21.12.12

Asylbewerber-Protest

Messerstecher verletzt drei Menschen in Flüchtlingsquartier

Asylbewerber demonstrieren in Berlin seit Wochen für bessere Bedingungen. In einer besetzten Kreuzberger Schule eskalierte die Situation.

Von Sabine Flatau und Peter Oldenburger
Foto: dpa
Flüchtlings-Camp in der Gerhart-Hauptmann Schule
Die von Asylbewerbern besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg: Wer genau sich dort aufhält ist unklar

Bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung in Berlin-Kreuzberg haben in der Nacht zu Freitag zwei 30 und 19 Jahre alte Männer Schnittverletzungen erlitten. Beide mussten laut Polizei in ein Krankenhaus eingeliefert werden, das jüngere Opfer konnte aber nach ambulanter Behandlung bereits wieder entlassen werden.

Die Hintergründe des Streits sind noch unbekannt und Gegenstand laufender Ermittlungen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag.

Der Zwischenfall ereignete sich in dem ehemaligen Schulgebäude an der Reichenberger Ecke Ohlauer Straße, das vor rund zwei Wochen von Asylbewerbern besetzt worden war. Die Polizei fahndet nach einem Tatverdächtigen, der einigen Bewohnern der früheren Gerhart-Hauptmann-Schule zumindest flüchtig bekannt sein soll. Er soll nach ersten Erkenntnissen offenbar nicht zur Gruppe der Asylbewerber und deren Unterstützer gehören.

Streit im Küchentrakt

Nach Polizeiangaben war es gegen 22.30 Uhr im Küchentrakt des Gebäudekomplexes zu einer Auseinandersetzung zwischen den späteren Opfern – einem 30-jährigen Iraner und einem 19 Jahre alten Afghanen – und dem Unbekannten gekommen. Den Schilderungen zufolge hatte der Angreifer die beiden Männer zunächst mit einer Schaufel bedroht. Als ihm diese entrissen wurde, soll der Mann nach Angaben eines Polizeisprechers ein Messer gezogen und dem Iraner in den unteren Rücken gestochen haben. Als der 19-Jährige helfend eingreifen wollte, sei er selbst am rechten Ellenbogen verletzt worden. Danach sei der Angreifer geflüchtet.

Die Verletzungen des 30-Jährigen werden in einem Krankenhaus behandelt. Lebensgefahr besteht laut Polizei nicht. Ein 36-jähriger Iraner, der ebenfalls schlichtend helfen wollte, klagte nach dem Zwischenfall über Schmerzen am linken Unterschenkel. Ärztliche Behandlung lehnte er allerdings ab.

Als Polizeibeamte eintrafen, wollten einige der etwa 40 anwesenden Personen deren Einsatz verhindern. Der Einsatzleiter habe erst verhandeln müssen. Offenbar befürchteten die Asylbewerber eine Räumung, obwohl das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ihnen den Aufenthalt erlaubt hatte. Nennenswerter Widerstand wurde indes nicht geleistet, so dass die Beamten kurze Zeit später das Gebäude nach dem Täter absuchen konnten – jedoch ohne Erfolg.

Unterstützer der Flüchtlinge hatten für Freitagvormittag zu einem Pressegespräch in dem Camp am Oranienplatz in Kreuzberg eingeladen, sagten das Gespräch dann aber wieder ab. "Wir müssen uns nach diesem Zwischenfall erst einmal sortieren", sagte Habet O., eine der Unterstützerinnen, die in dem Zeltdorf lebt. Die Auseinandersetzungen in der Schule seien bis in die Morgenstunden gegangen. "Jemand von der Security-Gruppe an der Schule hat beim Infopoint des Camps angerufen", so die junge Frau. "Dann sind wir hingefahren." Die Stimmung in der Schule sei "ziemlich aufgeheizt" gewesen. Die Verletzten waren jedoch bereits medizinisch versorgt.

Kritik an fehlender Kontrolle

Jetzt müsse über die Situation im Gebäude an der Reichenberger Straße gesprochen werden. "Im Moment ist es offen. Jeder kann rein. Das ist ein Problem", so die Unterstützerin, "weil wir das nicht überprüfen können." Denn nicht nur die Flüchtlinge wohnen in der Schule. Im vorderen Teil des Gebäudes habe sich eine andere Gruppe angesiedelt, die sich für bezahlbares Wohnen in Kreuzberg einsetzt. In dem Camp am Oranienplatz kenne man diejenigen, die dort übernachten. "Wir sehen ja, wer in ein Zelt geht oder herauskommt." Aber in der Schule sei die Lage unkontrollierbar. "Wir wissen nicht, wer dort zu den Unterstützern gehört und wer nur zum Feiern kommt." Die Lage bei den Unterstützern sei "inzwischen unüberschaubar", so die junge Frau.

Eine Räumung des Schulgebäudes ist nicht zu befürchten. Die Flüchtlinge werden bis März 2013 geduldet. Diese Zusage hat der Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), gegeben.

Doch auch das Zeltlager am Oranienplatz ist weiterhin bewohnt. Jeweils sonntags und mittwochs treffen sich Flüchtlinge und Unterstützer zu einem Plenum. Im Camp gebe es eine Aktionsgruppe, eine Mediagruppe und eine Küchengruppe, sagte Habet O. Das für Freitag vorgesehene Pressegespräch werde nun voraussichtlich am Sonntagvormittag nachgeholt. Es könnte vor der Plenumssitzung stattfinden.

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