahrer werden - wenn das überhaupt noch möglich ist - zur Umkehr aufgefordert.

+++ 17.00 Uhr +++

Laut Polizei fordert der Bankräuber Geld und freien Abzug. Er hat einen Angestellten als Geisel genommen.

Vor Ort bietet sich ein skurril anmutendes Bild: Während die Kreuzung abgesperrt ist, klingen von der Dorfaue weihnachtliche Klänge. Dort ist ein kleiner Weihnachtsmarkt, dessen Besucher wohl noch nichts mitbekommen haben. Auch bei Woolworth an der gegenüberliegenden Ecke laufen die Geschäfte zunächst noch normal.

+++ 17.10 Uhr +++

Ein Sprecher der Polizei sagte der Berliner Morgenpost vor Ort, dass ein Täter in der Bank sei, der einen Angestellten als Geisel genommen hat. Die Polizei habe Kontakt mit dem Geiselnehmer aufgenommen. Der Mann fordere Bargeld und freien Abzug. Dass der Täter tatsächlich mit einer Bombe bewaffnet ist, wollte der Sprecher nicht bestätigen. Zu den "Drohmitteln" würden aus polizeitaktischen Gründen zurzeit keine Angaben gemacht.

+++ 17.25 Uhr +++

Nach Angaben der Polizei befanden sich bei dem Überfall weitere Angestellte in der Filiale, die durch einen Nebeneingang fliehen konnten.

Vor Ort werden die Buslinien inzwischen umgeleitet. Der S-Bahnhof Zehlendorf ist noch frei nutzbar. Auf dem Weihnachtsmarkt haben viele von dem Großeinsatz der Polizei noch nichts mitbekommen. Die Beamten an den Absperrlinien bemühen sich, freundlich den Passanten Auskunft zu geben. Über den Grund für den Einsatz sagen sie aber nichts.

+++ 17.38 Uhr +++

Zurzeit ist völlig unklar, wie lange die Geiselnahme noch dauern könnte.

Mittlerweile werden mehr Einzelheiten bekannt. Der Täter hatte die Bank zehn Minuten vor Geschäftsschluss um 15.50 Uhr betreten, in der Hand eine Tasche. Die rund 20 Angestellten, die flüchten konnten, hatten sich ersten Erkenntnissen zufolge im oberen Geschoss befunden, wo der Täter sie nicht bemerkte.

+++ 18.00 Uhr +++

Die Absperrung an der Kreuzung wird in Richtung Unter den Eichen weiter ausgedehnt. Laut dem Sprecher will die Polizei eine friedliche Lösung. Allerdings weiß man im Augenblick nicht, wie es weitergeht. Die Verhandler der Polizei haben immer wieder Kontakt zu dem Erpresser.

+++ 18.18 Uhr +++

Der Täter fordert offenbar eine Million Euro. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Sicherheitskreisen.

+++ 18.32 Uhr +++

Seit zweieinhalb Stunden ist Zehlendorf-Mitte komplett lahmgelegt. Viele Menschen wissen nicht, wie sie nach Hause kommen. Die einzige Möglichkeit ist die S-Bahn.

Hinter der Bank stehen zwei Krankenwagen. Die Spezialeinsatzkräfte halten sich vor allem vor dem Gebäude auf, in dem die Bankfiliale untergebracht ist.

+++ 18.41 Uhr +++

Zehlendorf-Mitte befindet sich im Ausnahmezustand. Auch Woolworth an der Ecke zum Teltower Damm hat inzwischen geschlossen, weil der Absperrkreis erweitert wurde. Immer noch ist unklar, wie lange die Geiselnahme noch dauern wird. Inzwischen stehen drei Krankenwagen hinter der Bankfiliale. In der Nähe der der Alten Dorfkirche gehen Präzisionsschützen in Stellung.

+++ 20.03 Uhr +++

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) melden erhebliche Beeinträchtigungen für die Buslinien M48, M11, X10, 285, 101, 112 und 115. Die Busse fahren Umwege, aber sie fahren.

+++ 20.24 Uhr +++

Die Polizei hat den Sperrkreis jetzt so weit ausgeweitet, dass niemand mehr einen direkten Blick auf die Bankfiliale hat. Der Sperrkreis beträgt rund 500 Meter rund um die Bank. Man wolle möglichst wenig Unruhe in unmittelbarer Tatortnähe, um den Geiselnehmer nicht nervös zu machen, hieß es seitens der Polizei zur Begründung.

+++ 20.26 Uhr +++

Bei der Geisel soll es sich um einen 40 Jahre alten Mann aus dem Berliner Umland handeln. Der Polizei zufolge ist es nicht der Filalleiter der Bank. Seine Frau wird psychologisch betreut.

+++ 21.50 Uhr +++

Die Polizei verhandelt weiter mit dem Geiselnehmer in der Bank. "Für uns ist so eine Situation eine ganz ernste Sachlage. Das ist gefährlich, was hier passiert", sagte ein Polizeisprecher am Einsatzort. "Die Atmosphäre ist beinahe gespenstisch", sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur dpa. Ein Ende des Geiseldramas ist bislang nicht abzusehen.

+++ 22.19 Uhr +++

Dem rbb zufolge hat die Polizei die Tankstellenbetreiber in der Umgebung aufgefordert, die Treibstofftanks abzusperren – eine Vorsichtsmaßnahme, falls es tatsächlich zu einer Explosion kommt. Rund 300 Beamte sind nach wie vor im Einsatz.

+++ 23.16 Uhr +++

Rund um den Tatort herrscht nur wenig Bewegung. Die 300 Einsatzkräfte richten sich auf eine lange und kalte Nacht ein.

+++ 23.24 Uhr +++

Laut "BZ" steht die Tasche des Bankräubers im Foyer der Bank. Immer noch sei unklar, ob darin Sprengstoff ist.

+++ 23.28 Uhr +++

Die Beamten der Bereitschaftspolizei sind inzwischen von neuen Kräften abgelöst worden.

+++ 23.45 Uhr +++

Laut Polizei ist unklar, ob es eine von langer Hand geplante Tat war. Möglicherweise habe der Mann auch nicht von vornherein beabsichtigt, Geiseln zu nehmen.

+++ 0.15 Uhr +++

Die Lage sei "statisch", sagt die Polizei. Neue Entwicklungen gebe es zurzeit nicht.

+++ 0.21 Uhr +++

Eine Anwohnerin, der der Schrecken noch anzusehen war, berichtete der Berliner Morgenpost früher am Abend, dass sie nur durch Zufall zum Zeitpunkt des Überfalls nicht in der Bankfiliale war. Als langjährige Kundin hatte sie sich gegen 15.30 Uhr auf den Weg gemacht, um einem Mitarbeiter ein kleines Weihnachtsgeschenk zu bringen. Ganz spontan entschied sie sich dann aber, vor dem Besuch der Bank noch einen anderen Einkauf zu erledigen. Als sie schließlich an der Filiale ankam, hatte die Polizei gerade mit der Absperrung des Tatortes begonnen.

+++ 0.59 Uhr +++

Ein Polizeisprecher bestätigt nach Mitternacht, dass die Lage weiter angespannt bleibt. "Wir stehen nach wie vor mit dem Mann in ständigem Gespräch und in ständiger Verhandlung", sagte der Sprecher. In welche Richtung die Situation sich entwickelt, wollte er nicht sagen. Sowohl eine Erstürmung der Bank als auch das Aufgeben des Geiselnehmers sei möglich.

+++ 1.24 Uhr +++

Es ist vorbei. Der Täter hat sich in diesem Moment ergeben. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Sicherheitskreisen. Demnach sei der Mann vor die Tür der Bankfiliale gekommen und festgenommen worden.

+++ 1.30 Uhr +++

Die Geiselnahme ist unblutig zu Ende gegangen. Die Geisel ist unverletzt.

+++ 1.43 Uhr +++

Die Kriminaltechnik ist jetzt in der Bank, prüft, ob der Mann wirklich Sprengstoff bei sich hatte und sichert Spuren.

Quelle: mb/pol/ag
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Südkorea Geretteter Schulleiter bringt sich um
Schriftsteller Trauer um Gabriel Garcia Marquez
Trotz Handelsverbot Kanada eröffnet die alljährliche Robbenjagd
Coachella Festival Hier ist Promis nichts peinlich
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Fernsehprogramm

Von Jesus Christus bis Hitler – Das läuft über…

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote