19.12.12

Exklusiv

Berliner CDU will Reform der Lehrerbildung stoppen

Für Bildungssenatorin Scheeres ist sie eines der wichtigsten Vorhaben der Legislaturperiode. Für die Union stört die Reform den Schulfrieden.

Foto: pa / Bildagentur-online

Hintergrund für das Reformvorhaben der Berliner Bildungssenatorin sind neue Anforderungen, etwa durch die Inklusion von behinderten Kindern an Regelschulen, durch neue Schulformen oder durch einen wachsenden Fachkräftemangel
Hintergrund für das Reformvorhaben der Berliner Bildungssenatorin sind neue Anforderungen, etwa durch die Inklusion von behinderten Kindern an Regelschulen, durch neue Schulformen oder durch einen wachsenden Fachkräftemangel

Die von Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) geplante weitreichende Reform der Lehrerausbildung stößt im Landesvorstand der CDU auf Ablehnung. Das geht aus einer Stellungnahme des Vorstandes hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. "Damit die Lehrerinnen und Lehrer ihren Lehrauftrag erfüllen können, muss Ruhe in die Schulen einkehren", sagt Kai Wegner, Generalsekretär der Berliner CDU.

Wegner erinnert an den im Koalitionsvertrag vereinbarten Schulfrieden. Der aber könne nur dann eintreten, wenn auf weitreichende Reformen verzichtet wird. Wegner kritisiert vor allem die Pläne, keinen extra Studiengang mehr für Oberstudienräte an Gymnasien anzubieten. Stattdessen sollen Sekundarschullehrer und Gymnasiallehrer dieselbe Ausbildung erhalten. Der CDU-Landesvorstand spricht sich "gegen Gleichmacherei und gegen einen Kulturkampf" gegen Gymnasien aus.

Expertenkommission eingesetzt

Für Bildungssenatorin Scheeres ist die Lehrerbildungsreform eines der wichtigsten Vorhaben dieser Legislaturperiode. Sie hatte eine Expertenkommission unter Leitung des renommierten Pisa-Forschers Jürgen Baumert eingesetzt, die Ende September Vorschläge zur Verbesserung der Lehrerausbildung präsentierte.

Hintergrund für das Reformvorhaben der Senatorin sind neue Anforderungen, etwa durch die Inklusion von behinderten Kindern an Regelschulen, durch neue Schulformen oder durch einen wachsenden Fachkräftemangel.

An Gymnasien hatten die Initiativen der Schulsenatorin bereits zu heftiger Kritik geführt. Denn Gymnasiallehrer sollen nach den Vorschlägen künftig nicht mehr länger studieren als Sekundarschullehrer. "Eine Gleichmacherei in der Lehrerausbildung geht an den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schüler vorbei", sagt Kathrin Schultze-Berndt, Vorsitzende des Fachausschusses Schule in der CDU. Schließlich würden die Schüler an Sekundarschulen vorrangig eine Berufsausbildung anstreben und die Schüler am Gymnasium ein Studium. Das erfordere eine unterschiedliche Vorbereitung der Lehrkräfte, die für einen differenzierten und qualifizierten Unterricht nötig seien. Das gelte insbesondere für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Die Expertengruppe hatte vorgeschlagen, den eigenständigen Studiengang Sonderpädagogik abzuschaffen. Stattdessen soll es künftig in allen Lehramtsstudiengängen den Schwerpunkt Sonderpädagogik geben. Eine "Schmalspurausbildung" in diesem Bereich lehnt die CDU ab. Zudem weist CDU-Schulexpertin Schultze-Berndt auf die Gefahr hin, dass die Abschlüsse in der Berliner Lehrerbildung nach der geplanten Reform in Deutschland künftig nicht mehr problemlos anerkannt werden könnten.

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